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Segeberg Schwerer Weg zum Job für Flüchtlinge
Lokales Segeberg Schwerer Weg zum Job für Flüchtlinge
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20:37 26.01.2017
Im Levo-Park sind bisher weniger Flüchtlinge als erwartet angekommen. Dennoch: Die Wirtschaft fordert, bürokratischen Hemmnisse zu beseitigen, um diese Menschen schneller in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Quelle: Fotos: Glombik/fuchs (2)
Henstedt-Ulzburg/Kreis Segeberg

Etwa 2500 Geflüchtete, die dauerhaft im Kreis Segeberg leben dürfen, könnten schon jetzt helfen, den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen. Doch die Behörden tun sich schwer, die entsprechenden Arbeitserlaubnisse schnell zu erteilen. „Es knackt noch reichlich im Gebälk“, gab jetzt Oliver Bonus von der Ausländerbehörde des Kreises Segeberg in Henstedt-Ulzburg zu. Dort hatten Verwaltung und Marketingverein unter dem Motto: „Wirtschaftsfaktor Flüchtlinge“ Vertreter aller wichtigen Organisationen ins Rathaus eingeladen, die mit diesem Thema beschäftigt sind. Rund 70 Zuhörer, darunter zahlreiche Firmenchefs und Arbeitgeber, hörten sich an, was ihnen Jobcenter, Arbeitsagentur, Handels- und Handwerkskammer dazu zu sagen und zu raten haben.

Diskussionsveranstaltung „Wirtschaftsfaktor Flüchtlinge“ in Henstedt-Ulzburg offenbarte noch viele Probleme, die der beruflichen Integration dieser Menschen im Weg stehen.

Bernd Langbehn, Geschäftsführer des örtlichen Unternehmens Hesebeck, war weniger zufrieden mit dem, was er dort aus berufenem Munde erfuhr. „Als alteingesessenes Unternehmen in Henstedt-Ulzburg fühlen wir uns verpflichtet, Flüchtlingen zu helfen“, sagte Langbehn. So habe er einen 41 Jahre alten Flüchtling aus Syrien als Tischler in seinem 50-Mann-Betrieb eingestellt. Doch der könne noch kaum Deutsch, besuche halbtags einen Integrationskursus und könne sich kaum mit seinen Kollegen verständigen. Gleichwohl müsse er ihm den vollen Mindestlohn zahlen, obwohl er ja noch kein vollwertiger Mitarbeiter sei, klagt Langbehn.

Auch der Aufenthaltsstatus des Mannes laufe 2019 ab. Wie solle er da langfristig in diesen Mann investieren können? „Das sind behördliche Hemmschwellen für alle Arbeitgeber, die diese Menschen integrieren möchten“, sagte der Hesebeck-Chef. „Das Potenzial ist ja da. Aber das braucht Zeit und Durchhaltevermögen.“ Die vorgestellten Förderprogramme von Arbeitsagentur und Jobcenter lösten das Problem nicht, befand Langbehn, der auch Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsförderung in der Großgemeinde ist.

Die Migrationsbeauftragte Marlies Rathsack von der Arbeitsagentur in Norderstedt gab sich mit ihrem Kollegen André Hachmann reichlich Mühe, all die verschiedenen Qualifizierungsmöglichkeiten, Weiterbildungskurse, ausbildungsbegleitenden Hilfen und Eingliederungshilfen für die Flüchtlingsklientel auf Jobsuche verständlich darzustellen. Doch auch sie musste eingestehen: „Das ist ein Riesen-Wirrwarr. Es gibt sehr viele Angebote.“ Sprachkurse gebe es genügend, deren Fahrtkosten auch erstattet würden. Bei den Alphabetisierungskursen gebe es aber lange Wartezeiten von einem halben Jahr und länger für Menschen, die nicht lesen und schreiben oder unsere lateinischen Schriftzeichen nicht kennen würden. Und geringfügige Beschäftigung werde auch für Flüchtlinge von Staats wegen nicht gefördert, betonte Hachmann. Auch Jochen Renk, der in Kaltenkirchen eine Handvoll junger männlicher Flüchtlinge dabei unterstützt, in Ausbildung oder Job zu bringen, zeigte sich frustriert.

„Warum dauert es so lange, bis die Ausländerbehörde die Arbeitserlaubnis erteilt?“ Fachdienstleiter Bonus versuchte zu beschwichtigen. Im Prinzip sei das in zehn bis 14 Tagen machbar. In komplizierten Fällen dauere es aber auch länger, zumal immer eine Behörde in Duisburg eingeschaltet werden müsse. „Bei zwei Wochen wäre ich ja schon glücklich. Oft dauert das ein halbes Jahr“, erklärte Flüchtlingshelfer Renk.

So scheint die Aufgabe, diesen zu uns nach Norddeutschland geflüchteten Menschen nach ihrer Anerkennung als Kriegsflüchtlinge auch eine berufliche Perspektive zu geben, noch ein weites Feld zu sein, das die bürokratischen Mühlen noch nicht zufriedenstellend gelöst haben. „Dabei würden wir eine Riesenchance vertun, wenn wir diese Menschen nicht in unsere Gesellschaft integrieren“, sagte zu Beginn der zweistündigen Veranstaltung Gastgeber und Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer. Nach den Fragen von Unterkunft und Spracherwerb müssten jetzt auch die Probleme von Ausbildung und Arbeitsaufnahme besser gelöst werden, forderte Bauer.

Burkhard Fuchs

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