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Psychoterror in einer neuen Dimension

Wahlstedt Psychoterror in einer neuen Dimension

Theaterstück zu Cybermobbing zeigt 148 Wahlstedter Schülern eindrucksvoll die schlimmen Konsequenzen auf.

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Die fröhliche Szene täuscht: Lea (Svenja Petermann) mag Andi (Alexander Abramyan), doch der macht sich hinterrücks über sie lustig.

Quelle: Fotos: Hiltrop

Wahlstedt. Eigentlich sind Lea und Nadine (beide 17) beste Freundinnen. Bis Nadine neidisch auf die Schulkameradin wird, anfängt, Lügen über sie zu verbreiten und sie in ein schlechtes Licht zu rücken. Aus „Zickenterror“ wird Mobbing. Lea erfährt die ersten Sticheleien und eine steigende Ausgrenzung. „Lea beleidigen, das ist Sport geworden“, posaunt Nadine fast gutgelaunt in die Welt. 148 Acht- und Neuntklässler der Wahlstedter Poul-Due-Jensen-Schule (PDJS) verfolgen ihren Spott und wie sich Svenja Petermann als Lea in dem Stück „Fake oder: War doch nur Spaß“ immer mehr zurückzieht.

Doch das, was die Schauspielerin zusammen mit ihrem Kollegen Alexander Abramyan vom Ensemble Radiks aus Berlin darstellt, erleben Kinder und Jugendliche tagtäglich. Durch soziale Netzwerke bekommt Mobbing unter Schülern eine ganz neue Dimension. Eine Studie, die vom Bündnis gegen Cybermobbing 2013 in Auftrag gegeben wurde, besagt, dass mehr als ein Viertel aller befragten Schüler Opfer solcher Attacken geworden sind. Dabei ist die Gruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen besonders betroffen.

„Cybermobbing ist ein ganz großes Thema. Das fängt schon in der Grundschule an“, bestätigt Polizist Jürgen Schlichting. Er ist in die Präventionsarbeit der PDJS und anderer Schulen eingebunden und verfolgt gespannt den szenischen Sechs-Monate-Rückblick von Karl Koch auf das Leben eines Teenagers. Ebenso wie Lehrerin Annkathrin Köper. Die hatte von dem Stück gelesen und die Aufführung organisiert. Die Darsteller schlüpfen mit einfachsten Mitteln in die unterschiedlichsten Rollen — mal Täter, mal Opfer, Eltern und Lehrer. Andi umgarnt Lea, macht sie absichtlich betrunken. Der Exzess landet in sozialen Netzwerken im Internet. Ein klassischer Mobbingfall hat sich zum Cybermobbing ausgewachsen, an dessen Ende das Mädchen in seiner Verzweiflung versucht, sich das Leben zu nehmen. „Ich wollte im Stück mitspielen, habe mich aber gefragt, wozu es ein Stück über Cybermobbing braucht, bis ich in den Schulen gesehen habe, wie wichtig es ist“, räumt Schauspieler Alexander Abramyan in der anschließenden Diskussion mit den Jugendlichen ein. Wie dicht das Stück an der Realität ist, zeigt der traurige Fall von Hannah Smith. Die 14-jährige Britin erhängte sich 2013, weil sie die anonymen Beschimpfungen im Netz nicht mehr hatte ertragen können. Kein Einzelfall.

Auch die PDJS-Schüler, von denen nahezu 100 Prozent in sozialen Netzwerken, vor allem Instagram, Snapchat und Facebook, unterwegs sind, berichten davon: „Ich habe das selbst schon erlebt“, so die 15-jährige Eliza, „ich war selber Opfer, aber ich war auch Täter, habe mich an Beleidigungen beteiligt. Es hat mir im Nachhinein schrecklich leid getan.“ Dass die Konsequenz aus dem unüberlegten Handeln im Stück so deutlich wird, gefiel ihr besonders.

Die Experten-Tipps zur Vorbeugung

Schüler , die gemobbt werden oder von Mobbing-Attacken erfahren, sollten das auf gar keinen Fall totschweigen. Sie sollten sich sofort an den Vertrauenslehrer, die Schulleitung oder Eltern wenden, denn es muss entschieden und vor allem schnell eingegriffen werden. Außerdem sollte unbedingt die Polizei eingeschaltet werden, denn Cybermobbing ist keine Bagatelle. Es geht sehr oft weit über Beleidigungen hinaus in kriminelle Bereiche wie etwa Drohungen, Nötigungen oder gar Erpressungen.

Eltern und Schule können dazu beitragen, Mobbing und Cybermobbing einzudämmen: Sie sollten einen Verhaltenkodex aufsetzen, der sich in der Schulordnung wiederfindet. Die Nutzung von Smartphones, Filmen in der Schule muss klar geregelt sein, Mobbing-Folgen für Opfer und Täter ein Thema in der Präventionsarbeit sein. Um Mitläufertum vorzubeugen, sollte Zivilcourage und der Einsatz für Mitschüler unbedingt gefördert werden.

Mehr Infos im Netz unter www. buendnis-gegen-cybermobbing.de hil

Von Heike Hiltrop

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