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Segeberg Mysteriösem Glasbild auf der Spur
Lokales Segeberg Mysteriösem Glasbild auf der Spur
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19:54 10.02.2019
Dem Historiker Heiko Vosgerau ist es gelungen, das Rätsel der Glasmalerei in der Bad Oldesloer Villa „Sophie“ bis auf einige offene Fragen zu entschlüsseln. Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Die Lösung des Rätsels um das mysteriöse Glasbild in der Oldesloer Villa „Sophie“ ist einen erheblichen Schritt nähergerückt. Eigentümer Jürgen Seemann, der das Haus aus der Gründerzeit vor dem Abriss bewahrt und mit großer Hingabe wieder hergerichtet hatte, vermochte sich keinen Reim darauf zu machen, was die Motive auf dem farbenfrohen Kunstwerk zu bedeuten haben. Darüber hinaus stellte sich ihm die Frage, ob das von Sprossen gegliederte Bleiglasfenster tatsächlich für die Villa angefertigt wurde oder ob es nicht doch aus einem anderen Objekt stammt. Der Oldesloer Historiker Heiko Vosgerau hat nun etwas Licht ins Dunkel gebracht und die mysteriösen Darstellungen auf dem Glasbild entschlüsselt.

Was steckt hinter den Schriftzügen?

Der siebenarmige Leuchter ist das Zeichen des Adelsgeschlechts von Levetzow. Quelle: Dorothea von Dahlen

Unklar war zunächst, welche Bedeutung der Ritter hat, der im Zentrum des Glasbildes steht. Auf seinem Schild ist ein siebenarmiger Leuchter zu sehen. Dieses Motiv wiederholt sich auch Linkerhand auf einem benachbarten kleineren Fensterelement. Darüber ist zudem ein nicht ganz vollständiges Textband gespannt. Einzig das am Anfang stehende „von“ und die Endung „ow“ sind lesbar, der Rest wird von einer Pfauenfeder verdeckt. Ähnlich verhält es sich mit dem Glasbild rechts neben dem Ritter. Über dem sehr farbenreichen Segment, auf dem ein Schild mit einer Löwenfigur erkennbar ist, lassen sich ebenso nur einzelne Buchstaben eines ursprünglich längeren Schriftzugs entziffern.

Diese zunächst verwirrenden Puzzleteile setzte Heiko Vosgerau nun Schritt für Schritt zusammen. Da er sich mit genealogischer Forschung gut auskennt, gelang es ihm, eine ganze Reihe Rückschlüsse zu ziehen. „Mir war gleich klar, dass es sich bei den Darstellungen um Familienwappen handeln musste“, berichtet er. Der siebenarmige Leuchter oder Kerzenrechen brachte ihn zunächst auf die Spur der von Levetzows. Dieses Adelsgeschlecht trägt ein solches Zeichen in seinem Schild. „So erklärt sich auch die Jahreszahl 1219, die über der Ritterfigur in das Glasbild eingelassen ist. Denn in diesem Jahr wurden die Levetzows erstmals urkundlich erwähnt“, sagt Vosgerau. Seinen Erkenntnissen zufolge können die Glasmalereien jedoch erst nach 1903 entstanden sein. Bis zu diesen Zeitpunkt hatte das Wappen nämlich noch fünf Zacken. Auf Beschluss der Familie wurde die Anzahl kurz nach der Jahrhundertwende auf sieben erhöht.

Familie mit illustren Gestalten

„Die Familie hat zahlreiche illustre Persönlichkeiten hervorgebracht, darunter die letzte Liebe Goethes, einen Reichtagspräsidenten sowie einen Flottenkommandeur und einen Berliner Polizeichef. Nicht zuletzt stammt auch der erste Landrat von Stormarn, Wilhelm von Levetzau aus der Familie, dessen Amtssitz 1873 Schloss Reinbek wurde“, fasst Vosgerau seine Recherchen zusammen. Eine direkte Verbindung des Adelsgeschlechts zu Bad Oldesloe konnte der Historiker indes nicht herstellen. „Die Vermutung liegt tatsächlich nahe, dass die Glasscheiben aus dem Besitz der Familie stammen und nachträglich in die Villa ,Sophie’ eingebaut wurden“, sagt er.

Dem rot-grünen Löwen auf der Spur

Das Wappen der Familie von Schönberg. Quelle: Dorothea von Dahlen

Es blieb aber noch zu klären, was es mit der kryptischen Inschrift auf der rechten Seite des Bleiglasfensters auf sich hat. Vosgerau begab sich in diesem Fall auf die Spur des Löwens, der in dem deutlich umrissenen Schild in den Farben rot-grün zu sehen ist. Alsbald stieß er auf das Adelsgeschlecht der Schönbergs, die eigentlich im sächsisch-thüringischen Bereich ansässig waren. Doch der Historiker ließ nicht locker und fand eine Spur, die nach Schleswig-Holstein in den Lübecker Raum führt, und einiges mehr.

Tatsächlich heiratete 1865 ein Hans Heinrich Hermann von Levetzow eine Johanna von Schönberg. Beide Ehegatten starben in Lübeck, er im Jahr 1913, sie bereits 1910. „Damit ist zumindest zwischen den auf dem Glasbild dargestellten Adelsfamilien eine räumliche Nähe zu Bad Oldesloe hergestellt“, sagt Vosgerau.

Damit ist die Geschichte des Glasbildes selbst weitgehend erforscht. Offen bleibt nach wie vor, in welchem Zusammenhang es zur Villa „Sophie“ steht und wo es wohl ursprünglich herstammt. Weitere Hinweise ergeben sich vielleicht beim nächsten Treffen der Familie von Levetzow. Wie die LN vom Eigentümer des Gutes Lelkendorf im Mecklenburgischen erfuhr, das als Stammsitz gilt, ist eine solche Zusammenkunft im Juni dieses Jahres wieder geplant. „Wir könnten die Fotos vom Glasbild herumreichen und fragen, ob jemand etwas über die Herkunft weiß“, sagte Joachim von Levetzow.

Historiker und Schauspieler

Für seine fundierten historischen Recherchen ist Heiko Vosgerau in Bad Oldesloe im Übrigen wohl bekannt. Die Theatergruppe Badomat schätzt sich glücklich, ihn in ihren Reihen zu wissen. Schließlich stand er bei sämtlichen Stücken, die das Ensemble bis dato aufführte, als Experte zur Seite. Er schaute den Regisseuren oder Drehbuchautoren beratend über die Schulter, gab Anregungen und Hinweise, damit sich keine Ungenauigkeiten oder gar geschichtliche Verzerrungen einschleichen. „Meine Motivation als Historiker ist dabei natürlich auch, über den Umweg des Theaters Leuten ein wenig die Stadtgeschichte nahe zu bringen“, sagt Vosgerau. Und gerade deshalb schlüpft der Oldesloer auch gern selbst in historische Rollen. So spielte er den Advokaten bei der Aufführung von „1848 –Freiheit für Bad Oldesloe oder den Bürgermeister Christian August Noodt bei der historischen Krimistadtführung „Tod in der Trave“. Welche Figur er in der neuen Produktion von Badomat einnehmen wird, wollte er aber noch nicht verraten. . .

Dorothea von Dahlen

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