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Segeberg Ruhiger Start in die „Einbruchsaison“
Lokales Segeberg Ruhiger Start in die „Einbruchsaison“
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21:43 18.11.2016
Angekippte Fenster sind für Einbrecher wie offene Fenster. Um dort einzusteigen, brauchen die Diebe nur Sekunden. FOTOS: FOTOLIA/VOGT

Buchstäblich konnte man die Uhr danach stellen: Seit Beginn der Winterzeit nehmen die sogenannten Tageswohnungseinbrüche auch im Kreis Segeberg wieder deutlich zu. Dabei nutzen die Täter die abends früher einsetzende Dämmerung, um in Häuser einzusteigen, während die Bewohner noch zur Arbeit sind. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Polizei neue Taten meldet. Bisher waren die Einbrecher vor allem im Hamburger Rand unterwegs – aber die Einschläge kommen näher.

Bisher weniger Taten im Kreis – Polizei setzt auf aufmerksame Bürger.

Wirksame Mittel gegen Wohnungseinbrecher

„Die Polizei hat ihre Präsenz erhöht.“ Peggy Bandelin Polizei Segeberg

Was die aktuelle „Einbruchsaison“ anbelangt, gibt sich Peggy Bandelin, Sprecherin der Polizeidirektion Segeberg, gegenwärtig noch verhalten optimistisch: „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir derzeit rückläufige Zahlen.“ Landesweit ist der Rückgang derzeit spürbar: Landeskriminal- und Landespolizeiamt verzeichneten im Oktober 244 Taten weniger als im Vorjahresmonat (763). Seit Jahresbeginn nahm die Zahl der Einbrüche in Schleswig-Holstein sogar um mehr als 1000 Fälle auf 5259 ab. Ob dieser positive Trend über den Winter anhalten wird oder sogar ein Zeichen dafür ist, dass die verstärkten Maßnahmen der Polizei greifen, ist allerdings offen. Bisher hätten die Einbrecher vor allem Norderstedt in den Fokus genommen. In den vergangenen Tagen wurden allerdings auch aus Leezen, Bad Segeberg, Sülfeld und Bornhöved Einbrüche gemeldet.

Die Polizei hat sich gegen die Banden aufgestellt: Man habe die sichtbare als auch die nicht sichtbare Polizeipräsenz jetzt deutlich erhöht, erklärt Bandelin. „Ebenso sind spezielle Ermittlungsgruppen eingerichtet worden, um serien- und bandenmäßige Strukturen festzustellen.“ Noch hätten die Ermittler dazu allerdings keine Erkenntnisse. Wegen der bisher niedrigen Zahl der Einbrüche in diesem Winterhalbjahr und nur wenigen Festnahmen lasse sich über die Organisation der Einbrecher noch kaum etwas sagen.

Während die Einbrecher Norderstedt in den vergangenen Tagen offenbar zufrieden gelassen haben, wurden dafür gestern rund um die Kreisstadt neue Taten bekannt: So gab es am Donnerstag zwischen 14.30 und 17.30 Uhr einen Einbruch in ein Einfamilienhaus in der Bornhöveder Straße Johannestal. In der Dorfstraße in Geschendorf wurde am selben Tag zwischen 13.30 und 19.45 Uhr ebenfalls ein Einfamilienhaus heimgesucht. In Sülfeld war es zwischen 16.15 und 21 Uhr ein Bungalow in der Straße Zuckerhut, in den sich die Täter gewaltsam Zutritt verschafft hatten.

Entgegen den gängigen Vorstellungen hätten es die Einbrecher bei ihrem üblen Werk tagsüber sogar sehr viel einfacher als zu nachtschlafender Zeit. „Denn da sind die Bewohner meist nicht zu Hause“, erklärt Peggy Bandelin. Das sei für die Täter auch an der ausgeschaltenen Beleuchtung sehr gut zu erkennen. Im Zweifel vergewisserten sich die Täter durch ein Klingeln an der Haustür.

Ein entscheidendes Mittel dagegen seien aber vor allem wachsame Bürger. Deswegen setzt die Polizei auf eine starke Öffentlichkeitsarbeit, vermeldet aktuelle Einbrüche konsequent. „Damit wollen wir auch erreichen, dass bei Bürgern die Hemmschwelle sinkt, bei verdächtigen Beobachtungen sofort den Polizeiruf 110 zu wählen“, erklärt die Direktionssprecherin. In den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger sei das Thema bereits sehr präsent. Man erhalte regelmäßige Anfragen, und auch die Präventionsveranstaltungen, die die Polizei zum Thema anbietet, seien stets gut besucht.

Auf die in der Vergangenheit politisch oft kritisierten „Anhalte- und Sichtkontrollen“, bei denen Autos auch ohne konkreten Anlass gestoppt und auf mögliches Diebesgut oder Einbruchswerkzeug überprüft werden, hat die Segeberger Polizei in diesem Herbst noch nicht zurückgegriffen, behält sich das aber ausdrücklich vor. „Das wird lageabhängig entschieden“, sagt Bandelin. Sollte sich in bestimmten Bereichen Einbrüche häufen, sei dieses Einsatzmittel jederzeit möglich.

Die Annahme vieler, dass bei ihnen „eh nichts zu holen“ sei, schützt nicht vor Einbrechern, warnt die Polizei. Die Täter achten weniger auf den Wohlstand eines Heimes als vielmehr auf günstige Gelegenheiten. Angekippte Fenster, unbeleuchtete, schlecht gesicherte Terrassentüren und Anonymität werden rigoros genutzt.

Gute Nachbarschaft lässt Einbrechern weniger Chancen, unbeobachtet zu bleiben. Fremde, die sich auf Nachbargrundstücken herumtreiben, sollten angesprochen werden. Im Zweifel kann auch gleich die Polizei alarmiert werden. Gleiches gilt bei einer ausgelöste Alarmanlage. Auch das kann ein Hinweis auf Einbrecher sein.

Einbrecher stehen zumeist unter großen Druck. Wenn es ihnen nicht gelingt, binnen zehn Minuten in ein Haus zu gelangen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie unverrichteter Dinge fliehen.

Einbruchsschutz an Fenstern und Türen hilft dabei enorm. In 40 Prozent aller Taten bleibt es inzwischen bei einem Versuch.

 Oliver Vogt

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