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Segeberg Quartiers-Konzept vorerst gescheitert
Lokales Segeberg Quartiers-Konzept vorerst gescheitert
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21:24 09.06.2017

Ein eigenes Wärmenetz aus regenerativen Ressourcen, damit die Energiefresser Schule, aber vor allem das Schwimmbad in Rickling effizienter betrieben werden können – das war die Grundidee des Projekts. „Für Sparfüchse“ – so versuchte Bürgermeister Christian Thomann in einer Ankündigung noch mehr Anwohner aus dem Quartier rund um den Eichbalken und den Krähenberg zum letzten Workshop ins Kirchengemeindehaus zu locken. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht – mit dem niedrigen Ölpreis könnte ein Holzschnitzel-Heizkraftwerk nicht konkurrieren.

„Ich hatte mir mehr erhofft. Das muss erst mal sacken.Christian Thomann Bürgermeister

Zumindest nicht jetzt.

8,6 Cent würde die Kilowattstunde nach den Berechnungen des Beratungsbüros Treurat und Partner aus Kiel kosten bei einem Wärmenetzwerk mit Holzschnitzel-Kraftwerk für zwei Millionen Euro. Unter der Bedingung, dass 100 Prozent des Wärmebedarfs von Schule, Schwimmbad, Neubaugebiet und Kaftan-Haus vom Landesverein durch das neue Netzwerk gedeckt würden, rechnete Planer Sven Gottwald den Ricklingern vor. Zusätzlich müssten 60 Prozent des Quartiers mitmachen. Dazu kommt ein Grundpreis von 476 Euro per anno. In der Gegenüberstellung der Jahreskosten unter Einbeziehung von Ersatzinvestitionen fallen laut Gottwald bei der Ölheizung 2235 Euro an, bei einem neuen, dezentralen Wärmenetz jedoch 2557 Euro. Über 300 Euro Preisvorteil zugunsten der Ölheizung.

„Das muss man erst einmal sacken lassen“, resümiert der Bürgermeister. Zu diesen Bedingungen, das ist allen klar, werde man nicht die benötigte Zahl von Teilnehmern erreichen können, um das Wärmenetzwerk umzusetzen. Es sei einfach der falsche Zeitpunkt: „Vor zwei Jahren noch wäre der Preis konkurrenzfähig geworden“, betonte Gottwald. Das werde er voraussichtlich auch wieder werden.

Aber nach derzeitigen Prognosen erst in acht Jahren – bei einer angenommenen Heizölpreissteigerung von sechs Prozent. Wenn der Liter Öl knapp 70 Cent kostet, wäre das dezentrale Wärmenetz kostendeckend. „Das war 2014 der Fall.“ Dann aber setzte der Fracking-Boom ein. . .

„Die Idee ist super“, findet Günther Burrack. Der 70-Jährige wohnt im Eichbalken und ist sehr interessiert an einem dezentralen Wärmenetzwerk. „Ich will weg vom Gas“, sagt Burrack, der bereits Solarthermie für die Wasseraufbereitung nutzt. Momentan sieht aber auch er keine Chance für das Projekt. „Ich zahle gerade 6,44 Cent für die Kilowattstunde“, sagt er. „Das sind zwei, drei Cent Unterschied.“ Bei einer Grundgebühr von nur 120 Euro. „Das ist schwer vermittelbar.“

Bei allen Vorteilen, die das Projekt bietet, das ist auch Gottwald vom Beratungsbüro klar. Angefangen von der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, den Klimaschutz bis hin zum Imagegewinn und Steuereinnahmen, die eine Gemeinde mit so einem Wärmenetz generieren könnte. Unter anderen Gegebenheiten – etwa einer Biogasanlage am Ort – hätte die Wärmepreisberechnung womöglich anders ausgesehen.

Aber, so betont der Planer auch: „Das Wärmenetz läuft ja nicht weg.“

Nadine Materne

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