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Segeberg Rettungsdienst: Schnäppchen oder teure Scheidung?
Lokales Segeberg Rettungsdienst: Schnäppchen oder teure Scheidung?
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14:31 13.01.2017
Die Rettungswache in Bad Segeberg: Die Immolilie gehört, wie die in Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg, dem Kreis Segeberg. Quelle: Fotos: Hiltrop/hfr

Der Rettungsdienst ist aufgekündigt: Wie vom Kreistag auf Empfehlung der Verwaltung beschlossen, trennt sich der Kreis Segeberg vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), in Norderstedt vom KBA (Verein Krankentransporte, Behinderten- und Altenhilfe). Die Aufgaben sollen ab 2019 der RKiSH (Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein) übertragen werden. Das die beste und günstigste Lösung, wie in zuletzt immer wieder aus der Kreisverwaltung zu hören war. Doch diese Scheidung könnte in die Millionen gehen.

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Kreis hat DRK und KBA gekündigt – Jetzt geht es um die Frage: Wem gehören die Fahrzeuge und Wachen? – KBA erwägt Klage.

Sowohl das DRK als auch der Kreis reklamieren Wachen und Fahrzeuge für sich. Allein der Fuhrpark im Rettungsdienst hat laut der Hilfsorganisation einen Buchungswert von zwei Millionen Euro. Dazu kommt, dass drei der sechs Immobilien, in denen die Wachen des Segeberger Rettungsdienstes untergebracht sind, ebenfalls dem DRK gehören, heißt es seitens der Retter. Kreisgeschäftsführer Stefan Gerke geht davon aus, dass es in den Verhandlungen, die die nächsten Monate bestimmen werden, um Summen im siebenstelligen Bereich geht.

Das sieht der Kreis ganz anders. Hier wird damit gerechnet, dass außer der 25 000 Euro Stammeinlage als neuer Mitgesellschafter der RKiSH nicht mehr viel dazu kommt. „Da wird es keine größeren Finanzströme geben“, so Matthias Schröder, Fachbereichsleiter beim Kreis. „Alles ist aus den Töpfen des Rettungsdienstes finanziert, und der befindet sich in der Trägerschaft des Kreises“, lautet seine simple Rechnung. Ob die so einfach aufgeht, ist mehr als fraglich. Denn Gerke weist darauf hin, dass derjenige Eigentümer ist, der im Grundbuch und im Fahrzeugbrief stehe, und das sei das DRK.

Ein weiteres Problem tut sich an zweien der Rettungswachen auf, die tatsächlich im Besitz des Kreises sind. Die in Bad Segeberg etwa. Sie platzt seit Langem aus allen Nähten, ist viel zu klein.

Anderswo besteht Sanierungsbedarf. Jede Menge Kosten also. Die RKiSH geht davon aus, dass solche Fragen frühzeitig geklärt sind: „Da wird in den kommenden Monaten ein Fahrplan aufgestellt“, so RKiSH-Sprecher Christian Mandel. Die Kreisverwaltung sei nun aufgefordert, die Rechtsfolgeauswirkungen zu regeln.

Weiteres Ungemach droht dem Kreis aus Norderstedt. Der KBA, der sich mit dem Wegfall des Rettungsdienstes seiner Existenz bedroht sieht, betont ebenfalls, dass Fahrzeuge und Ausrüstung in seinem Eigentum seien. Die Kündigung des Kreises sei bereits aus formalen Gründen zurückgewiesen worden. Sie werde geprüft, bestätigt Ingo Lender aus dem KBA-Vorstand. Allein was die ausstehenden Abrechnungen angehe, spreche man von Summen weit jenseits der 25000 Euro. „Und dann ist noch offen, ob ein Schaden auszugleichen ist“, so Lender, der die Kündigung durch den Kreis für unzulässig hält. „Da können Schadensersatzansprüche entstehen, auch das prüfen wir.“ Während beim DRK moderatere Töne angeschlagen werden und eine Einigung angestrebt wird, positioniert sich der KBA. Lender:

„Im Fall der Vergabe des Rettungsdienstes an Dritte ohne Auswahlverfahren werden wir klagen!“

Alles beim alten bleibt übrigens in Nahe, Oering, Kayhude, Borstel und Sülfeld. Hier hat Segeberg einen Vertrag über die primäre Notfallversorgung mit der Rettungsdienst-Verbund-Stormarn GmbH geschlossen. Das Gebiet wird von der Rettungswache Kayhude im Ortsteil Naherfurth aus angefahren. Sie gehört dem ASB-Regionalverband Segeberg-Stormarn, der Teil des Verbundes ist. Genau so ein Konstrukt, von dem der Kreis Segeberg glaubt, dass es für ihn nicht das Richtige ist.

 Heike Hiltrop

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