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Segeberg Radler-Umfrage: Miserable Noten für Bad Segeberg
Lokales Segeberg Radler-Umfrage: Miserable Noten für Bad Segeberg
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09:36 06.07.2017
„Radfahrer absteigen“: Eines der beliebtesten Schilder in Bad Segeberg. So oft anzutreffen, dass sich kaum noch ein Radfahrer mehr dran hält.
Bad Segeberg

Zugewachsene, nur unter Gefahr nutzbare Radwege, Absteig-Zwang an Baustellen, holprige Routen, die seit Jahrzehnten nicht erneuert wurden. Radfahren in Bad Segeberg ist offenbar die Hölle. Das jedenfalls meinen Radfahrer, die bei einer bundesweiten Untersuchung des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) mit ihrem Urteil Bad Segeberg auf einen der letzten Plätze setzten.

Wilken-Kebeck: „Radverkehr 20 Jahre lang fürchterlich schleifen lassen“.

Über das katastrophale Ranking-Ergebnis wurde aber kürzlich im Bauausschuss gar nicht erst geredet. Hier setzte sich Bauamtsleiterin Antje Langethal vielmehr dafür ein, dass die Kreisstadt sich einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein anschließt. Dies soll der Beratung und Vernetzung dienen, koste die Stadt aber 1000 Euro Beitrag im Jahr.

Gerade beim Thema Öffentlichkeitsarbeit erhofft sich Langethal Hilfe. „Das ist etwas, was wir als Stadt bisher nicht geleistet haben und auch personell nicht intensiv leisten können.“

Doch für Joachim Wilken-Kebeck (SPD) kann man die Situation mit mehr Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr schönreden. „Mal ehrlich, wir haben seit mindestens 20 Jahren den Fahrradverkehr in dieser Stadt fürchterlich schleifen lassen. Wir sind uns der Unzulänglichkeiten bewusst und hoffen auf mehr Geld für die Zukunft.“ Der Fahrradverkehr finde für die Stadtpolitiker gar nicht statt, außer dass die Politiker hin und wieder kurze Radtouren unternähmen, „um jedes Jahr das Gleiche an Mängeln festzustellen“, gestand der langjährige Politiker ein. Ein schlimmes Fazit, das auch bei der Untersuchung des ADFC bestätigt wird.

Der rief mit einem Fahrradklima-Test 2016 zu einer bundesweiten Umfrage auf. Ziel war herauszufinden, wie zufrieden Radler mit den Bedingungen auf ihren Straßen und Radwegen sind. 120 000 Bürger nahmen bundesweit an der Umfrage teil. 59 Teilnehmer gaben für Bad Segeberg ihr Votum ab. Es ist ein extrem schlechtes Zeugnis geworden. Bei den Städten bis zu 50000 Einwohnern belegt die Stadt Platz 354 von 364. Landesweit Platz 28 von 29. Die Kalkbergstadt gehörte damit bundesweit zu den zehn schlechtesten Städten in ihrer Größenordnung. Besonders negativ fällt die Kreisstadt mit ihren schmalen Radwegen auf. Auch die holprigen, unebenen „Velo-Routen“ werden oft kritisiert. Eine „Fünf“ als Schulnote bekam die Stadt auch für die nicht vorhandene Werbung für das Radfahren. Die Testsieger aus Schleswig-Holstein sind Norderstedt und Eckernförde. Die erreichten immerhin die Schulnote 3,0 bis 3,4. Bad Segeberg bekam die Gesamtnote 4,4.

„Wenn wir nicht den Willen haben, das zu ändern, brauchen wir auch gar nicht einer Arbeitsgemeinschaft fürs Fahrrad beizutreten. Das wäre nur ein Alibi“, meint Wilken-Kebeck. Für Bauamtsleiterin Langethal ist eine Grundsatzentscheidung fällig, wie es mit dem Fahrradverkehr in Bad Segeberg weitergehen soll. Wolfgang Tödt (Wählergemeinschaft BBS) baut hier auf die Hilfe des Kreis-Radverkehrsbeauftragten aus Norderstedt. Den möchte er bei einer Beratung des Themas dabei haben. Dann könne man auch entscheiden, ob man der Arbeitsgemeinschaft nun beitrete – oder nicht. Das findet auch Annelie Eick (Grüne): „Wir haben seit Jahren die Radwege stiefmütterlich behandelt, es ist wichtig, dass wir jetzt Impulse bekommen.“ Impulse hin oder her, eine positive Erkenntnis aus dem ADFC-Test gibt es: Auch wenn Bad Segeberg keine funktionsgerechten Radwege hat – hier fahren fast alle Fahrrad . . .

Schlechtes Klima

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und fand zum siebten Mal statt. Bad Oldesloe bekam immerhin die Gesamtbewertung 3,9. Schlechter als Bad Segeberg ist noch Pinneberg (Note 4,45). Die Ergebnisse für Schleswig-Holstein sind eher schlecht. Radfahrer in Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, Itzehoe und Lübeck gaben ihrer Stadt nur eine „4“.

 Wolfgang Glombik

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