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S21: Staatssekretär macht Bahngegnern Mut

Kaltenkirchen S21: Staatssekretär macht Bahngegnern Mut

Elektrifizierung der AKN-Strecke zwischen Kaltenkirchen und Eidelstedt müsse nicht so gebaut werden wie geplant.

Ellerau/Kaltenkirchen. Der zweigleisige Ausbau mit der Elektrifizierung der AKN-Strecke zwischen Kaltenkirchen und Eidelstedt zur S-Bahn 21 ist offenbar keine heilige Kuh der Landesregierung. Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele machte jetzt bei einer Infoveranstaltung den Gegnern des Projektes Mut, die sich vor zusätzlichem Lärm, Verkehr, Wertverlust oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Stromleitungen fürchten.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieses Bahnprojektes, das eigentlich bis 2020 fertiggestellt sein soll, sei so knapp kalkuliert, dass durchaus noch Planungsveränderungen möglich seien. Das Gegengutachten der Bahngegner aus Ellerau, das die 100 Anwohner starke Bürgerinitiative Bahnstraße in Auftrag gab, dürfe nicht unterschätzt werden, so Nägele. Es komme zu einem negativen Ergebnis, und mit dessen Argumenten könnte er bei einer möglichen Klage vor Gericht wieder konfrontiert werden. Zudem betrachte er die Strecke differenziert, sodass auch nur ein Teilstück realisiert werden könnte.

„Ich kenne kein Projekt, dass so gebaut wie es geplant wurde“, sagte Nägele, der den Bau des Berliner Schlosses verantwortete. Darum sei der Planfeststellungsbeschluss für das S-21-Projekt, den er für Mitte 2018 erwarte, nur eine „Wegmarke“, noch kein Baurecht oder gar Startschuss. Dann erst müsse das Ministerium abwägen, ob und wie es angesichts der Kosten, Finanzierung, Widerstände in der Region und möglicher Klagen realisieren werde. „Erst dann entscheiden wir: Machen wir weiter?“

Er wolle keinesfalls vor dem Bundesverwaltungsgericht scheitern, wie es beim Bau der A 20 der Fall war. „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, betonte Nägele und versicherte zur Überraschung vieler: „Ich bin kein glühender Verfechter des S 21-Projektes.“ Wohl wissend, dass der Kieler Landtag es einstimmig beschlossen und fast alle Bürgermeister entlang der Strecke es für ein „glücksbringendes Nahverkehrsprojekt“ hielten.

Das Argument mancher Anlieger, ihre Grundstücke könnten an Wert verlieren, hält Nägele allerdings nicht für stichhaltig. Alle S-Bahn-Projekte in Deutschland zeigten bislang das Gegenteil, wie zum Beispiel in Moosburg, das eine Stunde Fahrtzeit von München entfernt sei, wo die Bodenpreise um 20 bis 50 Prozent angestiegen seien, nur weil plötzlich eine direkte S-Bahnverbindung in die Metropole vorhanden ist.

Für schwierig erachte er es aber sehr wohl, dass die S21 die Schrankenschließzeiten für Rettungsfahrzeuge beeinträchtigen könnte. Was vor allem beim höhengleich geplanten Bahnübergang in Ellerau ein großes Problem darstelle. Ein Tunnel sei dort aus Platzgründen nicht zu realisieren. Eine Verschwenkung der L76 durch das Gewerbegebiet in der Nachbarstadt Quickborn sei denkbar, aber auch teuer und problematisch.

Auch die Zukunft der 300 Mitarbeiter der AKN liege ihm sehr am Herzen, deren Arbeitsplätze zum Teil gefährdet seien, wenn die S-Bahn wie geplant den Betrieb übernimmt, sagte er. Diese Fürsorgepflicht für die AKN-Belegschaft müsse das Land als Miteigentümer der Bahngesellschaft in Kaltenkirchen mit ins Kalkül ziehen.

Eine andere Antriebsart als Stromschiene und Oberleitung komme aber nicht in Betracht, erteilte Nägele solchen Gedankenspielen eine Absage, die sich von Akkus, Brennstoffzellen oder Wasserstoffbetriebenen Zügen weniger Beeinträchtigungen versprechen. „Es ist eine Einbindung in das S-Bahn-System und Hamburg will so wenige Störungen wie möglich.“Für die S21 spräche eigentlich nur, dass die Fahrgäste künftig nicht mehr in Eidelstedt umsteigen müssten, was natürlich ein Komfortgewinn sei. Aber ob das Finanzministerium dafür die 90 Millionen Euro investieren würde, falls der Bund es nicht bezuschussen sollte, sei fraglich. Burkhard Fuchs

LN

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