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Segeberg Schau der scharfen Schwarzbunten
Lokales Segeberg Schau der scharfen Schwarzbunten
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10:59 27.01.2018
Richter Bert Groen aus Dänemark beäugt die Schwarzbunte „Devote“, mit der Hauke Kaack im Ring steht. Am Ende wird sie Dritte. Quelle: Hiltrop
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Neumünster/Segeberg

„Wir wollen gesunde, unauffällige Tiere, die viel Milch geben“, sagt Hauke Kaack (26) fachmännisch und rasiert dabei das Euter von „Dakar“, einer schmucken Schwarzbunten. Gegenüber steht Junglandwirt Philip Ellerbrock aus dem Kreis Stormarn und fängt den Fladen, den seine Kuh loswerden will, mit einem Eimer auf, damit der verdaute Gräserschlamm nicht das Bein hinunterrinnt. „Frisch geputzt. Gehört dazu“, wirft er ein und grinst. Eine Stallgasse weiter sitzt Thorsten Freyer aus Lübeck neben seiner Rotbunten „Tante“. Er entspannt, sie käut wieder, was in etwa das Gleiche ist.

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4850 Mitglieder zählt die Rinderzucht Schleswig-Holstein, eine eingetragene Genossenschaft, kurz RSH eG. Vor einem Jahr waren es laut RSH noch mehr als 5000. Vielen Milchbauern habe die Milchkrise das wirtschaftliche Genick gebrochen.

Die Prämierungsliste 2018 steht online www.rsheg.de/aktuelles

Früher tagsüber

„Neumünster am Abend“ heißt die Schau, weil sie einst tagsüber stattfand, die Organisatoren wollten dann die zeitliche Änderung deutlich machen.

Die Klasseneinteilung richtet sich nach den geborenen Kälbern. Neben der Milchkuh gibt es die Kuh in Doppelnutzung (DN) als Mich- und Fleischrind.

Alle sind vorbereitet auf „Neumünster am Abend“. D i e Tierschau für die Milchviehbauern im Norden.

Hauke Kaack: „Jeder kämpft um den Titel, aber wir sind alle für die gleiche Sache hier, helfen uns. Die Schau ist unser großes Treffen.“ Seit 30 Jahren und am Donnerstag zum 21. Mal hat die Genossenschaft Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH eG) in die Holstenhallen eingeladen. Schirmherr: Ministerpräsident Daniel Günther. Rund 120 Betriebe zwischen Flensburg und Lauenburg Elbe sind mit etwa 300 Kühen und Nachzuchten angemeldet. Mancher Landwirt hat ein Tier dabei, andere drei, die Kaacks neun.

In 14 Klassen und zwei Jungrindergruppen geht es um die Schönsten, aus deren Reihen der „Grand Champion“ gekürt wird. Eine von Strohballen flankierte Sandgasse statt roter Teppich führt zum „Catwalk“, zu drei Vorführ-Ringen. Drumherum sitzt das Publikum. Schwarzbunte, Rotbunte und Angler – eine schleswig-holsteinische, fuchsrote Rasse – sind schon am Mittwoch zur Miss-Wahl der Wiederkäuer angereist, haben die Stallboxen bezogen. Lange vor dem Start der Schau heißt es waschen, föhnen, rasieren, cremen, pudern, ölen, um die tierische Schokoladenseite herauszustellen.

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Eines ist festzuhalten: Schleswig-Holsteins Cowboys, die sitzen nicht im Sattel, die stehen im Stall. Und wenn es darauf ankommt, schlafen sie bei ihren Tieren im Stroh, so wie dieser Tage. Sie sprechen liebevoll von ihren Kühen, hegen und pflegen sie. Dennoch geht es um Milchleistung – und ja, irgendwann geht es auch zum Schlachter.

Der steht am Freitagabend jedoch nicht mit gewetzten Messern am Hintereingang der Holstenhallen, während drinnen Züchterstolz präsentiert und gefeiert wird, aber auch zerplatzt. Nur der Laie schaut einer Kuh erst ins Gesicht. Des Fachmanns erstes Augenmerk gilt dem Hinterteil und dem Exterieur. Um schöne Augen und hohe Wangenknochen geht es nicht. „Edel soll das Erscheinungsbild sein, mit trockenem Knochenbau, einer geraden Oberlinie und drüsigem Euter, also schön mit Adern durchzogen“, zählt Hauke Kaack Erfolgskriterien auf. „Milchreich, sehr gute Oberlinie“ , urteilt später Preisrichter Bert Groen, einer von fünf. Platz drei, 1C, für „Devote“.

Ein durchwachsener Start. „So ist das nun mal. Jeder Richter ist anders. Er mag eben scharfe Kühe.“ Hauke Kaack und Vater Volker haben keine Zeit zum Sinnieren, die nächsten Tiere müssen in den Ring.

Ein Knochenjob für den Mensch, denn für manch gewichtiges Rind ist es eine aufregende Sache. Eine Anglerkuh geht durch, ist aber schnell wieder eingefangen. Bis auf einige blaue Flecken beim Zwei- und ein paar Schrammen am Vierbeiner läuft alles – auch bei Kaacks: „Dejavue“ steht vor „Dusty Snow“ auf dem Siegertreppchen. 2016 war es anders herum. Platz zwei auch für „Depeche“ in ihrer Klasse.

Den großen Wurf landet jedoch Andreas Bewersdorff aus Ruhwinkel. Seine Rotbunte „Diana“ wird Miss Schleswig-Holstein der Kühe, holt sich den Titel „Grand Champion“.

 Heike Hiltrop

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