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Segeberg Raubvorwurf: Zeugen machen widersprüchliche Angaben
Lokales Segeberg Raubvorwurf: Zeugen machen widersprüchliche Angaben
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21:12 16.08.2016

Es geht bei der Raubtat zwar „nur“ um eine Jacke, ein Smartphone und eine Geldbörse mit 30 Euro Inhalt, doch sie kann für Kevin L. (alle Namen geändert) den Ausschlag geben, ob sein Verfahren wegen der zu erwartenden Strafe an das Landgericht in Kiel abgegeben werden muss – wenn sich die Vorwürfe bestätigen. Immerhin werden dem 27-Jährigen mit üppigem Vorstrafenregister zusätzlich der Überfall auf die Star-Tankstelle in Bad Segeberg vorgeworfen sowie mehrfache Körperverletzung. Eine Gesamtstrafe von über vier Jahren, die fällig werden könnte, dürfte das Schöffengericht in Bad Segeberg aber nicht aussprechen (die LN berichteten).

„Ich bin mir absolut sicher, dass Kevin dabei war, er hat mich festgehalten.“Zeuge und Geschädigter Marvin S.

„Das Gesicht des Angeklagten kann ich

nicht zuordnen.“Zeuge und Geschädigter Tino W.

Laut der jüngsten Anklageschrift soll L. im Juni 2014 gemeinschaftlich mit sechs gesondert verfolgten Personen vier Jugendliche auf dem Parkplatz hinter der Sparkasse bedrängt, ihnen Gewalt angedroht und sie zur Herausgabe von Wertgegenständen genötigt haben. „Ich war gar nicht dabei“, bestreitet L. seine Beteiligung gestern vor Gericht. In der besagten Nacht habe er mit Freunden auf der Kirchenwiese gesessen und getrunken. Die vier Geschädigten seien vorbeigegangen und dann von einigen aus der Gruppe verfolgt worden. „Etwa 30 Minuten später kamen die anderen zurück und tönten rum, dass sie die abgezogen haben“, sagt L. aus.

Zeuge Daniel B. bestätigt das, sein Verfahren in der Sache ist eingestellt worden. Er sei den anderen ein paar Minuten später hinterher gelaufen. „Ich war neugierig.“ Kevin L. sei aber an der Kirche geblieben. Von „der kleinen Rauferei“ selbst will B. nicht viel mitbekommen haben. Als er auf dem Parkplatz ankam, seien ihm die ersten schon wieder entgegengekommen. Mit den Geschädigten will er sich dann noch unterhalten haben, bevor auch er wieder zurück zur Kirche gegangen sei.

Die Aussagen der Bestohlenen weichen jedoch voneinander ab: „Es war schon vier oder fünf Uhr, wir wollten den Abend hinter der Sparkasse ausklingen lassen“, berichtet Max R. noch übereinstimmend mit seinen drei Freunden. Dann sei der Haupttäter das erste Mal bei ihnen gewesen und wollte eine Zigarette. Ein paar Minuten später sei dieser dann mit einer Gruppe von „mindestens drei“ Personen aufgetaucht, „vielleicht auch fünf“. Die Angreifer hätten die vier eingekesselt, Backpfeifen ausgeteilt, Geld, Handy und Jacke gestohlen.

Den Angeklagten L. erkennt R. vor Gericht aber nicht wieder. Vielmehr habe der bereits freigesprochene Daniel B. dem Anführer ähnlich gesehen. „Aber das kann ich nicht genau sagen.“ Dagegen ist sich Zeuge Jakob P. sicher, dass B. es war, der ihn festgehalten habe. Ob auch der Angeklagte dabei war? „Das kann ich nicht sagen, das ist zwei Jahre her.“ Vielmehr habe er den Initiator auf Facebook gefunden: Evgeny D. „An das Gesicht erinnere ich mich.“

Opfer Tino W. wiederum berichtet, dass nicht einer, sondern zwei Typen beim ersten Mal nach einer Zigarette gefragt hatten. Den Angeklagten erkennt aber auch er nicht wieder. Lediglich Marvin S.

ist sich sicher, dass L. beim Raub dabei war. Er sei aber keiner der drei Hauptakteure gewesen. Die Gruppe habe aus „über zehn Leuten“ bestanden.

Staatsanwalt Matthias Daxenberger thematisiert die Problematik von Zeugenaussagen und hält Marvin S. dessen Aussage von vor zwei Jahren bei der Polizei vor. Dort hatte S. von Erinnerungsbruchstücken berichtet – alle hatten viel getrunken an dem Abend. Auszüge des Protokolls legen nahe, dass der 20-Jährige einiges nur aus Erzählungen kennt. Doch S. beharrt darauf: „Ich bin mir absolut sicher, dass Kevin dabei war.“ Der Angeklagte war ihm zuvor bereits vom Sehen bekannt. Eine Vorlage für Verteidiger Volker Sprick: „Das ist in dieser Deutlichkeit bei der Polizei nicht gesagt worden.“

Am Ende des Verhandlungstages mit vielen Widersprüchen ist für Sprick „diese Geschichte beendet“. Kein Zeuge habe L. eindeutig belasten können. Er könne sogar auf weitere Entlastungszeugen verzichten. Das sieht Richterin Sabine Roggendorf anders: „Wenn es Entlastendes vorzutragen gibt, müssen wir das hören.“

Heute geht der Prozess weiter.

Nadine Materne

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