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Segeberg Schluss mit der Flickschusterei
Lokales Segeberg Schluss mit der Flickschusterei
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21:34 22.06.2018
Vom Radfahrer bis zum Sattelschlepper, alles auf engstem Raum auf der Kurhausstraße: Die Parteien fordern Konzepte ein, bevor Geh- und Radwege neu gepflastert werden. Die Stadt warnt vor jahrelangem Stillstand, weil bei der Planung Verteilungskämpfe drohten. Quelle: Fotos: Glombik
Bad Segeberg

Während der Stoßzeiten herrscht dort Chaos. Da kann man die Kurhausstraße kaum überqueren, auf extrem engen Radwegen wuseln Radfahrer. Haltende Paketdienste, Wagen der Müllabfuhr sorgen für Staus.

Eigentlich ist die Kurhausstraße mit ihren Alleebäumen, den Läden und den alten Villen – wenn sie noch nicht abgerissen oder verschandelt wurden – ein Schmuckstück Bad Segebergs. Doch sie ist auch eine wichtige Verkehrsader. Politiker möchten sie jetzt überplanen lassen.

„Das wird Verteilungs- kämpfe geben.Anje Langethal

Bauamtsleiterin

Parkplätze gibt es kaum. Und wer die Beifahrertür öffnet, muss höllisch aufpassen, weil er sonst einen Radler umstößt.

Die Stadtverwaltung möchte, wie berichtet, Bürgersteig und Radweg auf der Straßen-Westseite zwischen Schweinemarkt und Gartenstraße neu pflastern. Hier drohen Stolperfallen, insbesondere Menschen mit Gehwagen oder Rollstuhl haben wegen der Unebenheiten große Schwierigkeiten. Doch das Thema wurde im Bauausschuss von der Tagesordnung genommen. Bevor neue Gehweg-Steine verlegt werden und so quasi Fakten geschaffen werden, müsse erst einmal ein Plan her. Ausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) forderte gar ein „globales Gesamtkonzept“ für Bad Segeberg.

Bedürfnisse verschiedener Verkehrsteilnehmer – „vom E-Bike bis zum Sattelschlepper“ – müssten sortiert „und zu einem für die Stadt zukunftsträchtigen Konzept gebündelt werden“. Dazu brauche die Stadt die Hilfe von Stadtplanern. „Das Gestocher mit Einzelaktionen“ müsse aufhören, so Tödt. Nur mit einem Zukunftskonzept „können wir unsere schöne Stadt vor einem Kollaps bewahren“. Allein den vorderen Teil der Kurhausstraße zu überplanen, bringe nichts. Das koste nur unnötig Zeit und vor allem Geld. Tödt fordert, das große Ganze anzugehen, auch wenn es sehr teuer werden dürfte.

Bei den Grünen und der SPD klang das ähnlich. Seit den 90er Jahren werde jetzt über die Gestaltung der Kurhausstraße debattiert, sagte SPD-Stadtvertreter Joachim Wilken-Kebeck. In der Fraktion sei man sich darüber klar geworden, dass hier jetzt nichts mehr zementiert werden solle durch einen neuen Geh- und Radweg, „obwohl wir genau wissen, dass wir sehr großen Handlungsbedarf in der Kurhausstraße haben“. Die Probleme seien vielfältig: Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer – alle haben ihren Ärger mit dieser Straße. Von dem Mangel an Parkplätzen ganz zu schweigen. Vom Schweinemarkt bis zum Kurpark sollte die Straße komplett überplant werden, um allen Nutzern gerecht zu werden. Wilken-Kebeck hat auch gleich konkrete Ideen. Die Bäume, die dort stehen, seien nicht für diese Straße geeignet. „Wenn man diese beidseitig wegnimmt, sollten neue Bäume nur noch auf einer Seite der Kurhausstraße gepflanzt werden“, schlug er vor. Die Parkplatzsituation sei völlig unzureichend.

Bauamtsleiterin Antje Langethal merkte an, dass das geforderte Konzept zum Umbau der Kurhausstraße ohnehin für 2020 eingeplant sei. „Das ist hier ein Brennpunkt und wird als wichtiger Schwerpunkt gesehen. Wir wissen aber auch, dass die Planungen unglaublich kompliziert werden.“ Es werde nicht gleichzeitig mehr Parkplätze, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger geben können. Die Straße gebe das nicht alles her. Langethal befürchtet „Verteilungskämpfe“ um die Nutzung der Kurhausstraße, die sich lange hinziehen könnten. Gleichzeitig sei der Zustand auf dem Fußweg „kaum noch hinnehmbar“

und werde sich in kommenden Jahren noch verschlechtern, warnte sie.

Wolfgang Glombik

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