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Schüler auf der Spur von „Fluchtfetzen“

Bad Segeberg Schüler auf der Spur von „Fluchtfetzen“

Gymnasiasten vom Städtischen befragten junge Afghanen und Syrer — Aus Worten entstanden Installationen.

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Emma Gräfe entzündet ein Licht — Heimat oder Wärme? Hinten v.l. Jana Warnke, Chiara Teegen, Luana Kaminski und Friederike Mohr.

Quelle: Kullack

Bad Segeberg. Oft sind es nur noch Fetzen von Kleidung, die der Flüchtling am Leib trägt. Anderes konnte er nicht mehr mitnehmen. Oder eine aufreibende Flucht hat die Sachen so zerschlissen. Durchaus doppeldeutig ist „Fluchtfetzen“, ein Projekt von Schülern des Städtischen Gymnasiums mit ihrer Kunsterzieherin Antje Wilkening und der Kieler Funkautorin Daniela Kletzke. Heute werden die elf Installationen erstmals während des Elternsprechtages des Gymnasiums präsentiert, und ab Montag sind sie eine Woche lang in der Remise am Landratspark zu sehen.

„Bewegend war von Jugendlichen zu hören, deren Familien noch in Syrien sind.“

Moira Pasberg

Ausstellungen an weiteren Orten in Bad Segeberg sind außerdem geplant, und zum Schluss werden die Arbeiten auch in Kiel zu betrachten sein. Aus Kiel kommt nämlich die Funkjournalistin und Audiokünstlerin Daniela Kletzke, die im Rahmen eines Qualifizierungsprojekts zur Kulturvermittlerin gemeinsam mit Antje Wilkening, Kunsterzieherin am Städtischen Gymnasium, die Idee zu den „Fluchtfetzen“ hatte.

Daniela Kletzke schreibt nicht allein seit 15 Jahren Hörspiele und Features für öffentlich-rechtliche Rundfunksendungen. Ursprung dieses Projekts waren Schülerinnen und Schüler, die sich in der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ engagieren. Sie führten die Interviews mit den jungen Flüchtlingen, die sie dann den Schülern eines Kunstkurses von Antje Wilkening zur Verfügung stellten. Die Kunst-Schüler wiederum hatten zuvor einen kunsthistorischen Diskurs zum Thema „Installationen“ erfahren, sodass sie nun in der Lage waren, aus dem Wort (den Erzählungen) die visuelle Umsetzung (als Installation) zu schaffen.

Daniela Kletzke sagt: „Die Jugendlichen aus dieser AG haben mich tief beeindruckt, weil sie so schnell gelernt haben, offene Fragen zu stellen und dem Gegenüber Raum zum Erzählen zu geben — und weil immer alle pünktlich und ernsthaft und engagiert bei der Sache waren. Und weil sie sich jenseits der Arbeitsgemeinschaft auf vielfältige Weise engagieren.“ Nur deshalb hätten innerhalb kürzester Zeit diese elf Interviews entstehen können, die auch in elf Installationen ihren Widerhall finden. Natürlich können in diesem kurzen Rahmen nicht die ganzen Lebensgeschichten der jugendlichen Flüchtlinge erzählt werden — wiederum sind es nur Momentaufnahmen, „Fetzen“ einer Flucht sozusagen. Daniela Kletzke erklärt: „Wir hoffen, dass die Interviews Fenster in die Lebenswelt geflüchteter Menschen sind.“

Moira Pasberg ist eine der Schülerinnen aus der AG, die sich mit jungen Syrern und Afghanen unterhalten hat. Ihr sind besonders jene Interviews von jungen Flüchtlingen haften geblieben, deren Familien immer noch in den Kriegsgebieten ausharren.

„Fluchtfetzen“ vom 15. bis 20. Februar, täglich 10 bis 16 Uhr in der Remise am Landratspark, Hamburger Straße 25.

Lothar Hermann Kullack

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