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Segeberg Schnippeldisko bei Smoothies und Suppe
Lokales Segeberg Schnippeldisko bei Smoothies und Suppe
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23:58 17.10.2015
Annabell Yaman (15) mit einer Gemüsezwiebel, die beinahe so groß ist wie ein Handball.
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Blunk

Der DJ lässt den Chart-Stürmer „Blurred Lines“ über die Lautsprechern donnern. Die fetzigen Klänge mischen sich mit den Stimmengewirr an langen, blanken Tafeln, an denen Menschen wie beim Mammutküchendienst vor Bergen von Gemüse sitzen und mit Schälmessern hantieren. Segebergs erste Schnippeldisko ist in vollem Gange. Knapp 60 Besucher waren am Freitagabend ins Landhaus Schulze-Hamann gekommen um dabei zu sein.

„Was ist das denn?“, hält Arne Sierk fragend eine hellviolette, längliche Frucht hoch. „Eine Aubergine“, sagt sein Gegenüber, lacht und erklärt die Verarbeitung. Es entspinnt sich eine nette Unterhaltung über Ernährung im allgemeinen und die Zubereitung von Aubergine im Besonderen. Ivonne Saggau und Sohn Ole sitzen derweil über einer Schüssel mit gewürfelten Petersilienwurzeln und Süßkartoffeln. Von wegen lieber Pommes: „Gemüsesuppe mag ich besonders“, so der 14-Jährige, dem es gefällt, mit seiner Mutter gemeinsam dabei zu sein. Auch Beatrice Hintz aus Bad Segeberg und ihre Freundin Christiane Riecker, beide jenseits der 60, sind voll des Lobes.„Eine ganz feine Idee.“ Selbst Landhausköchin Ulrike Kerschke hat sich das Ganze vorab nicht so locker und entspannt vorgestellt.

Slow-Food-Anhänger gesellten sich zu Leuten, die in Segebergs „Containern“, also im Abfall der Lebensmittelketten, nach noch gut Essbarem suchen — was eigentlich verboten ist, denn auch Abfall ist Eigentum. Neugierige, Veganer, Vegetarier und diejenigen, die auch mal einen Tag auf Fleisch verzichten können, schnippelten einträchtig nebeneinander.

Ziel erreicht. Denn beim kulinarischen Protest, der hinter der Schnippeldisko steckt (unter anderem von Slow-Food initiiert) und in Großstädten viele Fans hat, geht es um die Wertschätzung von Lebensmitteln, um den Spaß daran zu kochen und darum, etwas nicht gleich wegzuwerfen, nur weil es nicht aalglatt aus der steril anmutenden Plastikpackung purzelt.

Zu dicke Kartoffeln, Handball große Gemüsezwiebeln, unförmige Tomaten, dreibeinige Petersilienwurzeln, bunte Schrumpelmöhren, Mangold, winzige Äpfel — am Freitagabend in Blunk wurde mit sichtbar viel Vergnügen alles verarbeitet was nicht perfekt genug erscheint, um über den Ladentresen zu gehen. Und am Ende stand ein von den Gästen selbst zubereitetes „Buffet“ mit Schmorkartoffeln, Wokgemüse und Gemüsesuppe, mit Kartoffelpuffer, Apfelkompott, mit Rote Beete-Möhren-Smoothies und Kürbis-Kartoffelstampf und mit Obstsalat, das sich alle mit Genuss schmecken ließen, bevor noch ein bisschen getanzt wurde. Das Fazit von Gastgeberin Angela Schulze-Hamann: positiv.

Am 30. Oktober zeigt der NDR (Nordtour, 18 Uhr) einen Beitrag von der Veranstaltung. Die nächste Schnippeldisko ist für den 7. Februar geplant.

„Ich habe gedacht, das hört sich gut an und stelle fest: Die Schnippeldisko ist eine ganz feine Idee.“
Christiane Riecker (71), Fahrenkrug

Heike Hiltrop

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