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Segeberg „Für Bad Segeberg ist das eine Katastrophe“
Lokales Segeberg „Für Bad Segeberg ist das eine Katastrophe“
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20:00 25.10.2018
Langer Stau A 20 auf der A 20 vor Bad Segeberg. Vor allem in den Sommermonaten wird das noch für weitere Jahre ein gewohntes Bild bleiben. Quelle: KULLACK
Bad Segeberg

Kein Handschlag wird innerhalb der kommenden zwei Jahre an der A 20 getan, die insbesondere für die Kreisstadt Bad Segeberg so wichtige Südumgehung dürfte sogar noch deutlich länger auf sich warten lassen. Von einer Fertigstellung der Autobahn erst 2030 ist inzwischen die Rede. Das musste Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) entgegen anderslautender Wahlversprechen jetzt zähneknirschend einräumend. In und um Bad Segeberg ist man angesichts dieser Aussichten deshalb alles andere als begeistert.

„Dass sich der Ausbau nun um mehr als zehn Jahre verschiebt ist ärgerlich – für den Kreis und im Speziellen natürlich für die Kommunen, die an die Trasse angebunden werden wollen“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. Wirtschaft, Gewerbe, Tourismus – all diese Bereiche würden von einer Anbindung an die A 20 infrastrukturell profitieren und müssten sich nun viele weitere Jahre in Geduld üben.

Das fällt vielen schwer, insbesondere den Spediteuren. „Jeder Tag, an dem die A 20 fehlt, kostet uns bares Geld“, sagt zum Beispiel Matthias Möller, Inhaber der Spedition Hans Möller in Fahrenkrug. Das Problem: Jeden Tag müssen gut 20 seiner 34 Fahrzeuge am Nadelöhr Hamburg vorbei oder hindurch. „Und da ist immer irgendwo Stau. Wenn jeder Lkw am Tag dadurch also eine halbe Stunde verliert – und das ist sogar niedrig angesetzt – verlieren wird dadurch pro Tag zehn Stunden“, rechnet Möller vor. Und dabei werde es nicht bleiben, sondern sich in den kommenden Jahren eher noch verschlimmern. Der Speditionsmark wachse weiter, die Zahl der Lkw auf den Straßen ebenso. Um die Lage zu entschärfen, könne die A 20 deshalb gar nicht schnell genug gebaut werden. „Mich persönlich nervt es zwar, weil die Trasse dann nur 600 Meter von meinem Haus entlang führt“, räumt Möller ein. Aus wirtschaftlicher Sicht nehme er diesen Umstand aber gern in Kauf.

„Dass es für das produzierenden Gewerbe in Schleswig-Holstein eine Katastrophe ist, dass wir jetzt noch viele Jahre auf die A 20 warten müssen, ist gar keine Frage“, sagt auch der Daldorfer Holzunternehmer Bernd Jorkisch. Auch ein großer Teil seiner Waren würden täglich Richtung Süden und damit durch das Nadelöhr Hamburg transportiert. Anders als zum Beispiel SPD-Fraktionschef Ralf Stegner, der Günther am Mittwoch „Wählertäuschung“ vorgeworfen hatte, nimmt Jorkisch den Ministerpräsidenten in Schutz: „Ich habe Respekt davor, dass Daniel Günther die Verzögerungen jetzt so offen einräumt.“ Die neue Landesregierung sei damals von anderen Voraussetzungen ausgegangen, viele Probleme beim A-20-Weiterbau seien vor der Wahl so nicht zu erkennen gewesen. Die Verantwortung dafür trage aus Sicht von Jorkisch vor allem die SPD-geführte Vorgängerregierung, „die sich zwar öffentlich immer zum Weiterbau bekannt, beim tatsächlichen Handeln aber wohl nicht die nötige Priorität eingeräumt hat“.

Hier ist vorläufig Ende: Kurz vor Bad Segeberg mündet die A 20 in die B 206 – und die führt mitten durch die Stadt hindurch. Quelle: GLOMBIK

Zu einer ähnlichen Bewertung kommt auch Stefan Lüders vom Naturschutzbund (Nabu) in Bad Segeberg. Die Dinge, die aus Naturschutzsicht insbesondere im Hinblick auf die Flugrouten der Fledermäuse bei Bad Segeberg zu beachten sind, seien eigentlich immer „glasklar“ gewesen. Hätte der Landesbetrieb Straßenbau- und Verkehr beziehungsweise das ihm übergeordnete Verkehrsministerium unter dem damaligen Minister Reinhard Meyer (SPD) dem mehr Beachtung geschenkt, gäbe es viele Probleme jetzt nicht. Lüders betont, dass der Nabu nicht angetreten sei, die A 20 zu verhindern. „Wir wollen nur eine naturverträgliche Autobahn.“ Mit der Bundesplanungsgesellschaft Deges scheine jetzt auch die notwendige Professionalität Einzug gehalten zu haben, um die Planungen zu einem für alle Seiten guten Abschluss zu führen.

Es werde Zeit jetzt „endlich mal einen Haken unter die Planung zu setzen“, fordert auch Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD). Immerhin sei es inzwischen 22 Jahre her, dass der damalige Kieler Verkehrsminister Peer Steinbrück die Entwürfe vorgestellt habe. „Machen wir uns nichts vor: Für eine Kleinstadt wie Bad Segeberg ist es eine Katastrophe, wenn eine Quasi-Autobahn mitten durch die Stadt führt“, sagt Schönfeld. Leider könne die Stadt daran nichts ändern, die Dinge auch nicht beschleunigen. „Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als es noch ein paar weitere Jahre zu ertragen.“

Oliver Vogt

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