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Segeberg Segeberg 2030: Probleme erkannt, Gefahren gebannt?
Lokales Segeberg Segeberg 2030: Probleme erkannt, Gefahren gebannt?
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10:55 22.07.2016
Abschluss des Projekts „Segeberg 2030“: Es war viel Arbeit, doch die AG-Leiter Rosemarie Jahn, Arne Hansen, Jörg Buthmann und Rudolf Beeth (v.l.) sehen positiv in die Zukunft des Kreises. Quelle: Materne

Wie kann die Daseinsvorsorge für eine alternde Gesellschaft im ländlichen Raum des Kreises Segeberg im Jahr 2030 gesichert werden? Drei Jahre lang befassten sich Akteure aus Verwaltung, Kommunalpolitik, Wirtschaft und verschiedenen Institutionen mit Fragen zur Gesundheits- und Pflegeversorgung, Inklusion, Mobilität im ländlichen Raum und zu altersgerechtem Wohnen. Viele Ideen wurden entwickelt, erste Projekte angestoßen. Nun gilt es, die Bemühungen fortzuführen, machte Jens-Martin Gutsche vom begleitenden Planungsbüro bei der feierlichen Abschlussveranstaltung im Kreishaus deutlich: „Häufig bricht das Projekt jetzt ab.“ Wenn der Prosecco ausgetrunken ist.

„Wenn wir unsere Arbeit fortsetzen, sehe ich positiv in 2030. Wir packen das!“Jörg Buthmann, Bürgermeister Wensin, AG Leiter Wohnen und Planen

Man war in Feierlaune angesichts der bisherigen Ergebnisse. „Die hausärztliche Versorgung im Kreis ist erst einmal gesichert“, verkündete Rosemarie Jahn stolz. Die Kreistagsabgeordnete hatte die Arbeitsgruppe Gesundheit geleitet. So habe man sich beispielsweise mit zwei Hausärzten im Kreis zusammengesetzt, die bereits im Rentenalter sind und über die Zukunft ihrer Praxen gesprochen. In beiden Fällen sei die Nachfolge geklärt, ist Jahn froh. In solchen Fällen müssten Gemeinden künftig tätig werden, soll die ärztliche Versorgung gesichert bleiben. Eine Broschüre zum Thema soll dabei helfen, nennt unter anderem die wichtigsten Ansprechpartner.

„2030, da bin ich schon 80, ich hoffe, dass der Acker dann gut bestellt ist“, meinte Rudolf Beeth, Leiter der AG Senioren und Pflege sowie Menschen mit Behinderungen. Zwei eng verwandte Themen, denn aktuell erreicht die erste Generation behinderter Menschen seit dem 2. Weltkrieg das Rentenalter – und verliert die gewohnte Tagesstruktur aus den Werkstätten. In Arbeit ist beim Kreis daher eine Art Freizeitkatalog für diese Menschen, ein modularisierter Stundenplan zwischen 6 und 16 Uhr, aus dem sich die Betroffenen Angebote buchen können, beschreibt Anke Czub die Idee. Sie ist beim Kreis zuständig für die Eingliederungshilfe, aus der das Angebot auch finanziert werden soll. Die Angebote – vom Basteltreffen bis zur Kaffeerunde – wiederum sollen inklusiv sein.

Bei der Pflege lag ein Fokus auf dem Mangel an Tagespflegeplätzen. „Wir hatten bei Beginn ein Minus von über 100 Plätzen“, sagt Simone David, beim Kreis zuständig für soziale Sicherung. Seit das Projekt läuft, seien im Kreis drei neue Tagespflegeeinrichtungen mit 50 weiteren Plätzen eingerichtet worden. Das könne zwar nicht auf das Projekt zurückgeführt werden, so David, doch die Verwirklichung sei deutlich schneller geschehen seit der Kreis begonnen habe, Interessenten zu begleiten und sie mit den Beteiligten im Genehmigungsprozess zu vernetzen – unter anderem mit Heimaufsicht, Pflegekasse und Sozialhilfeträger. Zudem wurde im Amt Bornhöved damit begonnen, Kümmerer in den Dörfern zu suchen, die dort den Senioren behilflich sein sollen. Außerdem befindet sich das Internetportal „Seniorennetz“ im Aufbau, auf dem möglichst vielfältige Angeboten und relevante Informationen für Senioren gebündelt werden sollen.

Aus der AG Planen und Wohnen entsteht derzeit eine weitere Broschüre zu möglichen Wohnformen im Alter und Fördermöglichkeiten. Voran geht es auch beim Thema Mobilität. Der Kreistag hat bereits beschlossen, eine digital unterstützte Mitfahrzentrale für den Kreis einzurichten, um den Menschen im ländlichen Raum mit schlechter ÖPNV-Anbindung zu ermöglichen, von A nach B zu kommen. Der aktuelle Hype um das Spiel Pokémon Go zeige, wie stark sich Smartphones bereits durchgesetzt hätten, sagt AG-Leiter Arne Hansen. Das könne man nutzen. Für die Umsetzung der lokalen Mitfahrzentrale sind vor allem Werbemittel nötig. Ein Förderantrag über 75 Prozent Zuschuss beim Bildungsministerium läuft, so Hansen. Den Bescheid erwarte er im September. Parallel dazu würden Anträge bei den Aktivregionen im Kreisgebiet vorbereitet – als Alternativoption.

Bisher sieht es also nicht danach aus, dass das Projekt Segeberg 2030 nach dem Sekt zum Abschluss versandet.

 Nadine Materne

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