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Reste einer 500 Jahre alten Schleuse entdeckt

Sülfeld Reste einer 500 Jahre alten Schleuse entdeckt

Vermutet wurde schon lange, dass im Spätmittelalter Lastkähne in der Sülfelder Pastoratsschlucht auf die Weiterfahrt warten mussten - jetzt dürfte es bewiesen sein.

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Vom ehemaligen Kanal ist nur ein Rinnsal übrig. Gut zu sehen sind rechts die Hölzer, die mit Sicherheit Teil einer Schleuse waren.

Quelle: Fotos: Spr

Sülfeld. Wenn es noch Zweifler geben sollte, ob der Alster-Trave-Kanal, der vor rund 500 Jahren gebaut wurde, durch Sülfeld verlief, dann gibt es jetzt einen bedeutenden Fund, den man nicht ignorieren kann: Gemeindearchivar Ulrich Bärwald, der direkt am alten Kanal wohnt, hat im „Bett“ des früheren Wasserlaufes – heute nur noch ein Rinnsal – Reste einer Schleusenanlage entdeckt.

LN-Bild

Vermutet wurde schon lange, dass im Spätmittelalter Lastkähne in der Sülfelder Pastoratsschlucht auf die Weiterfahrt warten mussten – jetzt dürfte es bewiesen sein.

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Der Kanal sollte nach den Vorstellungen seiner Bauherren – die Stadt Hamburg und der Schauenburger Graf Adolf XI. – eine kurze, schiffbare Verbindung zwischen Hamburg und Lübeck bilden. Von der ersten Idee (1448) bis zur Fertigstellung des künstlichen Wasserlaufes zwischen Alster und Trave im Jahr 1529 hat es 81 Jahre gedauert. Die Arbeiten wurden immer wieder unterbrochen. Zwar war der zu bauende Kanal im Bereich der Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee nur acht Kilometer lang. Aber enorme und wechselnde Höhenunterschiede machten den Bau von 23 (!) Schleusen erforderlich. Zudem wurden die Arbeiten durch das moorige Gelände massiv erschwert. Das Treideln (also das Ziehen der Kähne) am Ufer des Kanals war dadurch nur durch aufwändigen Wegebau möglich. Ein großes Problem war auch der stark schwankende Wasserpegel der Flüsse.

Das alles hat dazu geführt, dass das Projekt gescheitert ist und Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Die einzelnen Schleusenbauwerke verfielen, der Kanal fiel weitgehend trocken, ein kleiner Wasserlauf ist allenfalls davon übriggeblieben. Wie beispielsweise in der Sülfelder Pastoratsschlucht, ein von Menschen um 1525 ausgehobenes Kerbtal. Hier dürfte der Kanal eine Breite von ungewöhnlichen 20 bis 30 Metern gehabt haben. Es war wahrscheinlich eine Mischung aus Hafen, Warteplatz und Schleusenanlage.

Schließlich fiel das Land von der Schlucht bis zur zwei Kilometer entfernten Norderbeste um neun Meter ab. Man hatte stets angenommen, dass hier das Wasser gestaut wurde, bis der Wasserpegel hoch genug war, um die wartenden Kähne nach dem Öffnen der hölzernen Sperren mit dem Wasserschwall die Distanz bis zur Norderbeste zu „tragen“.

Und genau hier, am „Ausgang“ des Kerbtals, hat Bärwald einen überraschenden Fund gemacht. Zu verdanken hat er das den Frühjahrshochwassern: Sie haben einen kleinen Teil der Uferböschung des dort keine zwei Meter breiten Kanalrestes zum Abbruch gebracht und damit „womöglich historische Relikte der hanseatischen Schifffahrtsgeschichte in der Gemeinde Sülfeld freigelegt, nämlich bauliche Reste des Alster-Trave-Kanals aus der Zeit um 1525“, wie Bärwald noch etwas zurückhaltend den LN sagte. Er war erstaunt festzustellen, wie „durch Auskolkung massive Eichenbohlen und -balken in einer Tiefe von etwa einem Meter unter dem natürlichen Geländeniveau freigelegt“ worden waren. Die zum Vorschein gekommenen Hölzer, die eindeutig von Menschenhand bearbeitet worden sind, deuten durch ihre Anordnung auf ein Sperrwerk oder eine Schleuse hin. Das letzte Quäntchen Zweifel ist inzwischen so gut wie beseitigt. Bärwald hat Fachleute des Archäologischen Landesamts hinzugezogen, die sich den Fund angesehen haben. Wie der Diplom-Prähistoriker Eicke Siegloff auf LN-Anfrage sagte, handele es sich „in jedem Fall um bearbeitetes Eichenholz“. Er gehe davon aus, „dass man Herrn Bärwald durchaus zustimmen kann“. Denn: „Um den Höhenunterschied zu überwinden, müssen da in irgendeiner Form Staubecken gewesen sein.“ Aber die seien bisher nicht nachgewiesen. Die nun entdeckten Hölzer waren quer zur Schlucht angeordnet worden. Ein deutliches Indiz für ein Sperrwerk. „Ich bin davon überzeugt, dass es zu so einem Bauwerk gehört – dass dies der Beweis ist.“

Die von Bärwald geborgenen Hölzer, zum Beispiel eine Eichenbohle, dürften somit 500 Jahre lang dort gelegen haben. Die Bohle weist insgesamt vier Bohrungen auf, die durch Holznägel verschlossen wurden, sowie in der Mitte einen schmiedeeisernen Nagel. Alle fünf haben offenbar dazu gedient, diese Bohle mit anderen Hölzern zu verbinden.

Bärwald kam sofort nach dieser Entdeckung ein „Steinbecken“, das vor dem Pastorat als Vogeltränke dient, in den Sinn. Die Form dieser „Granitschüssel“ deute darauf hin, dass sie an der Schleuse als sogenannter Pfostenschuh gedient hat – quasi ein Scharnier oder eine „Türangel“, mit deren Hilfe man ein Tor öffnen und schließen konnte. Dieser Pfostenschuh ist vor Jahren ebenfalls an der „Schleusenstelle“ gefunden worden.

An den Kosten gescheitert

Der 1529 fertiggestellte Alster-Trave-Kanal ist nach dem Stecknitz-Kanal im Kreis Lauenburg der zweitälteste Kanal in Schleswig-Holstein. Da er eine Verbindung von Nord- und Ostsee sein sollte, gilt er bei Fachleuten als Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals.

Nur acht Kilometer lang musste er gebaut werden – ansonsten konnten Alster, Norderbeste, Süderbeste und Trave von den gut zehn Meter langen Kähnen genutzt werden – das schien nicht übermäßig schwer zu sein. Doch das war ein Trugschluss: Durch enorme Höhenunterschiede (von Hamburg bis zur Wasserscheide: 28 Meter; von dort bis zur Ostsee: 33 Meter) mussten 23 Schleusen gebaut werden. Und das in moorigem Gelände und bei unzuverlässigem Wasserpegel. Und dann kassierten die Grundherren auch noch Zoll . . . Die immensen Kosten führten dazu, den Kanal um 1550 aufzugeben.

 Christian Spreer

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