Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Segeberger trennen zu wenig Müll - höhere Gebühren
Lokales Segeberg Segeberger trennen zu wenig Müll - höhere Gebühren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 26.10.2012
Segeberg

Die Segeberger Haushalte werfen immer noch zu viel organisches Material in die Restabfallbehälter statt es zu kompostieren oder in den braunen Biotonnen separat und gut wiederverwertbar zu entsorgen. Das bereitet dem Wege-Zweckverband (WZV) große finanzielle Probleme. Denn die Entsorgung des derart vermischten Mülls ist ungleich teurer, als die von sauber getrennten Abfällen. Darunter müssen alle Haushalte aller Wahrscheinlichkeit ab Januar nächsten Jahres leiden. Denn dann werden die Gebühren erhöht. Im Durchschnitt dürfte der Anstieg bei zehn Prozent liegen.

De facto sind die

Würfel schon gefallen

Zwar entscheidet darüber die Zweckverbandsversammlung auf ihrer Dezembersitzung, nachdem der WZV-Beirat dies befürwortet hat. Er tagt am Dienstag. Doch de facto sind die Würfel gestern bereits gefallen. Denn da haben die WZV’ler im Beisein der Presse eine Tonnenanalyse vorgenommen, die schlecht ausgefallen ist. „Herr Hövel, Ihr großer Auftritt“, gab WZV-Sprecherin Bettina Kramer das Kommando: Und schon setzte der Müllwagenfahrer die Entleerung seines Fahrzeuges in der Sortierhalle in Gang. Langsam rutschte die stinkende Masse aus dem Bauch des Lkw. „Sieht doch gar nicht so schlecht aus, Herr Kretschmer, oder?“, fragte ein unbedarfter Beobachter. Doch der WZV-Vorsteher strahlte nicht, blieb ernst. Der Profi weiß, wo der „Müllsünder“ die unerlaubten Dinge in der Tonne versteckt: in Plastiktüten. Routiniert nahm er eine Forke und stach in die Tüten. Tatsächlich: Rasenschnitt, Blätter, Blumen- und vor allem Lebensmittelreste quollen hervor; erstaunlich, was Leute in der Restmülltonne verbuddeln, statt es in die Biotonne zu geben.

Zwei Tonnen Müll lagen gestern in der Halle – aus 105 Haushalten mit der Gelbdeckeltonne. Das darf als repräsentativer Querschnitt gelten. Jens Kretschmer und sein oberster „Entsorger“ Torsten Höppner schätzen, dass etwa 40 Prozent des Mülls aus organischem Material bestanden. Und das ist viel zu viel. Dass in den Restabfallbehältern auch gar nicht so wenig Elektroschrott und andere Dinge gefunden wurden, die separat entsorgt werden müssen, trübte die Bilanz zusätzlich. Dabei hatte sich der WZV wirklich bemüht, die Gebührenerhöhung zu vermeiden. Im Mai hatten zehn Studenten akribisch den Abfall untersucht und gecheckt, was korrekt und was unkorrekt entsorgt wurde. Daraus wurden Rückschlüsse gezogen. Um mehr Haushalte zu ermuntern, organischen Abfall nicht in die Restmülltonne zu werfen, wurden ihnen kostenlos größere Biotonnen angeboten. 13 000 Haushalte haben davon Gebrauch gemacht. Und den 17 000 Besitzern von Gelbdeckeltonnen (als angebliche Selbstkompostierer ohne Biotonne müssen sie weniger Gebühren zahlen) wurde ein kostenloser Test der Biotonne angeboten – wovon 1800 Gebrauch machten. Das „BioPlus“ genannte System soll noch weiter ausgebaut werden.

Doch das alles gibt nur dann einen Sinn, wenn dann auch tatsächlich weniger organischer Müll im Restabfallbehälter entsorgt wird. Warum, das machte Kretschmer an einem simplen Beispiel deutlich: „Die heute hier ausgekippten zwei Tonnen Abfall müssen wir für 250 Euro in der Müllverbrennungsanlage entsorgen. Würde der rund 40-prozentige Bioabfallanteil jedoch separat entsorgt, würde uns das 60 Euro weniger kosten.“ Auf jährlich 35 000 Tonnen hochgerechnet, kommt dabei ein großer Batzen Geld zusammen. Von jedem Euro, der gespart würde, würden die Gebührenzahler profitieren.

Im vergangenen Jahr habe der WZV mit der Abfallentsorgung ein Defizit von einer Million Euro eingefahren, berichtete der Vorsteher. Das habe der WZV durch gute Erlöse bei der Altpapierverwertung ausgleichen können. Doch die Papierpreise seien im Keller, das Defizit auszugleichen dürfte nur noch über eine Gebührenerhöhung funktionieren. Wie hoch wird die ausfallen? Die Kalkulation liege zwar schon in der Schublade, sei aber noch nicht beschlossen.

Kretschmer geht davon aus, dass die Erhöhung kommt. Und dass über kurz oder lang jeder Haushalt eine Biotonne haben (und bezahlen) muss, ob er will oder nicht. Weitergehende Abfalltrennung durch Zwang? Anscheinend geht es nicht anders.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nein, er habe es nicht eilig gehabt, erklärte G. (29) gestern vor dem Amtsgericht Bad Segeberg. Doch, der Fahrer eines weißen Sprinters habe immer wieder hinter seinem Sattelzug hervorgelugt, um zu überholen. So sagte es ein Lkw-Fahrer als Zeuge.

26.10.2012

Herrenmühle – So eine romantische Natursteinbrücke gibt es kreisweit nirgends. Doch bald ist Schluss mit der Postkartenansicht bei Herrenmühle. Geplant ist noch in diesem Winter die Stabilisierung der alten Brücke mit nüchternem Stahlkorsett oder Holzstützen.

25.10.2012

Platzt der Vergewaltigungs-Prozess gegen einen ehemaligen Rocker-Anführer in Kiel? Die Verteidigung des Hells Angels hält einen der Schöffen für befangen. Auch der zweite Rocker-Prozess währte nur kurz: die Angeklagten erschienen nicht.

07.01.2013