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Segeberg Rechtes Geschmiere: Spur des Stumpfsinns durch Bornhöved
Lokales Segeberg Rechtes Geschmiere: Spur des Stumpfsinns durch Bornhöved
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22:59 30.04.2014
Polizeifeindliche Parolen und die 88 für den Hitlergruß wurden unter anderem auf den Laster von Tischlermeister Fred Daniels gesprüht. „Ich habe Anzeige erstattet“, sagt er. „Das ist ein Schaden von 2000 Euro.“

Der beschmierte Bus vor der Grundschule in Bornhöved fiel Anwohnerin Daniela Schröder als Erstes auf. „Was waren das denn für Spinner?“, entfuhr es ihr, als sie gestern Mittag mit ihren Kindern die Feldstraße entlang radelte. Mit silbergrauer Farbe ist der rote Bus mit rechten Symbolen und polizeifeindlichen Sprüchen besprüht. Unbekannte hatten in der Nacht zu gestern im gesamten Ort ihre Schmierereien hinterlassen. Die Polizei war den ganzen Tag im Dorf unterwegs, um Anzeigen aufzunehmen.

Schaufenster, Autos, Fahrbahnen, Hauswände, Türen, Straßenschilder, Bushäuschen, Werbeflächen, Zigarettenautomaten — anscheinend wahllos suchten sich der oder die Täter ihre Oberflächen aus, auf denen sie Hakenkreuze und die „88“ hinterließen. Dahinter verbirgt sich die Abkürzung „HH“ — der achte Buchstabe im Alphabet — für den verbotenen Hitlergruß. Dazu kommen polizeifeindliche Sprüche und diverse Beschimpfungen. Auf dem Kleinlaster von Tischlermeister Fred Daniels und der Hauswand seines Betriebes an der Lindenstraße findet sich davon fast alles. „Ich habe das heute Morgen um sieben entdeckt“, berichtete er. „Das ist bestimmt ein Sachschaden von 2000 Euro.“ Vor einigen Jahren sei er schon einmal Opfer von Graffiti-Schmierereien gewesen. Neu sei die rechte Tendenz, das habe er in diesem Ausmaß noch nicht erlebt.

„Eine rechte Szene ist in Bornhöved nicht bekannt“, sagte Polizeisprecherin Sandra Barenscheer. Von 15 Anzeigen gegen Unbekannt sprach sie gestern. „Tendenz steigend.“ Die erste Meldung erreichte die Polizei morgens um 5 Uhr. Auch die genaue Anzahl der Tatorte war zunächst nicht klar. Weil es sich bei den Schmierereien um „staatsschutzrelevante Symbole“ handelt, laufen die Ermittlungen bei der Bezirkskriminalinspektion Kiel zusammen.

In der Straße Kieler Tor ließ Brigitte Elsawaf keine Zeit verstreichen, die Hakenkreuze von den Fensterscheiben ihres Hauses zu entfernen. „Mit Pinselreiniger geht‘s“, sagte sie erleichtert. „Ich war unterwegs zum Sport, als ich das entdeckt habe. Ich habe so einen Schreck bekommen.“ Mit rechten Parolen will sie nichts zu tun haben. Auch auf der Tür des Nachbarhauses ist ein Hakenkreuz gesprüht.

Ein Fahrzeug mit abgelaufenem Tüv auf der anderen Straßenseite ist rundherum beschmiert.

Zahlreiche Schriftzüge richten sich gegen die Polizei. Im Priesterredder steht „Fuck the Police“ auf einem Schild. Und immer wieder ist das Kürzel „FTC“ im Ort zu finden. Auch die polizeifeindliche Parole „All Cops are Bastards“, wörtlich „Alle Polizisten sind Bastarde“, taucht mehrfach auf, unter anderem auf der Fensterscheibe der Fahrschule Hüwel.

Erste Hinweise zu den Taten seien bereits bei der Polizei eingegangen und würden nun geprüft, so Barenscheer. Die Täter werden im Ort vermutet. Weitere Zeugenhinweise nimmt die Polizei in Bornhöved, Telefon 0 43 23/64 10, und in Trappenkamp, Telefon 0 43 23/26 00, entgegen.

Nadine Materne

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