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Lokales Segeberg Segeberger Asyl für Lübecks Segelflieger
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20:10 25.04.2015
Seit Ostern ist ordentlich was los auf dem Gelände des Segelsportvereins Segeberg bei Wahlstedt: Die Saison hat angefangen. Außerdem sind die Mitglieder vom Aero Club Lübeck hier fliegerisch untergekommen.
Wahlstedt

Geräuschlos schrauben sich die Segelflieger in den Himmel über Wahlstedt. Dass es seit Kurzem ein paar mehr sind, ist kaum aufgefallen. Der Aero Club von Lübeck hat seit Ostern hier Asyl. Der Segelsportclub Segeberg mit seinem Platz nahe dem Bahnhof hat sie aufgenommen. „Wir haben einen Hilferuf ausgesendet und uns vier der Vereine angesehen, die Hilfe angeboten haben“, sagt Winfried Schöch vom Aero Club. So ist man zusammengerückt, auch wenn die Halle durch das zusätzliche Fluggerät aus allen Nähten platzt. Am Aero-Heimatflughafen Blankensee wäre Segelflug zwar rein theoretisch möglich, ist jedoch praktisch fast unmöglich. Seither heißt es für die Luftsportler scherzhaft „fliegen im Exil“. Zum Lachen ist den rund 150 Mitgliedern des ältesten und mit einer Flotte von neun Flugzeugen größten Segelflugsportvereines in Schleswig-Holstein jedoch gar nicht.

Seit der alte Pachtvertrag Mitte 2014 ausgelaufen ist, hängt der Verein, der lange vor dem Airport da war, in der Luft, statt abzuheben. Eine Verlängerung ging im Wirrwarr um den Airport unter.

Der Verein kam einige Wochen bei Sportfreunden andernorts unter. Dann kam es zu einer übergangsweisen Nutzungsvereinbarung mit dem Flughafen bis zum 31. März. Doch die wurde nicht verlängert.

Der neue Betreiber PuRen Germany (eine Gesellschaft der PuRen Gruppe mit Sitz in Peking) wolle die Segelflieger loswerden, sind sich die Aero-Club-Mitglieder sicher. So wurden unlängst Hallen, Vereinsheim, Werkstatt- und Schulungsräume der Segelflieger durch einen einfachen Bauzaun zum sensiblen Sicherheitsbereich erklärt. Das bedeutet unter anderem, dass der Schleppflieger an jedem Flugtag zerlegt, mit einem Sattelschlepper vom Vereinsgelände geholt und vier Kilometer zum nördlichen Eingang des Flugfeldes kutschiert werden müsste, um zur Grasbahn, die gleich um die Ecke des Clubs liegt, zu gelangen. Reine Schikane, sind sich Schöch und Vereinskollege Florian Mösch aus dem Vorstand sicher.

Dem widerspricht Dr. Peter Steppe, der Markus Matthießen in der Airport-Geschäftsführung abgelöst hat. „Zum 1. April ist ein neuer Luftsicherheitsplan in Kraft getreten“, kontert er. Dabei gehe es vor allem um strengere Kontrollen. Den habe man zwar selbst ausgearbeitet. „Aber so wie bisher, war er nicht genehmigungsfähig“, betont Steppe. „Ich kann dem Club nicht helfen, ich mache die Vorschriften nicht.“

Die Zeichen stehen auf Rechtsstreit. Um den zu finanzieren, hat der Verein einen seiner Motorsegler verkauft. Schöch: „Wir sind es denen, die das hier aufgebaut haben, einfach schuldig, dass wir um Lübeck kämpfen.“ Durch eine einstweilige Verfügung wollten die Luftsportler bis zu einem Prozess ihre Situation verbessern. Doch das misslang am Donnerstag vor Gericht. Vorerst. Zwei Wochen hat der Richter dem Verein für eine weitere Stellungnahme eingeräumt. Es zeichnet sich ab, dass Lübeck die Segelflieger verlieren könnte. Zumal Steppe eine Räumungsklage gegen den Club angekündigt hat. „Wir suchen weiter nach einer Lösung. In den kommenden Wochen werden wir in Wahlstedt bleiben.“

Winfried Schöch sieht, wie die Winde anzieht, ein Segelflieger von der Wiese in den blauen Himmel gleitet. Ein Segeberger Fluglehrer hebt mit seinem Schüler in dem Doppelsitzer der Lübecker ab. Der eigene ist gerade in der Wartung. Um den Betrieb am Boden kümmern sich beide Vereine gemeinsam. Man ergänzt sich. Segelflug ist ein Teamsport. Hier seien die Eigentumsverhältnisse gesichert, es gebe einen sehr guten Rückhalt und sie seien erwünscht, merkt Schöch an. „Es ist ein Stück weit Freiheitsgefühl, so wie es früher bei uns auch war.“

Heike Hiltrop

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