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Segeberg Schauspiel-Profis auf vier Beinen
Lokales Segeberg Schauspiel-Profis auf vier Beinen
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18:10 03.09.2016
Reitstallchefin Sylvia Kassel und „Cubano“, mit dem sie am Kalkberg reitet. Dieses Team gibt den Neulingen Sicherheit. Quelle: Fotos: Hiltrop(3)/hfr (1)
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Bad Segeberg

Das Kavallerie-Signal ertönt. Die Zuschauer im Kalkbergstadion horchen auf, erwarten gespannt das Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand. Die letzte „Silbersee“-Vorstellung für diese Saison beginnt heute um 15 Uhr. Und hinter den Kulissen, da scharren einige Darsteller schon mit den Hufen. Buchstäblich. Was wäre der Wilde Westen ohne „Iltschi“

Karl-May-Spiele ohne Pferde – nicht denkbar. Die LN haben sich bei den heimlichen Hauptdarstellern umgesehen.

„Auf ,Cubano’ setzt Du jeden drauf. Der weiß, was zu tun ist.“ Sylvia Kassel

(übersetzt: Wind), Winnetous treuem Begleiter. Der übriges im wirklichen Leben „Arni“ heißt und eine 18-jährige Trakehnerstute ist. Auch „Hatatitla“ (der Blitz), auf dem Old Shatterhand durch die Segeberger Prärie galoppiert: Eine Hauptrolle, in die „Easy“, ein 14-jähriger Andalusier, schlüpft. Neben den Stars und den zweibeinigen Statisten gehören 25 Pferde und Ponys zum Karl-May-Ensemble:

drei Kutschpferde, die von Reiner Stave und Maik Sommer betreut werden, fünf, die zur Stunttruppe gehören, und 17 als Stammbesetzung.

Seit 21 Jahren ist Sylvia Kassel die Reitstallchefin der Spiele. Die Pferdefachfrau kauft die Tiere, bildet sie aus und betreut sie das ganze Jahr, darum kennt sie sie alle genau. „Wir haben viele Spanier“, sagt die 49-Jährige. „Die Arbeit muss den Pferden Spaß machen, und diese Rasse sind geeignete Showpferde, die stehen gerne im Rampenlicht.“ Einige der Vierbeiner sind richtige alte Hasen, andere ganz neu dabei.„Wir haben Pferde wie ,Moskito’, der schon seit zehn Jahren dazu gehört, und wir haben junge, neue, die eingearbeitet werden“, sagt Kassel. „Oro“, ein Pura Raza Española, und „Zalipo“, ein Menorquins, sind solche Newcomer. Sie haben in der Probezeit ausgiebige Pausen bekommen, um alles zu verarbeiten. In ihrer ersten Saison am Kalkberg standen sie auch nur jeweils die halbe Vorstellung lang auf der Bühne, um in Ruhe zu lernen. Ihre letzte Vorstellung war bereits in der vergangenen Woche. Sie sind schon in der „Winterpause“ im Stall Behnk in Groß Rönnau, erzählt die Reitstallchefin.

Als Cowboy oder Indianer reitet Sylvia Kassel meist vorn mit, begleitet die Neulinge, gibt ihnen damit Sicherheit. „Eine gute Grundkondition und gute Muskulatur muss ein Pferd mitbringen“, so die Expertin. „Und zuverlässig muss es sein, aber das ist eine Sache der Ausbildung.“ So habe sie einst ein Pferd gekauft, das von seinem Vorbesitzer als zu schreckhaft abgegeben worden war: „Der läuft jetzt ganz normal mit“. In ihrer Zeit bei den Spielen habe sie nur drei Pferde wieder abgeben müssen. „Für eine Stute war das einfach zu viel Trubel, sie stieg unvermittelt hoch. Und ein Pferd war einfach zu schreckhaft beim Schießen.“

Dann gibt es Pferde, wie „Cubano“: „Da setzt du jeden drauf, ,Cubano’ weiß, was zu tun ist.“ Sylvia Kassel schmunzelt und erinnert sich an die Saison 2005, in der Götz Otto als Harry Melton dabei war und vorher noch auf keinem Pferd gesessen hatte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn sattelfest bekomme. Und später hat es ihm richtig Spaß gemacht.“

Klar schaue sie genau, welches Pferd zu wem passe, das sei sogar sehr wichtig, so die frühere Vielseitigkeitsreiterin. So stand beispielsweise schnell fest, dass Oliver Stritzel, der in dieser Saison den Brinkley gibt, und „Moreno“ ein gutes Team abgeben: Der Schauspieler saß schon zuvor im Sattel, das Pferd sei wunderbar leichtgängig.

Im Anti-Schreck-Training lernen die Vierbeiner Explosionen und Schüsse kennen, und es kommen unter anderem Regenschirme, große Bälle und allerhand andere Dinge zum Einsatz, um aus dem Fluchttier einen gelassenen und verlässlichen Darsteller zu machen. „Dabei orientieren sich die jungen Pferde an den alten Hasen“, erklärt Kassel. „Haben die keine Angst, wissen die Jungen, dass sie auch keine zu haben brauchen.“ Die Pferde kennen mitunter sogar ganz genau ihre Auftrittsmusik und verpassen somit keinen Einsatz.

Eine Rundum-sorglos-Behandlung gehört in der Saison zu ihrem Alltag: Duschen, Putzen, Striegeln, das übernehmen die Reiterstatisten. Und auch das Futter wird abgestimmt: Hafer, Müsli und gelegentlich auch Mineralstoffe, Zink, je nachdem, was die Untersuchung der Haarproben durch eine Heilpraktikerin ergeben hat.

An den drei spielfreien Tagen erholen sich die wiehernden Ensemblemitglieder auf einer Weide. Wo, darüber wird zum Wohl der Tiere geschwiegen. „Das soll geheim bleiben, damit sie sich wirklich ausruhen können, nicht von Fremden gefüttert werden“, erklärt Sylvia Kassel. Und wenn heute die guten wieder einmal gegen die Bösen gewonnen haben und der „Schatz im Silbersee“ gerettet ist, dann gehen auch Bad Segebergs Pferdestatisten in die wohlverdienten Ferien nach Groß Rönnau. Wo sie es sich im Aktivstall Behnk gut gehen lassen, wo sie geritten und ein bisschen trainiert werden. Nach einer Woche gibt es dann Anwendungen durch eine Chiropraktikerin. „Das intensivere Training beginnt dann wieder im Februar/ März“, sagt Sylvia Kassel und begibt sich in die Maske für ihren Auftritt.

Heike Hiltrop

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