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Segeberg Segeberger verkaufte 161 Mal „Gras“ — auch an Minderjährige
Lokales Segeberg Segeberger verkaufte 161 Mal „Gras“ — auch an Minderjährige
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21:18 24.02.2016
Bad Segeberg Der Vorwurf wog schwer: 161-facher gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln, davon 63 Mal an Minderjährige zwischen September 2012 und dem 31. Januar 2014. Es war dieser Tag, an dem Marcel P. (Name geändert) aufgeflogen war. „Um 18 Uhr klingelte es, und da stand die Polizei vor der Tür“, schilderte der heute 24-jährige Segeberger gestern vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg, wo er sich für seine Taten verantworten musste. 113 Gramm Marihuana beschlagnahmten die Beamten in seinem Zimmer im Elternhaus. Plus Digitalwaage, Zip- lockbeutel und Bargeld. Dazu kommen 300 Seiten Telefonprotokolle der Polizei. Die Beweislast war erdrückend.

„Eine Gesamtfreiheitstrafe von nicht weniger als drei Jahren ist angemessen.“

Dr. Barbara Semleit, Staatsanwältin

„Es ist Ihre erste Freiheitsstrafe. Wir haben alle sechs Augen zugedrückt.“

Vorsitzende Richterin Sabine Roggendorf

Aus dem

Amts-

gericht

Auch deshalb zeigte sich P. geständig. Mit 19 oder 20 Jahren, so P., habe er das erste Mal gekifft. Über „falsche Freunde“ sei er an das Marihuana gekommen, dessen stetiger Konsum nicht nur immer teurer wurde, sondern P. auch die Ausbildung zum Lageristen gekostet habe. Zur Finanzierung seiner Sucht habe er dann angefangen, das Gras zu verkaufen. „Ich habe nie den großen Reibach gemacht.“ Es sei darum gegangen, für die Drogen nichts mehr zahlen zu müssen.

Dass unter seinen Kunden — vier waren als Zeugen geladen — auch Minderjährige waren, habe er nicht gewusst, sagte P. auf mehrfache Nachfrage. Eine Behauptung, die nicht zu halten war, als die vier Zeugen in den Saal gerufen wurden. Obwohl inzwischen alle mindestens 18 Jahre alt sind, habe man sie doch eher fragen wollen, was sie sich zur Konfirmation wünschten, kommentierte sogar Verteidiger Volker Sprick. Woraufhin P. einräumte, sich keine Gedanken über das Alter seiner Kunden und etwaige Konsequenzen gemacht zu haben.

Gegen die vier Zeugen wurde oder wird gesondert ermittelt, weshalb zwei von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten. Die anderen beiden bestätigten die Vorwürfe. Teilweise seien sie regelmäßig bei P. gewesen, um Marihuana zu kaufen: Mengen zwischen 0,5 und zwei Gramm à zehn Euro das Gramm. Den Stoff habe er in Henstedt-Ulzburg besorgt, sagte P. aus. An seine „Hintermänner“ könne er sich aber nicht mehr erinnern — das allerdings wollte ihm das Gericht offensichtlich nicht abnehmen. Trotzdem drückten laut Vorsitzender Richterin Sabine Roggendorf sie und ihre beiden Schöffen „alle sechs Augen zu“, verurteilten P. zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Staatsanwältin Dr. Barbara Semleit hatte zuvor „nicht weniger als drei Jahre“ gefordert. Dabei ging sie bereits von minderschweren Fällen aus, setzte für die Verkäufe an die unter 18-Jährigen jeweils fünf Monate Freiheitsstrafe und bei den 98 Verkäufen an den volljährigen Zeugen 120 Tagessätze pro Vergehen an. Plus zehn Monate für den Besitz. Das wären zusammen 717

Monate Freiheitsstrafe, übersetzte Richterin Roggendorf dem Angeklagten. Das Gericht ließ Milde walten — P. sei geständig, außerdem absolviere er seit einem Jahr ein Programmierstudium und helfe dem schwerkranken Vater zu Hause. Vor dem Hintergrund, dass die Drogenmenge bei P. im Vergleich zu Plantagenbetreibern eher gering sei, sei dies noch vertretbar. Der reine Wirkstoff THC im beschlagnahmten Marihuana lag zudem nur knapp über der Grenze der „geringfügigen Menge“ von 7,5 Gramm.

Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Außerdem muss P. 400 Arbeitsstunden leisten und fünf Mal zur Suchtberatung — er konsumiert nämlich immer noch. P.: „Aber nur am Wochenende.“

Nadine Materne

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