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Schafe und Heidelerche statt Soldaten

Wittenborn Schafe und Heidelerche statt Soldaten

Aus dem ehemaligen Übungsplatz der Bundeswehr in Wittenborn ist ein idyllisches Gebiet zur Naherholung geworden. Idylle pur auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wittenborn.

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Diplom-Forstingenieur Christian Jeschke im Gespräch mit Schäferin Birgit Voigtländer aus Aukrug. Zweimal im Jahr halten die Schafe und Ziegen ausgewählte Flächen kurz. Etwa zehn bis zwölf Tage grasen die 600 Tiere.

Quelle: Fotos: Silvie Domann

Wittenborn. Laut krächzend zieht ein Kolkrabe seine Kreise, Kiefernwipfel wiegen sich im Wind. Auf der Sandfläche gegenüber wird der Ameisenlöwe, ein Käfer, auf seine Beute warten. In der Ferne ist das Blöken von Schafen zu hören. 

LN-Bild

Aus dem ehemaligen Übungsplatz der Bundeswehr in Wittenborn ist ein idyllisches Gebiet zur Naherholung geworden.

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330 Hektar umfasst das Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes. 280 Hektar sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die übrigen 50 Hektar sind für die

 mögliche A 20-Trasse vorgesehen.

Das Gelände, auf dem einst Panzer dröhnten und Soldaten den Häuserkampf übten, ist der Arbeitsplatz von Diplom-Forstingenieur Christian Jeschke. 2009 wurde der Platz geschlossen, drei Jahre später einstweilig als Naturschutzgebiet sichergestellt. „Sichern heißt, keine Gebäude errichten, einen Managementplan aufstellen, Gebäude rückbauen“, erklärt der 32-Jährige. Seit 2012 arbeitet er beim Bundesforst, eine Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Als der Truppenübungsplatz noch genutzt wurde, waren Sicht- und Lärmschutz die Hauptaufgaben des Bundesförsters. Nun ist es der Naturschutz. 330 Hektar groß ist das Gelände, 280 Hektar sind seit 2016 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, auch ein Vogelschutzgebiet gehört dazu. Die übrigen 50 Hektar umfassen die möglichen A-20-Trasse. An den Randbereichen hat Jeschke bereits Buchen gepflanzt, um Windbruch nach einer nötigen Rodung für die Autobahn zu verhindern.

„Jedes Naturschutzgebiet hat eine eigene Verordnung“, sagt Jeschke und erklärt, dass das Gelände von Fußgängern, Rad- und Rollstuhlfahrern betreten werden darf, jedoch sollen nur die befestigten Wege genutzt werden. Hunde sind an der Kurzleine zu führen. Neben Waldbereichen verfügt das Gelände über verschiedene „Offenlebensraumtypen“, die sollen erhalten und verbessert werden. Außerdem gibt es seltenere Tiere wie Rauhfußkauz, Uhu, Schlingnatter, Heidelerche und Ameisenlöwe.

Verkehrssicherung und Waldrandgestaltung gehören zu Jeschkes Aufgaben, ebenso einzelne Lebensräume in ihren ursprünglichen Zustand umzuwandeln. Unter anderem das sogenannte Entkusseln. Bäume, die in den vergangenen 20 bis 25 Jahren auf der Fläche eines Magerrasens gewachsen sind, werden abgesägt. Die offene Fläche wird so zur Sitz- und Singwarte für Heidelerche und Neuntöter. Die dünnen Stämme wurden im Februar entfernt, das Holz zu Hackschnitzeln verarbeitet. 3000 Schüttraummeter davon warten auf den Abtransport in ein Heizkraftwerk.

Auch reine Nadelwälder sollen langsam in Mischwald umgewandelt werden. So lässt Jeschke vor allem Buchen pflanzen. Etwa drei Jahre alt und mannshoch sind diese, damit sie nicht sofort dem Wild zum Opfer fallen. Ein paar Baumstämme liegen im Wald. „Die stammen vom Sammelhieb. Vom Borkenkäfer befallene Bäume, die so sehr geschädigt sind, dass sie geschlagen werden müssen. Die werden an einem Platz gesammelt und zügig aufgearbeitet, um einen weiteren Befall zu vermeiden“, sagt Jeschke und blättert ein Stück Rinde ab. Von innen ist ein Muster zu sehen: ein tieferer, dickerer Muttergang, von dem viele Gänge der geschlüpften Larven abgehen. „Das ist der Buchdrucker“, sagt Jeschke und zeigt auf einen großen Baum, vom Sturm gefällt. Viele kleine Häufchen von braunem Bohrmehl ziehen sich den Stamm entlang. „Braunes Bohrmehl produzieren rindenbrütende Borkenkäfer, weiß ist es bei Holzbrütern.“ Da die Leitungsbahnen in der Rinde verlaufen, führt ein massiver Befall durch den Buchdrucker zum Absterben des Baumes. Auf eine weitere Besonderheit macht der Bundesförster aufmerksam: eine leichte Erhebung. Ein Hügelgrab, eines von elf Kulturdenkmälern, die auf dem Gelände stehen.

Knapp 20 Kilometer Wege führen über den Truppenübungsplatz. Wer den Rundweg entlang spaziert, ist etwa vier Stunden unterwegs. Vorbei geht es an einer Fläche, die durch Knicks von Rot- und Weißdorn unterteilt ist. „Die Fläche wurde mal landwirtschaftlich genutzt, das sieht man noch.“

17 Reviere im Norden

Der Bundesforst ist eine Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Er hat die Aufgabe, Grünflächen und Wald, die dem Bund gehören wie zum Beispiel militärisches Gelände oder Bereiche entlang von Wasserstraßen, zu bewirtschaften. Um rund 585000 Hektar kümmert sich der Bundesforst.

Deutschlandweit gibt es 17 Bundesforstbetriebe, darunter drei in Bayern. Für Hamburg, Schleswig-Holstein und Teile von Mecklenburg-Vorpommern (bis zur A 19) ist der Bundesforstbetrieb Trave mit Sitz in Mölln verantwortlich.

17 Reviere hat der Bundesforstbetrieb Trave, eines ist das Revier Boostedter Heide, dem Christian Jeschke vorsteht. Sein Revier umfasst die ehemaligen militärischen Flächen in Boostedt, Wittenborn und Todesfelde sowie 100 Hektar bei Ruhwinkel. Außerdem ist er für Aufforstung und Renaturierung von Ausgleichsflächen im Straßenbau entlang der A20 zwischen Lübeck und Bad Segeberg zuständig. sd

 Silvie Domann

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