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Segeberg Rosenstraße: Diebe tragen Schrott ab
Lokales Segeberg Rosenstraße: Diebe tragen Schrott ab
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22:38 08.08.2018
Wie ein Schrottplatz kommt das Areal daher. In Kürze soll das Abrissunternehmen anrücken – wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Quelle: Irene Burow
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Bad Segeberg

Das Brandgutachten liege in den letzten Zügen, sagt Sven Olbert, Geschäftsführer und Inhaber des Autohauses Olbert. Seine Werkstatt samt Abschleppdienst liegt unweit entfernt von der Unglückstelle.

Sieben Wochen nach dem Großbrand in der Rosenstraße türmen sich noch immer die Trümmer: Die Polizei ermittelt weiterhin. Der Vermieter möchte die Lagerhallen im Gewerbegebiet wieder neu aufbauen. Inzwischen machen sich Diebe am Schrott zu schaffen.

„Da ist definitiv eine Existenz verbrannt, die Betreiber tun mir unendlich leid.Sven Olbert Vermieter

Er hatte die Lagerhallen, die abgebrannt sind, vermietet. Seit Wochen hat sich kaum etwas getan auf dem Grundstück. Alles habe unter anderem so lange gedauert wegen der Giftstoffe – in der Dämmung oder dem Asbest in den Dachplatten, sagt er. Zur Brandursache steht bislang aber noch nichts fest, die Kriminalpolizei ermittle weiterhin, erklärt Polizeisprecher Lars Brockmann.

Olbert und sein Team haben derweil die Fläche großteils eingezäunt, kontrollieren inzwischen täglich das Gelände. „Die Leute verschaffen sich unerlaubt Zutritt“, ärgert er sich. „Da liegt viel Schrott herum. Wir können im Prinzip zusehen, wie er verschwindet.“ Für ein Kilo Kupfer bekomme man etwa drei Euro: „Wenn man ein paar Rohre klaut, das lohnt sich schon.“

15 Wehren mit 200 Kräften hatten am 20. Juni neun Stunden lang gegen die Flammen in der Rosenstraße angekämpft. Seitdem stand Olberts Telefon kaum still: „Permanent ruft jemand an, ob ich Schrott oder das Grundstück verkaufen will“, sagt er. Teils dreiste Anfragen seien darunter. Nur langsam beruhige sich die Situation wieder. „Es nervt alles. Ich wäre froh, wenn das Abrissunternehmen schon da wäre.“ Doch so lange soll es nicht mehr dauern, schätzt er. Und dann gebe es nur zwei Optionen: Verkaufen oder alles abreißen und wieder aufbauen. Er wolle gern neu bauen und wieder Lagerflächen vermieten, genau wie vorher. Damit könne es in den nächsten Monaten losgehen.

Die 1300 Quadratmeter große Halle hatten ein Küchenstudio, ein Sachverständigenbüro und eine Veranstaltungsfirma als Lagerfläche genutzt. Es seien nicht, wie zunächst von den Einsatzkräften angenommen, Wohnmobile verbrannt, sagt Olbert. „Die konnten wir noch hinausfahren.“ Oldtimer, wie ein Audi S4, und alte Motorräder seien verbrannt, sowie abgeschleppte Fahrzeuge und Unfallwagen. Auch dass das Feuer in der Werkstatt ausgebrochen sein soll, dementiert er. „Vor zwei Jahren war das zwar eine. Die Jetzige liegt aber im hinteren Teil. Wir hatten dort zwar kein Wasser und Strom, die Rückwand ist betroffen, aber die Werkstatt gibt es weiterhin“, stellt er klar. Die Stabilität von den Konstruktionen, die noch stehen, sei kontrolliert und als sicher beurteilt worden.

„Das ganze Material kann man ersetzen. Aber den erarbeiteten Ruf kann man nicht so schnell wieder aufbauen“, sagt er und meint das Restaurant Laguna. „Da ist definitiv eine Existenz verbrannt. Die Inhaber tun mir unendlich leid.“ Nach zwei Jahren habe der Betrieb dort endlich Fahrt aufgenommen, erzählt er. „Das war sauber gekochtes Mittag, keine Massenabfertigung.“ Der Versicherungsschutz sei dort jedoch weniger umfassend gewesen, als bei allen anderen, die die Lagerhallen genutzt haben.

„Küchen lassen sich ersetzen, der Elektriker kauft sich neues Werkzeug. Aber den Betrieb wieder so herzustellen, das wird sicher sehr schwer“, sagt Olbert. Wenn alles abgerissen ist und die Schrotthaufen abgefahren sind, könne man wieder nach vorn sehen. Ein Wunsch von ihm wäre es, das Bistro Laguna wieder vorn zu integrieren. „Aber das hängt alles davon ab, wie schnell das jetzt geht.“

Irene Burow

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