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Richter: „Kein Vorsatz ersichtlich“

Wahlstedt Richter: „Kein Vorsatz ersichtlich“

Entscheidung über Zivilverfahren gegen den ehemaligen MZH-Chef Sven Diedrichsen wird Ende April erwartet.

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Ein Teil des Aktenberges, der sich im Verfahren der MZH gegen Sven Diedrichsen mittlerweile aufgetürmt hat.

Quelle: Hiltrop

Kiel. Gestern war ein besonderer Gerichtstermin vor der 6. Zivilkammer des Landgerichts Kiel. Kläger: die Mittelzentrumsholding Bad Segeberg/Wahlstedt (MZH), die es nicht mehr gibt, vertreten durch zwei Juristen der Kanzlei Wiegert, Werner und Partner sowie Luzian Roth von der Stadtwerke Wahlstedt GmbH. Angeklagter: der Ex-MZH-Geschäftsführer und ehemalige Bürgermeister von Wahlstedt, Sven Diedrichsen, daneben der geschasste MZH-Prokurist Björn Pasternak. Verklagt auf eine Million Euro Schadensersatz.

Die MZH gibt es nicht mehr, doch ihr „Erbe“ umfasst nicht nur Bäder und ein Industriegleis, das die neue Stadtwerke Wahlstedt GmbH managt. Zum Nachlass gehören mittlerweile auch viele Tausend beschriebene Seiten zwischen ungezählten Aktendeckeln. Juristischer Schriftverkehr, Gutachten, Dokumente. Zusammengetragen von den Rechtsanwälten der einstigen MZH, um zu beweisen, dass die Schuld am Desaster mit dem Fehmare-Spaßbad einzig bei Sven Diedrichsen liege. Wie berichtet, ist die MZH aus dem defizitären Betrieb des Bades auf der Insel Fehmarn ausgestiegen. Die Kläger beziffern den Schaden auf 4,5 Millionen Euro.

Zum Jahresende 2014 war die Klageseite mit ihren Vorwürfen im strafrechtlichen Verfahren gescheitert. Die Staatsanwaltschaft Kiel stellte die Ermittlungen gegen den einstigen Verwaltungschef ein.

Bereits 2012 hatte die Staatsanwaltschaft gegenüber den Anwälten der MZH die Auffassung vertreten, dass deren Vorwürfe wohl zu Unrecht erhoben worden seien. Diese Auffassung vertrat damals auch die Kammer für Handelssachen. Das Verfahren dort musste als erledigt erklärt werden, so der Fachbegriff, weil die MZH ihrerseits auf dem zivilrechtlichen Weg Schadensersatzklage in Millionenhöhe (plus Zinsen) gegen Sven Diedrichsen eingereicht hatte. Und um genau die geht es nun unter Vorsitz von Richter Johann Kümmel.

„Die Staatsanwaltschaft hätte mehr machen müssen. Da wurden viele Zeugen nicht befragt“, sagten unisono Stadtwerke-Chef Luzian Roth, der zuletzt auch die MZH-Geschäfte geführt hatte, und die Juristen an seiner Seite. Doch, so scheint es nach dem gestern gescheiterten Güteeinigungstermin, auch in diesem Verfahren zeichnet sich eine deutliche Tendenz zugunsten Diedrichsens ab. So kam Richter Kümmel zu dem Ergebnis, dass der damalige MZH-Aufsichtsrat einem Pachtvertrag für das Fehmare zugestimmt habe. „Da stellt sich die Frage, wie man das falsch verstehen kann.“ Der Aufsichtsrat hatte stets erklärt, dass er nicht von einem Pachtvertrag ausgegangen sei.

Ferner erklärte der Richter, dass aus den vorliegenden Papieren keine Anzeichen von Verschleierung, Täuschung oder ausgeübtem Druck gegenüber dem Gremium erkennbar seien. „Es sind meiner Meinung nach noch keine Tatsachen vorgelegt worden, aus denen ein Vorsatz ersichtlich ist. Im Gegenteil sind umfangreiche Verhandlungen erkennbar.“ Und zum Vorwurf der Untreue fasste der Vorsitzende knapp zusammen: „Damit kommen Sie nicht weit.“ Bereits die Kollegen für Handelssachen hätten diese Einschätzung geteilt. Eine Pflichtverletzung Diedrichsens, ebenfalls ein Vorwurf der Kläger, hätte es gegeben, wenn der das Geschäftsfeld verlassen hätte, „das sehe ich nicht so“, betonte Richter Kümmel.

Bis Ende April will das Gericht eine Entscheidung fällen, ob es in die Beweisaufnahme einsteigt oder das Verfahren einstellt. „Wenn man das ins Strafrechtliche übertragen würde, wäre es, so wie es sich momentan darstellt, ein Freispruch erster Klasse“, kommentierte Diedrichsens Rechtsanwalt Kai Kähler die Ausführungen des Richters, die Sven Diedrichsen unter Tränen erleichtert zur Kenntnis nahm. Sichtlich bewegt sagte er: „Es ist eine Schweinerei: Man verklagt uns in Millionenhöhe, aber weder der Bürgermeister von Wahlstedt noch Dieter Schönfeld aus Bad Segeberg, der das Ganze angezettelt hat, lassen sich hier blicken.“

Heike Hiltrop

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