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Segeberg Schnäppchen für die analogen Schatzsucher
Lokales Segeberg Schnäppchen für die analogen Schatzsucher
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08:50 08.03.2016
Ein Grund, weshalb Gitta Bestmann (60) den Flohmarkt dem Internet vorzieht, ist der Klönschnack. Der sei ihr fast genauso wichtig, wie das Ausrangierte vom Boden und aus dem Keller zu verkaufen. Quelle: Heike Hiltrop
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Wahlstedt

Die Tapeziertische sind aufgestellt, Kleiderstangen montiert und allerlei Hausrat auf Tuch, in Kisten oder Kasten verkaufsfördernd in Position gerückt: Flohmarkt. Morgens um acht Uhr haben sich 52 Aussteller in der Schulaula der Poul-Due-Jensen-Schule postiert. Es ist der Flohmarkt für die Spontanen und Spätaufsteher unter den Beschickern, denn andernorts wird vor Sechs aufgebaut.

Die Tapeziertische sind aufgestellt, Kleiderstangen montiert und allerlei Hausrat auf Tuch, in Kisten oder Kasten verkaufsfördernd in Position gerückt: Flohmarkt.

Und es ist der einzige Hallenflohmarkt in der Gegend. Vielleicht schieben sich deshalb gleich nach dem Sonntagsfrühstück schon so viele Menschen durch die schmalen Reihen. Schatzsucher und Schätzchenfinder, Kellerausmister und Kramhorter, knallharte Rechner und ausgebuffte Feilscher geben sich mit den Guckern und Wühlern ein Stelldichein. Es macht nicht den Eindruck, als sei Flohmarkt in digitalen Zeiten etwas von Vorvorgestern.

Obwohl laut Branchenverband „Bitkom“ mehr als jeder zweite Internetnutzer, vor allem die zwischen 30- und 49-Jährigen, Dinge über die zahlreichen Auktions- und Kleinanzeigen-Plattformen im Web anbietet, hat der Flohmark seine Fans. „Es kommt ganz drauf an: Die Großen, auf denen fast nur noch Händler ihr Billigzeug anbieten, die sind nichts – für mich jedenfalls“, sagt Marlis Lange und verstaut ein paar Spielsachen. „Der Vorteil gegenüber dem Internet ist, dass man alles anfassen und ausprobieren kann. Hier sieht man, wie die Sachen wirklich beschaffen sind.“ Bad Segebergs Stadtflohmarkt, die Trödelmeile um die Holstenhallen in Neumünster und Möbel Kraft: Die 34-jährige Wahlstedterin liebt es zu stöbern. „Außerdem ist es oft viel günstiger als im Netz“, ist sie sich sicher.

Annika Köhn gehört mit Mitte 20 zu den sogenannten „digital Natives“ (digitale Ureinwohner), also denjenigen, die mit dem Internet und Slogans wie „Drei, zwei, eins – meins“ von Ebay oder „Zwei, drei vier, das kauf ich mir“ von x-beliebigen ähnlichen Seiten aufgewachsen sind. Dennoch steht sie lieber zwischen anderen in der Schulaula: „Man hat sehr nette Gespräche. Es ist überhaupt nicht langweilig.“

Flohmarkt sei praktisch, man müsse nicht alles abfotografieren und dann ins Netz stellen, bricht die junge Frau eine Lanze fürs Traditionelle. Internet, das sei eher für die hochwertigen Markenartikel geeignet und für  Sperriges, wirft Karsten John ein, der nach einer ausgiebigen Shoppingtour mit vollgestopften Tüten abzieht.

„Man kennt viele der Leute hier. Der Klönschnack ist fast genauso wichtig wie das Geschäft – und es läuft prima“, resümiert Gitta Bestmann. „Meine Kinder stellen mal was ins Netz. Ich nicht. Mir gefällt das hier“, macht die 60-Jährige deutlich, dass sie erlebte Einkaufsfreude dem puren Akt des Kaufens vorzieht. Eine Frau preist winzige, kunstvoll bemalte Schüsseln an. „Japanische Sakeschalen“, kommentiert sie den fragenden Blick ihres Gegenübers.

„Aus den 70ern“, verleiht sie ihrer Ware noch einen Hauch Nostalgie. „Das Geschenk eines Kollegen, ich habe mal bei Yamaha gearbeitet“, kommt noch persönliche Patina obendrauf. „Aber getrunken wurde nie aus ihnen.“ Geschichte und Geschichtchen aus dem analogen Leben – auch das finden und lieben Flohmarktbesucher.

72 Prozent der Internetnutzer haben laut digitalem Branchenverband „Bitkom“ 2014 online Dinge verkauft oder versteigert. 23 Prozent haben den virtuellen „Flohmarkt“ noch nie benutzt.

Flohmarkt-Termine in Bad Segeberg und Umgebung: Am 27. März lädt das Landgestüt Traventhal wieder zum traditionellen Antik- und Trödelmarkt (10 bis 18 Uhr, Eintritt vier Euro, Kinder frei). Und am 17. April wird der MöbelKraft-Parkplatz erneut zum riesigen Flohmarkt mit Hunderten von Beschickern. Weitere Termine dort sind der 24. Juli, der 28. August und der 16. Oktober 2016.

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Von Heike Hiltrop

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