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Segeberg Raub auf Star-Tankstelle: Geständnis widerrufen
Lokales Segeberg Raub auf Star-Tankstelle: Geständnis widerrufen
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20:17 30.06.2016

Körperverletzung, Diebstahl, Raub, Sachbeschädigung und wieder Körperverletzung. Bei der Länge seines Vorstrafenregisters dürfte Kevin L. (Name geändert) in den vergangenen zehn Jahren so ziemlich alle Richter am Bad Segeberger Amtsgericht persönlich kennengelernt haben. Jugendstrafen, Haftstrafen – der 27-Jährige kennt das alles. Aktuell ist er auf Bewährung – und sitzt seit dieser Woche erneut vor dem Schöffengericht. Die Vorwürfe: schwere räuberische Erpressung und wieder Körperverletzung in fünf Fällen.

„Ich gehe nicht für etwas ins Gefängnis, das ich nicht getan habe“, war so ziemlich alles, was Kevin L. zum Raubvorwurf sagte. Laut Staatsanwaltschaft soll L. am 5. Februar 2014 gegen 1.20 Uhr die Star-Tankstelle in Bad Segeberg betreten, den Kassierer mit einer schwarzen Spielzeugpistole bedroht und das Bargeld gefordert haben. Knapp 900 Euro.

L. bestritt die Tat vor Gericht – und wurde mit seiner Vernehmung bei der Polizei konfrontiert: „Warum haben Sie dann auf 31 Seiten die Tat detailliert gestanden?“, wollte Richterin Sabine Roggendorf wissen. Er sei auf Drogen gewesen, so L., dessen Halbbruder bei der Tankstelle gearbeitet hatte. Zunächst war L. als Zeuge befragt worden, rückte dann als Tatverdächtiger in den Fokus der Ermittler.

Von Täterwissen sprach das Gericht. Detailliert habe L. in der Vernehmung geschildert, wie er zunächst beim Supermarkt gegenüber gewartet habe, bis die Tankstelle leer war, und wie er maskiert gewesen sei. Mit Polizeibeamten rekonstruierte er vor Ort den Tatverlauf, zeigte ihnen den Fluchtweg über die Parkplätze der Supermärkte gegenüber Richtung Kino.

Aussagen, die sich decken mit den Bildern einer Überwachungskamera auf dem Parkplatz, die den Weg des Täters festgehalten hat. Über dessen Identität geben die Bilder allerdings keinen Aufschluss, der Räuber ist maskiert gewesen. Eine Erklärung für die Übereinstimmungen hat L. nicht. Auch kein Alibi: „Ich weiß nicht ’mal, was ich vorgestern gemacht habe.“

Eine der Vernehmungsbeamten von damals erinnert sich gut. L. habe auf mehrfache Nachfrage einen Anwalt verweigert, er habe erleichtert gewirkt, als er sein Geständnis abgegeben habe. Bei der Tat- und Fluchtwegrekonstruktion sei er zielstrebig gewesen, ohne zu zögern. Dass er unter Drogen gestanden haben soll, den Eindruck hatte die Zeugin nicht. Bei der Vorführung vor dem Haftrichter am Tag nach der Vernehmung nahm L. sein Geständnis plötzlich zurück – er sei unter Druck gesetzt worden, begründete er damals. „Ich weiß noch, dass ich ganz geschockt gewesen bin“, so die Kriminalkommissarin. In diese Richtung habe er sich zuvor zu keinem Zeitpunkt geäußert.

Der Tankstellenraub ist nicht das einzige Delikt, das L. vorgeworfen wird. Er soll im April 2015 in Schwissel vier Menschen körperlich misshandelt, sie mit Fäusten geschlagen haben. Einer erlitt eine Nasenbeinfraktur, war kurz bewusstlos. Im Juni 2015 soll L. zudem seine damalige Freundin gewürgt und ebenfalls mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wird es eng für den Angeklagten: Zum Ende des ersten Verhandlungstages erfuhr das Gericht von einer weiteren Anklage gegen L. Es geht um Raub. Es könnte sein, dass das Verfahren damit an das Landgericht überwiesen werden muss, da das zu erwartende Strafmaß die Höchststrafe eines Amtsgerichts übersteigt: Das wären mindestens vier Jahre. Der Prozess wird am 13. Juli fortgesetzt.

Nadine Materne

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