Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Sammeln und zählen gegen Vermüllung
Lokales Segeberg Sammeln und zählen gegen Vermüllung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:25 08.03.2018
Schmutzige Arbeit: Die WZV-Auszubildenden Yannik Ehlers, Ole Kanschat und Lukas Schulz (v. l.) sichten und sortieren den zuvor an der Bundesstraße 206 gesammelten Müll; Kollegin Jana Nölle hält die Ergebnisse in einer Liste fest. Quelle: Foto: Vogt
Bad Segeberg

Welche Geschichte hinter einem Blumentopf steht, der am Straßenrand gelandet ist, oder wie in aller Welt eine Toilettenbürste an einen Wanderweg kommt, wäre dabei mitunter bestimmt interessant zu erfahren. Zumeist liegt das Zeug aber einfach nur stumm in der Landschaft herum und verschandelt ebendiese. „Littering“, übersetzt „Vermüllung“, heißt das in der Fachsprache.

Nicht gerade eine saubere Sache: Der Wege-Zweckverband ruft die Segeberger zum Müllsammeln und -zählen auf. Bei der europaweiten Aktion „Let’s Clean up Europe“ („Lass uns Europa aufräumen“) soll ermittelt werden, was für Abfall eigentlich genau wo liegt.

Ein wenig Abhilfe haben am Mittwoch die Auszubildenden des Wege-Zweckverbandes (WZV) geschaffen, die an Hauptstraßen, in Wohngebieten und an Wanderwegen unterwegs waren, um mit Hilfe von Greifhaken achtlos zurückgelassenen Abfall wegzupflücken. Möglichst viele Vereine, Gruppen, Unternehmen, Schulen oder Privatleute sollen es ihnen gleichtun und sich an der Kampagne beteiligen, hoffen die Verantwortlichen beim WZV.

Das Sammeln ist in diesem Jahr aber nur die Pflicht; die Kür besteht darin, den zusammengetragenen Müll anschließend auseinanderzupuzzeln, nach Art und Material zu sortieren und das Ergebnis in einer Liste festzuhalten. „Diese Zählstudie knüpft an laufende Forschungsaktivitäten des Umweltbundesamtes an“, erklärt WZV-Sprecherin Bettina Kramer. Ziel sei, die Datenbasis zu verbessern und so eine Hochrechnung über das Aufkommen von Müll im Freien zu ermöglichen. Daraus, so hoffen die Experten, sollen dann Wege abgeleitet werden, „Littering“ zu reduzieren.

Lukas Schulz und seine Mit-Auszubildenden Yannik Ehlers und Ole Kanschat sind zugleich erstaunt und empört, wie viel am Straßen- und Wegesrand abgeladen wird. Auf Knien wühlen sie in einem grau-braun-bunten Haufen aus Zigarettenkippen, Pappbechern, Müsliriegel-Verpackungen, Joghurt-Drink-Flaschen und Laubresten, den sie am Morgen an der Bundesstraße 206 zusammengetragen haben und nun säuberlich nach Kunststoffen, Papier und Metall sortieren. „Kunststoffe überwiegen deutlich, vor allem Verpackungen“, sagt Lukas Schulz. Die würden immer mehr, weil viele Produkte, insbesondere Snacks für Zwischendurch, heutzutage doppelt und dreifach eingewickelt seien, kritisiert der Azubi. „Und leider gibt es immer noch zu viele Menschen, die ihren Müll achtlos an den Straßenrand schmeißen.“

Mit ihrer Aktion erhoffen sich die jungen Erwachsenen, ein Beispiel zu geben, damit sich möglichst viele Menschen der Sammel- und Zählaktion anschließen.

Denn Vermüllung wird auch im vermeintlich sauberen Deutschland zu einem immer größeren Problem. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität zum Thema hat 2016 eine gestiegene Gleichgültigkeit ausgemacht. Die schlimmsten „Litterer“ seien demnach die 21- bis 30-Jährigen. Aber auch die über 50-Jährigen schmeißen inzwischen mehr in die Gegend als in der Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 beschrieben. Mit 35,1 Prozent machen Zigarettenkippen noch immer den größten Anteil aus. Besorgniserregend zugenommen haben vor allem die sogenannten Take-away-Verpackungen, also Einweg-Kaffeebecher oder Ähnliches. Ihr Anteil stieg von 2008 zu 2016 von 6,2 auf 20,5 Prozent.

Jeder kann mitmachen

Die Aktion „Let’s Clean up Europe“ findet jedes Jahr im Frühjahr statt. 2017 beteiligten sich etwa 700 000 Menschen aus 30 Ländern daran. Teilnehmen kann jeder, der möchte. Für die Anmeldung muss lediglich ein Sammeldatum zwischen 1. März und 31. Mai sowie ein Sammelort festgelegt werden. Das Bundesumweltministerium sattelt in diesem Jahr die eigene Aktion „Jetzt ist Zähltag“ auf. Dabei soll der Müll nach dem Sammeln auch gezählt werden. Dazu gibt es auch eine Smartphone-App. Weiteres unter www.zaehltag2018.de

 Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!