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Segeberg Rettet diesen Stand mit der weltbesten Currywurst!
Lokales Segeberg Rettet diesen Stand mit der weltbesten Currywurst!
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21:59 22.09.2016
Mit Sauce und Curry angerichtet: Ralf Bach’s Wurst ist landesweit bekannt. Nach Jahren soll der Stand baurechtlich genehmigt werden. Quelle: Glombik
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Bad Segeberg

Manchmal platzt auf dem Parkplatz von Obi ’ne Wurst. Fett fließt zischend heraus. Es riecht nach Curry, scharfer Soße und Frittierfett. Konzentriert schneidet Imbiss-Wirt Ralf Bach mit Augenmaß die Pelle. Scheibchen für Scheibchen, liebevoll in parallel schrägen Schnitten, schichtet sie auf den Pappteller, paart sie mit Pommes. Dazu kommt die „Spezialsoße des Hauses“. – „Haus“ ist gut, hier geht es um einen Imbisswagen mit einem wettergeschützten Vordach auf dem Parkplatz beim Heimwerkermarkt Obi. Der Wagen stand lange im Fokus der Baubehörden.

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Seit sieben Jahren steht Ralf Bach mit seinen landesweit berühmten Currywürsten auf dem Parkplatz vor Obi – Jetzt soll der Imbiss endlich baurechtlich genehmigt werden.

Seit etwa sieben Jahren steht der freundliche Bach hier mit seiner kulinarischen Oase, hat reichlich Stammkundschaft, die teilweise von weither kommt, wegen seiner Currywurst. An der Wand der Bude hängen Zeitungsartikel von Testessern, die seiner Currywurst allerbeste Noten geben. Und doch stand hier alles jahrelang auf Messers Schneide. Irgendjemand – es kann kein Wurst-Freund gewesen sein – muss sich beim Amt beschwert haben. Denn der Imbisswagen auf dem Obi-Gelände habe keine Baugenehmigung, wetterte die Behörde. Die Genehmigung konnte nicht erteilt werden, weil in dem für Obi maßgeschneiderten Bebauungsplan an der Stelle kein Imbiss, sondern nur Stellplätze für Autos vorgesehen waren. Obi wollte offenbar nicht auf den Imbiss verzichten, weil Liebe ja durch den Magen geht und dem einen oder anderen „Wie, wo, was weiß Obi“-Heimwerker ja auch mal der Magen knurrt. Die Sache landete vor Gericht.

Für Bach ist das „eine merkwürdige Sache“, zu der er sich besser nicht äußern möchte. Doch seinen Chef, einen Herrn Hornbacher, konnten die LN gestern nicht erreichen. Obi focht für den Imbiss gegen die Bauaufsicht. Die Bude stehe dort unrechtmäßig, stellte der Richter damals fest, aber sie bekam von ihm eine Gnadenfrist von drei Jahren. In dieser Übergangszeit könne der Konflikt gelöst werden, indem die Stadt den Bebauungsplan ändere, berichtete Bad Segebergs Bauamtsleiterin Antje Langethal vom Currywurst-Urteil. „Sonst ist die Bude weg.“ Das wollte die Stadt unbedingt verhindern.

Nur Obi habe „ein bisschen gebraucht“. Immerhin: So ein B-PlanÄnderungsverfahren kostet den Initiator einen vierstelligen Betrag. Das stehe aber in keinem Verhältnis zu den Einbußen, die man ohne diesen Stand hätte, sagt Langethal. Sie sei sicher, dass ein imbissfreundlicher B-Plan an den Stadtpolitikern nicht scheitern werde. Davon ist auch Wurstbrater Bach überzeugt. 80 Würste verkauft er pro Tag, nie habe sich jemand über den Stand beschwert. „Hier haben schon viele Politiker meine leckere Wurst gegessen, quer durch alle Parteien“ – nur der Bürgermeister sei seines Wissen nicht da gewesen. Aber vielleicht veranstaltet der Bauausschuss mit ihm vor dem Beschluss noch einen Ortstermin . . .

Auch die Tanzschule im Bahnhof muss nachträglich genehmigt werden

Tanzschule statt Büro: Nicht nur bei Obi soll der Bebauungsplan geändert werden, auch am Bahnhof Bad Segeberg muss der Plan der Realität angepasst werden. Denn ursprünglich war im noch jungen B-Plan festgelegt worden, dass im ersten Obergeschoss ausschließlich Büros oder Arztpraxen eingerichtet werden dürfen. Nun hat dort nach längerem Leerstand eine Tanzschule ihre Tore geöffnet.

Dem Leiter der Kreisbauaufsicht, Volker Rimka, fiel das auf, weil er häufiger Bahn fährt. Gegen eine Tanzschule an der Stelle habe er gar nichts – im Gegenteil. Aber sie entspreche nur leider nicht der vorgesehenen Nutzung. Hier müsse jetzt der Bebauungsplan verändert werden, „damit wir das nachträglich genehmigen können“, erklärte Rimka. Im Übrigen dürfte eine Tanzschule an der stark befahrenen Kreuzung sicher kein Problem darstellen. Die Stadtpolitiker schoben die Änderung an.

 Wolfgang Glombik

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