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Reinigungstrupp nahm das Geld und verschwand

Norderstedt/Henstedt_Ulzburg Reinigungstrupp nahm das Geld und verschwand

Trio soll Seniorin um mehrere Tausend Euro betrogen haben — Nur der mutmaßliche Wortführer steht jetzt vor Gericht — Komplizen wurden bisher nicht ermittelt.

Henstedt-Ulzburg/Norderstedt. Es war vor fast genau zwei Jahren, als vor dem Grundstück der heute 82-jährigen Gertrud K. (alle abgekürzten Namen geändert) aus Henstedt-Ulzburg ein weißer Transporter anhielt, dem drei Männer entstiegen. Einer von ihnen sprach die Rentnerin an, die sich gerade im Garten aufhielt. Er wies sie auf die verschmutzte Grundstücksauffahrt hin. Diese müsse dringend gereinigt werden. Noch während des Gesprächs machte sich einer der Männer an die Arbeit und entfernte mithilfe eines Hochdruckreinigers Schmutz von den Gehwegplatten.

Was Gertrud K. zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Das Ganze entpuppte sich als dreiste Betrugsmasche, für die sich Matthias B., einer der drei Männer, jetzt vor dem Schöffengericht in Norderstedt verantworten muss. Gertrud K. wurde damals weiter verbal bedrängt: Es koste nur 2500 Euro, die Platten zu versiegeln, sie erhalte eine Rechnung, könne das Ganze also beim Finanzamt absetzen und es bleibe mindestens 30 Jahre so sauber. Die Rentnerin ließ sich überreden, stieg sogar mit zwei der Unbekannten ins Auto, um zur Bank zu fahren, wo sie 2000 Euro von ihrem Konto abhob und den Männern insgesamt 2500 Euro übergab.

Daraufhin erklärten die angeblichen Mitarbeiter einer seriösen Firma, dass für heute Feierabend sei. Am nächsten Tag wurde Gertrud K. mit einem Anruf vertröstet: „Wir sind in Bremen hängen geblieben“, sollen die Männer als Ausrede angeführt haben. Später dann: „Das Auto ist kaputt.“

„Wenn Sie morgen nicht kommen, hole ich die Polizei,“ hatte die inzwischen misstrauisch gewordene Seniorin erwidert, die sich schlauerweise das Autokennzeichen gemerkt hatte.

Am darauffolgenden Tag erschien der angebliche Reinigungstrupp wieder. Der Wortführer verlangte weitere 1000 Euro, die er für die Kaution einer geliehenen Maschine hinterlegen müsse. Gertrud K. gab ihm auch diesen Betrag, und während der Verhandlungsführer eine Rechnung ausstellte, packten seine Mitarbeiter bereits und alle drei verschwanden auf Nimmerwiedersehen.

Bis jetzt: Vor dem Norderstedter Schöffengericht erkannte Gertrud K. den Angeklagten Matthias B. (26) eindeutig als den Wortführer der Gruppe wieder. B. muss sich wegen Betruges verantworten. Der Henstedt-Ulzburger sitzt alleine auf der Anklagebank, denn die beiden Mittäter konnten bisher nicht ermittelt werden. Schon einmal scheiterte der Versuch, das Strafverfahren durchzuführen, da die Hauptzeugin Gertrud K. nicht erschienen war und der Verteidiger eine nicht ordnungsgemäße Zustellung der Anklageschrift bemängelte.

Auch dieses Mal unternahm der Verteidiger alles, um den Prozess platzen zu lassen. Sein Mandant sei wegen einer Grippe nicht verhandlungsfähig, und bei der Anklage fehle das „wesentliche Ergebnis der Ermittlungen“, sie sei nicht vollständig, das Verfahren müsse deshalb eingestellt werden. Nach Beratungen mit den Schöffen lehnte der Vorsitzende Richter Matthias Lohmann die Anträge ab, die Verhandlung konnte beginnen.

Der Angeklagte, der damals durch freches, selbstbewusstes Auftreten aufgefallen sein soll, schwieg zum Prozessauftakt und saß mehr wie ein Häufchen Elend auf der Anklagebank. Das Opfer der Betrügereien schilderte mit lauter, energischer Stimme die Vorfälle von vor zwei Jahren. „Wie konnte ich nur so naiv sein, sonst bin ich nicht so“, wunderte sich die rüstige alte Dame jetzt. Die Terrasse hätten die Männer zur Hälfte gereinigt, „dann war Schluss, von Versiegelung keine Spur“, sagte Gertrud K.. „Ich bin zwar alt, aber nicht dement“, fuhr sie einmal den kritisch nachfragenden Verteidiger an. Der Prozess wird am kommenden Freitag um 14 Uhr fortgesetzt.

Von Martina Kausch

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