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Segeberg Rückkehr zu G 9: Muss jetzt Gemeinschaftsschule leiden?
Lokales Segeberg Rückkehr zu G 9: Muss jetzt Gemeinschaftsschule leiden?
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20:12 15.06.2017

Das Jamaika-Bündnis in Kiel ist geschmiedet. Wenn die Parteien dieser Koalition zustimmen, dürfte die Bildungslandschaft wieder komplett umgekrempelt werden. Das werden vor allem auch die Bad Segeberger zu spüren bekommen. Denn das G-9-Gymnasium soll wieder Standard werden. Zurzeit gibt es mit der Dahlmannschule und dem Städtischen Gymnasium gleich zweimal G 8 vor Ort. Laut Koalitionsvertrag sollen im Sommer 2019 fünfte und sechste Klassen der derzeitigen G-8-Gymnasien mit der Umstellung starten – es sei denn, die Schulkonferenzen widersprechen in geheimer Abstimmung mit 75 Prozent. „Das ist eine ziemlich hohe Hürde, um G 8 zu erhalten“, meint Frank Ulrich Bähr, Schulleiter am Städtischen Gymnasium. „Ich kann mir vorstellen, dass unsere Schule in der Schulkonferenz, die mit Eltern, Schülern und Lehrern paritätisch besetzt ist, sicher zu G 9 tendieren wird.“

„Wir können besser fördern.“ Bernd Falkenhagen Schule am Burgfeld
„Hohe Hürde, um G 8 zu erhalten“Frank Ulrich Bähr St. Gymnasium

Grundsätzlich könne man nicht zufrieden sein mit „dem dauernden Hin und Her“. So kehre an den Schulen keine Ruhe ein. Bähr selbst steht „inhaltlich ganz uneingeschränkt zu G 9.“ Auch die Kollegen im Lehrerzimmer würden nach all den Erfahrungen für G 9 stimmen, davon ist Bähr überzeugt.

Also alles zurück: Es sei ein Kraftakt gewesen, für die Schulen G 8 „zu entschleunigen“. Lernstoffe zu entrümpeln und Wege zu finden, G 8 „praktikabel“ zu machen. Auch versucht man, Schüler mit Nachmittagsunterricht nicht zu stark zu belasten. Die zweite Fremdsprache in Klassenstufe sechs sei psychologisch zu früh angesetzt, so Bähr. Kinder scheiterten an dieser Hürde. Viele Eltern von Grundschulkindern werden jetzt bedauernd feststellen, das ihr Kind noch zu den G-8-Jahrgängen eingeschult wird, vermutet Bähr. Auch wenn Bähr G 9 favorisiere, müsse er jetzt trotzdem diesen Eltern die Angst nehmen, „dass G 8 ein nicht leistbares Monster ist“, sagt er.

Das G-8-„Monster“ hat aber den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe in den vergangenen Jahre viele Zugänge ermöglicht. Auch die Gemeinschaftsschule Am Burgfeld hat sich prächtig entwickelt, gilt zum Beispiel als Alternative für Spätentwickler, die dort das Abitur in neun statt in acht Jahren erreichen. Insofern ist Schulleiter Bernd Falkenhagen nicht gerade glücklich über die Koalitionsvereinbarung. „Ich sehe die Gemeinschaftsschule in dem Koalitionsvertrag wenig gewürdigt.“ Dabei habe gerade ein bundesweites Monitoring gezeigt, dass Schleswig-Holstein wegen seiner Gemeinschaftsschulen so gut abgeschnitten habe. Hier habe sich das Niveau in den Fächern Deutsch und Englisch erheblich verbessert. Jetzt werde alles wieder umgeschmissen, der Zulauf auch guter Schüler zu den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe werde sicher abnehmen, befürchtet Falkenhagen.

Dabei sei es mit G 8 nicht zu mehr Schrägversetzungen von Gymnasien zu seiner Gemeinschaftsschule gekommen als früher, bekräftigt Falkenhagen. „Die Anzahl der Schüler, die vom Gymnasium zu uns kommen, hat sich nicht verändert.“ Es sei schon vorstellbar, dass jetzt die Gymnasien mit G 9 wieder attraktiver würden und die Gemeinschaftsschulen darunter litten. Es könne aber auch gut sein, so hofft Falkenhagen, dass die Eltern merkten, „dass die Gemeinschaftsschule ihre Kinder besser fördern kann – mit der Option, hier auch das Abitur zu erreichen“. Viele Eltern wünschten sich für ihre Kinder den bestmöglichen Start ins Berufsleben über das Abitur, setzt Falkenhagen weiter auf die Gemeinschaftsschule – trotz aller Umwälzungen im Bildungswesen.

Wolfgang Glombik

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