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Segeberg Rettungsgasse bleibt ein Problem
Lokales Segeberg Rettungsgasse bleibt ein Problem
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21:49 25.07.2017
So soll’s sein: Die Wahlstedter Feuerwehr hat für ihre Aktion zur Rettungsgasse ein Foto auf der A21 geschossen. Die Autofahrer hier reagieren vorbildlich.
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Bad Segeberg

Eine Situation wie vor wenigen Wochen, als seine Kollegen bei einem brennenden Fahrzeug auf der A 215 bei Kiel eine „vorbildliche Rettungsgasse“ meldeten, seien leider noch immer die Ausnahme, sagt Rüdiger Schwarz, Leiter des Autobahnpolizeireviers in Neumünster, das auch für den Segeberger Abschnitt der A 7 zuständig ist. Noch eher an der Tagesordnung sei leider ein „Geschiebe und Geboxe“, wenn sie Rettungs- und Einsatzkräfte mühsam ihren Weg durch den Stau bahnen müssen. So war es auch vor einigen Tagen bei einem schweren Verkehrsunfall vor der A-7-Anschlussstelle Warder (Kreis Rensburg-Eckernförde), wo die Retter große Mühe hatten, das überschlagene Fahrzeug zu erreichen. „Ich habe mehrfach aussteigen und Autofahrer ermahnen müssen“, sagt Schwarz. Theoretisch könnten solche Autofahrer zwar mit einem Bußgeld von 20 Euro belangt werden, wenn sie die Rettungsgasse nicht freihalten. „Bei einem Unfall haben wir aber natürliches Besseres zu tun, als uns um solche Dinge zu kümmern“, sagt Schwarz. Konsequenzen ziehe solches Fehlverhalten daher oft nicht nach sich.

Die Autobahnpolizei in Bad Segeberg beobachtet zwar, dass sich Autofahrer zunehmend um die Einhaltung der Gassen-Regelung bemühten. „Meist aber erst dann, wenn bereits Blaulicht zu sehen ist“, kritisiert Sprecherin Berit Lindenberg. So gehe dann trotzdem wertvolle Zeit verloren. Offenbar habe es sich noch nicht bei allen herumgesprochen, dass die Rettungsgasse nicht erst bei einem Unfall, sondern bei Stau grundsätzlich freigehalten werden muss.

Aus diesem Grund hat auch die Freiwillige Feuerwehr in Wahlstedt jetzt zu Beginn der Feriensaison einen Aufruf gestartet, den sie über die sozialen Medien verbreitet. „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, ist sofort eine Rettungsgasse zu bilden“, mahnt die Feuerwehr unter anderem darin. Und: „Die Rettungsgasse rettet Leben!“.

Kreiswehrführer Holger Gebauer begrüßt solche Aktionen. Auch Auto-Aufkleber oder Schilder an der Autobahn, die an die Rettungsgasse erinnerten, seien hilfreich. Gerade jetzt zur Ferienzeit, in der auch viele ausländische Autofahrer unterwegs seien. In vielen anderen europäischen und außereuropäischen Ländern gebe es klare gesetzliche Vorschriften häufig nicht. Oftmals ist lediglich vorgeschrieben, dass Rettungsfahrzeugen die „Möglichkeit zum Passieren“ gegeben werden muss.

Aber auch von einigen hiesigen Autofahrern sei das Prinzip der Rettungsgasse noch immer nicht genau verstanden worden. „Neulich ist ein Autofahrer bei fließendem Verkehr auf der Autobahn nach links vor unserem Einsatzfahrzeug ausgewichen, damit wir rechts daran vorbeifahren sollten“, nennt Gebauer ein Beispiel. Richtigerweise habe der Fahrer zwar an die Rettungsgassen-Regeln gedacht. „Die gelten aber natürlich nicht, wenn der Verkehr normal fließt.“ Ärgerlich sei auch, wenn Verkehrsteilnehmer die Gasse für ihr zügigeres Fortkommen missbrauchten. Vor allem bei Motorradfahrern sei das oft zu beobachten.

So ist es Gesetz

§ 11, Abs. 2 StVO: „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich im Stillstand befinden, müssen sie für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

 Oliver Vogt

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