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Segeberg Segeberger Manifest für ein Kreismuseum
Lokales Segeberg Segeberger Manifest für ein Kreismuseum
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15:25 24.11.2018
Geschichte bewahren: Das Hansevolk zu Lübeck kommt am 30. November nach Bad Segeberg. Quelle: Dietmar Lilienthal
Bad Segeberg

„Es wird laut“, prophezeit Museumsleiter Nils Hinrichsen. „Das wird die ganze Stadt hören.“ Mit viel Pomp werden historische Gruppen am Freitag, 30. November, durch Bad Segebergs Innenstadt ziehen. Grund ist das feierliche Entrollen eines fast dreieinhalb Meter langen Banners: das Segeberger Manifest. Es fordert ein kulturhistorisches Museum bis zum Jahr 2025 im alten „Höhlenkrug“.

„Seit April diskutieren wir mit Verbänden und Parteien. Jetzt soll die Idee der breiten Bevölkerung bekanntgemacht werden“, sagt Hinrichsen. Alle Bürger sind eingeladen, sich zu beteiligen. Als Zuschauer oder in historischer Kluft beim Umzug. Um 15 Uhr ist Abmarsch an der Marienkirche. Es geht in Richtung Volksbank, dort um den Brunnen herum und zurück in Richtung Rathaus bis zum Höhlenkrug-Haus. Dort wird die Manifest-Rolle enthüllt. Ab 17 Uhr wird im Rathaus diskutiert.

Historische Unterstützung: Diese Söldner, die Burgundergarde der Michaeliter, kommt nach Bad Segeberg. Quelle: 54° / Felix König

Segebergs Freiheitskämpfer erstmals dabei

Vier Gruppen haben fest zugesagt. Darunter das Hansevolk zu Lübeck, die Frühneuzeitliche Wachtruppe der „Michaeliter“ mit Musketen, Hieb- und Stichwaffen, die Mittelalter-Gruppe „Nomi Lagem“ aus Bad Oldesloe sowie erstmals die „Segeberger Schnapphähne“. Das waren Segeberger Freiheitskämpfer, die am Ende des Dreißigjährigen Krieges gegen die Schweden aufbegehrten. „Leider nur nicht so gut vermarktet wie Robin Hood“, merkt Mitinitiator Asmus Hintz an. Laut den Veranstaltern haben sich zudem etliche Einzelpersonen und Privatinitiativen für den Umzug angemeldet. Allen voran werden Dudelsackspieler die Menge anführen. „Das wird man bis auf den Kalkberg hören“, sagt Hinrichsen.

Banner bleibt hängen

Ab 17 Uhr wird die „Initiative Zukunft“, bestehend aus Hintz, Hinrichsen und Bürgervorsteherin Monika Saggau, im Bürgersaal des Rathauses das Projekt eines kulturhistorischen Vollzeitmuseums vorstellen. Gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Daran beteiligt sind Kreispräsident Claus-Peter Dieck, der Grünen-Chef im Kreistag Arne Hansen, Nils Hinrichsen, Marlis Stagat (Vorsitzende des Gewerbevereins Wir für Segeberg), Wolfgang Tödt (Vorsitzender des Bauausschusses von Bad Segeberg), Magnus Wittern (Vorsitzender des SPD-Ortsvereins) sowie Manfred Quaatz (Vorsitzender der Volkshochschule und des Freundeskreises Segeberger Bürgerhaus). Das Manifest mit den zentralen Forderungen soll am Höhlenkrug-Gebäude hängen bleiben.

Die Initiative

Die „Initiative Zukunft“ ist im Sommer 2018 gegründet worden. Sie setzt sich dafür ein, dass ein Segeberger Kreis- und Stadtmuseum in einem Gebäude mit genug Platz und historischer Relevanz entsteht. Ihr Name soll Programm sein. „Betont wird die ,Zukunft’, obwohl wir uns um die Vergangenheit kümmern wollen. Denn ohne die wissen wir nicht, wo es in Zukunft hingeht. Das hat schon Humboldt formuliert“, meint Hintz. „Für mich als Historiker ist das so selbstverständlich, dass ich vergesse, dass man das erklären muss“, schmunzelt Hinrichsen.

Thema für mehrere Jahre

Das Programm halten die Macher für angemessen: „Es soll ein großer Aufschlag sein für ein Thema, das uns in den nächsten Jahren begleiten wird“, sagt Asmus Hintz. Um die Organisation auf breitere Füße zu stellen, wollen die drei Initiatoren im kommenden Jahr einen Verein gründen. Der Förderverein zur Entwicklung eines Kreis- und Stadtmuseums in Segeberg soll „Strukturen schaffen, damit viele bei der Ausgestaltung mitwirken und Mittel eingeworben werden können“, sagt Bürgervorsteherin Monika Saggau. „Alleine können wir das auf Dauer nicht stemmen.“

Die Initiative Zukunft stellt dar, wie es in den Kreisen in Schleswig-Holstein bestellt ist: Überall gibt es Kreismuseen, nur in Segeberg nicht. Quelle: Nils Hinrichsen

Interesse gebe es schon. „Viele sind inzwischen über das Vorhaben informiert, einige infiziert“, sagt Hintz. „Manche haben auch Pickel bekommen“, witzelt Saggau. „Einige sehen erst mal nur, was nicht geht. Dann keimt vielleicht doch die Frage, ob ich das für meine Nachkommen möchte. Was in dem Manifest steht, das sind alles Dinge, die wir hier haben wollen.“ Es gebe nur eine Handvoll kleiner Museen im Kreis Segeberg. „Ohne die Norderstedter Museen sind das ehrenamtlich geführte Bürgerstuben“, sagt Hinrichsen. Kleine Einrichtungen also, die aber zeigen, „dass die Menschen etwas über die Vergangenheit wissen und bewahren wollen“, sagt Monika Saggau. „Das zu bündeln heißt, dass zum Tragen kommt, was die Menschen wollen.“

„Ein touristisches Konzept würde die Altstadt extrem beleben. Ein Museum würde sie von einer Parkfläche zum historischen Ort mutieren lassen“, sagt Hinrichsen. Damit würde der Vergangenheit Rechnung getragen werden: „Die Altstadt ist die eigentlich Stadt Segeberg“, so der Museumsleiter. „Früher wurde auf dem Kalkberg Politik gemacht. Es gibt eine unglaublich reiche Geschichte in Segeberg, nur keiner kennt sie.“ So liege beispielsweise das virtuelle 3-D-Stadtmodell von Segeberg um 1600 seit einem Jahr brach. Dafür ist einfach kein Platz. „Wir könnten es längst vermarkten, die Besuchergruppen längst hier sein.“ In der Größe sei es in Europa einzigartig.

Irene Burow

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