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„Raummusik“ zur Reformation

Bad Segeberg „Raummusik“ zur Reformation

Die Tenöre haben an einer Stelle nur vernehmlich „Hmmmh“ zu sagen. Nicht einmal zu singen. „Wenn die Abstände wenigstens gleich wären“, stöhnt einer. „Verleih uns Frieden gnädiglich“ heißt das Auftragswerk des Lübeckers Dieter Mack – zu hören am 4. November in St. Marien (17 Uhr).

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Bad Segebergs Kantor Andreas Maurer-Büntjen dirigiert Orchester und Projektchor im Altarraum der Plöner Nikolaikirche.

Quelle: Fotos: Hfr

Bad Segeberg. Ein experimentelles, ein sehr modernes Werk – und beileibe kein einfaches. „Manche Stimmen müssen die Sängerinnen und Sänger vorgesungen bekommen. Vom Blatt wird das nichts“, sagt die Todesfelder Kirchenmusikerin Renate Stahnke. Zum ersten Mal gab es jetzt in der Plöner Nikolaikirche eine gemeinsame Probe aller Mitwirkenden – 250 Sänger und Instrumentalisten aus Plön und Bad Segeberg, Selent und Preetz, Todesfelde und Wahlstedt. Auch der Komponist war zugegen, doch der Lübecker Musikhochschulprofessor Dieter Mack blieb nicht lange. Sei es, dass ihm manche mokante Bemerkung über sein opulentes Werk nicht gefiel oder sei es, dass er sich die Spannung vor der Uraufführung am 28. Oktober in Plön (19 Uhr, St. Nikolai) nicht nehmen lassen wollte.

LN-Bild

Die Tenöre haben an einer Stelle nur vernehmlich „Hmmmh“ zu sagen. Nicht einmal zu singen. „Wenn die Abstände wenigstens gleich wären“, stöhnt einer. „Verleih uns Frieden gnädiglich“ heißt das Auftragswerk des Lübeckers Dieter Mack – zu hören am 4. November in St. Marien (17 Uhr).

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Nur zwei Aufführungen

Die Uraufführung von „Verleih

uns Frieden gnädiglich“ findet

am Sonnabend, 28. Oktober,

in der Nikolaikirche zu Plön statt.

Beginn ist um 19 Uhr.

Die Bad Segeberger Aufführung findet am Sonnabend, 4. November, ab 17 Uhr in der Marienkirche statt.

Der Eintritt kostet pro Aufführung zehn Euro.

Karten gibt es jeweils an den Abendkassen.

Beauftragt hat den Musikprofessor der Kirchenkreis Plön-Segeberg. Zum Reformationsjubiläum im Lutherjahr wünschte man sich ein komplexes Stück, an dessen Aufführung sich möglichst viele Mitglieder aus Chören und Ensemblen der Kirchengemeinden beteiligen können. Die siebenteilige Komposition moderner geistlicher Musik trägt nun den Titel „Verleih uns Frieden gnädiglich“.

Gut 250 musikbegeisterte Menschen aus zwölf Gruppen proben bereits seit Anfang des Jahres das für sie ungewöhnliche Stück. Initiatoren und Koordinatoren des Projektes sind die beiden KirchenkreisKantoren Andreas Johannes Maurer-Büntjen aus Bad Segeberg und Henrich Schwerk aus Plön. Grundlage und Namensgeber des Stücks ist das Luther-Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“, das der Reformator 1529 als Nachdichtung des gregorianischen Wechselgesangs „Da pacem, Domine, in diebus nostris“ umkomponierte und mit einem deutschen Text versah. Dieter Mack wiederum hat sich sehr frei mit dem Inhalt dieses gesungenen Gebets um den geistlichen, aber auch den irdischen, politisch-sozialen Frieden auseinandergesetzt. Er verwendet dabei nicht den kompletten Text Luthers, sondern auch Zitate und Fragmente aus anderen Quellen sowie „frei erfundenes phonetisches Material“, wie er selbst sagt. „Die Zuhörer können in dem Stück etwas über die Fragilität von Frieden erfahren“, sagt Kirchenmusikdirektor Henrich Schwerk. Es sei aber auch herauszuhören, dass Krieg und Frieden zusammengehören.

Der Lübecker Komponist nennt sein Werk „Raummusik“ – bestimmt für ein Orchester mit großem Percussionapparat (dirigiert von Maurer-Büntjen), vier Chöre, zwei Blechbläsergruppen und Solosänger. Die Chöre stehen in der Kirche verteilt und können so den gesamten Raum mit verschiedenen Klängen bespielen. So wurden die Chöre bereits bei der „Zusammenführung“ des zu Hause Geprobten in der Nikolaikirche gestellt.

Gesungen wird längst nicht immer – stimmlose, gesprochene, gar gehauchte Silben der Solisten treffen auf lang ausgehaltene tiefe Töne der Chöre. Propst Erich Faehling dazu: „Diese Komposition ist eine Form reformatorischen Aufbruchs.“

Lothar Hermann Kullack

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