Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Ausstellung im Rathaus zum Schicksalstag 9. November
Lokales Segeberg Ausstellung im Rathaus zum Schicksalstag 9. November
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 03.11.2018
Peter Zastrow, Manfred Quaatz, Hans-Werner Baurycza, Dr. Christopher Schumacher und Dr. Ulrich Altner (v. l.) haben für ihre neue Ausstellung den 9. November als deutschen Schicksalstag zum Thema gemacht. Quelle: Petra Dreu
Bad Segeberg

Kein anderer Tag taucht bei wichtigen Ereignissen in Deutschland so oft auf, wie der 9. November. Ein Schicksalstag. An diesem Datum sind Dinge geschehen, die Deutschland maßgeblich verändert haben. Welche Ereignisse das waren, hat die Bad Segeberger Geschichtswerkstatt erarbeitet und auf Schautafeln zusammengefasst, die derzeit bis zum 7. Januar 2019 im 1. Obergeschoss des Rathauses zu sehen sind.

Dass der 9. November ein Schicksalstag der Deutschen ist, ist unbestritten. Aber wurde er auch in Bad Segeberg als ein solcher wahrgenommen? Nicht unbedingt. Wie im Jahr 1918, als Matrosen zu einem Zeitpunkt, als der Krieg eigentlich schon als verloren galt, meuterten. Sie zogen Kieler Werftarbeiter auf ihre Seite und zettelten eine Revolte an, den berühmten Matrosen-Aufstand. Als der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann am 9. November davon im Reichstag erfuhr, rief er die deutsche Republik aus. Zwei Stunden später meldete sich Karl Liebknecht am Berliner Stadtschloss, um eine sozialistische Republik auszurufen. Der Krieg und die damit verbundenen Entbehrungen hatten auch die Segeberger ausgezehrt, die beispielsweise Infektionen nichts entgegensetzen konnten. Viele starben, wie die Segebergerin Irma Deichmann im Alter von zwölf Jahren.

Während sich der Ruhrkampf im Ruhrgebiet und der Marsch auf die Feldherrenhalle am 8. und 9. November 1923 in München abspielte, wurde der unaufhaltsame Marsch der Nazis mit Hitler an ihrer Spitze zehn Jahre später auch in Bad Segeberg sichtbar. Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933 hatte Hitler alle NS-Ortsgruppen dazu verpflichtet, am 9. November Gedenkfeiern für den Marsch zur Feldherrenhalle zu halten. In Bad Segeberg sammelte sich die SA mit Standarten vor der Marienkirche, von der aus damals ein Weg direkt zum Ehrenmal führte.

Die Ausstellung dokumentiert unter anderem die niederträchtige Nazi-Ideologie und die einsetzende Verfolgung an der alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie Baruch, die in der Lübecker Straße 13 und später in der Kirchstraße 3 ein Warenhaus betrieb. „Als Leo Baruch 1930 starb, wurden die Trauergäste mit Steinen beworfen. Segeberger, die dort eingekauft hatten, wurden fotografiert und öffentlich zur Schau gestellt. Die gesamte Familie wurde denunziert. Schließlich gab es sogar ein Transparent quer über die Lindenstraße mit dem Aufdruck: Bad Segeberg ist judenfrei“, weiß Hans-Werner Baurycza.

Und am 9. November 1938 gab Goebbels in einer Hassrede gegen das Judentum zwei klare Anweisungen: Synagogen sollten angezündet und jüdische Geschäfte „arisiert“ werden. Diese Nachricht erreichte Bad Segeberg erst in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers. Die SA zündete damals die Synagoge an, löschte den Brand aber schnell wieder, um keinen Übergriff der Flammen auf andere Häuser zu riskieren. Das benachbarte Warenhaus der Familie Baruch wurde geschändet. Emma Baruch floh mit ihren Töchtern nach Hamburg, womit Bad Segeberg danach tatsächlich „judenfrei“ war.

Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Norderstedt unterstützt seit Jahren Einkommensschwache bei der Familienplanung. Nun machen sich SPD, die Wählergemeinschaft WI-SE und die Linken im Segeberger Kreistag für eine kreisweite finanzielle Hilfe bei der Verhütung stark.

05.11.2018

Die LN haben mit Polizei-Jugendsachbearbeiter Uwe Pawlowski über Gewalt und Vandalismus in der Innenstadt gesprochen. Zwar gibt es Probleme, räumt der Oberkommissar ein. Bad Segeberg sei aber nach wie vor ein sicherer Ort.

02.11.2018
Segeberg Gemeinschaftsschule am Seminarweg - Neuer Schulhof eingeweiht

Die Schüler der Gemeinschaftsschule am Seminarweg in Bad Segeberg haben lange auf ihre neue und größere Schulhoffläche warten müssen. Am Freitag sie für die 450 Schüler endlich freigegeben worden.

02.11.2018