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Segebergs Adelsexperte packt die Sachen

Bad Segeberg Segebergs Adelsexperte packt die Sachen

Jürgen Worlitz verlässt die Stadt, ihn zieht es an die Ostseeküste – Dem Promi-Klatsch will er weiter treu bleiben.

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Bad Segebergs Adelsexperte Jürgen Worlitz (67) zieht fort an die Küste – derzeit befindet er sich im Umzugsstress.

Quelle: Hiltrop

Bad Segeberg. „Ich bin kein Haustyp. Wollte nie eines haben.“ Mit einer freundlichen Geste bittet Jürgen Worlitz in sein Haus. Ein Flachdachbungalow mitten in Bad Segeberg gelegen. Es sieht nach Umzug aus. Nach 35 Jahren kehrt der Journalist, Buchautor und gelegentliche Adelstitel-Vermittler der Stadt den Rücken.

LN-Bild

Jürgen Worlitz verlässt die Stadt, ihn zieht es an die Ostseeküste – Dem Promi-Klatsch will er weiter treu bleiben.

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Der 67-Jährige lotst den Besucher zwischen vollen Umzugskartons hindurch. Umschifft dabei Stapel von Büchern, Fotos und Zeitungen. Draußen vor dem Fenster sprießt der Rasen wie wild, Blumen:

Fehlanzeige. „Ich bin kein Gartentyp. Wollte nie einen haben. Ich grille nicht, ich mache keinen Krach – die Nachbarn lieben mich sicher dafür.“

Ganze Gebirge aus Bedrucktem haben die Oberhand über Boden, Tische und Fensterbänke gewonnen. Türmen sich buchstäblich schwarz auf weiß. Darunter etliche Zeitschriften, die auch beim Friseur rumliegen oder einem die Zeit im Wartezimmer eines Arztes verkürzen. Titel mit dem Konterfei von A-,B- oder C-Promis – und gekrönten Häuptern. Manchem Betrachter käme der Ausdruck Altpapier unweigerlich in den Sinn. Für andere, zu denen auch Jürgen Worlitz zählt, ist es ein gigantisches Archiv. Darunter zahlreiche Tageszeitungen, die es heute gar nicht mehr gibt. Sehr gut möglich, dass sie irgendwann zeitgeschichtliche Raritäten sind. „Inklusive Keller, 300 Quadratmeter Depotfläche“, wirft der Herr des Hauses mit einer ausladenden Geste ein. „Demnächst werde ich mich dramatisch auf fast 100 Quadratmeter verkleinern.“

Die Welt der Von und Zus, die der Majestäten, solcher, die es gerne wären, und der Blaublüter dazwischen, das ist die Welt von Jürgen Worlitz. Kein Norddeutscher kennt sich besser in Adelskreisen aus als er. Egal über welches Königshaus oder aus welchem Palast es etwas zu vermelden gibt, Jürgen Worlitz verpackt es in zuhörer- und lesergerechte Happen: Geburten oder Geburtstage, Sterbefälle, Skandale oder Hochzeiten. Hohenzollern oder Windsors, derer von Sachsen oder Schwedens Sylvia. Der Bad Segeberger war etliche Male Gast im Thailändischen Königshaus, hat mit den Größen der Welt an einem Tisch gesessen, mit Österreichs letzter Kaiserin Zita Klönschnack gehalten, den letzten König von Bulgarien erlebt und lässt die Bürger seit Jahrzehnten via Fernsehen, Radio, Zeitschrift, Zeitung daran teilhaben. In so gut wie jedem Deutschen Wohnzimmer hat man dem freundlichen Plauderton des Herrn mit der zauseligen Kraushaar-Kränzchen-Frisur und dem Vollbart zugehört.

Damit ist er selbst zur Berühmtheit geworden.

„Yellow-Press, das ist ein System, das auf Geben und Nehmen beruht. Ich liebe diese blödsinnigen Geschichten“, sagt Worlitz. Er mache eben Unterhaltungsjournalismus. Der müsse jedoch, wie die Scherze eines Clowns, gut gemacht sein. „Wir haben auf der Welt verflucht ernste Probleme. Die Leute haben ein Recht auf Unterhaltung. Das es hinterher wie Trallala aussieht, ist etwas anderes.“ Drei Dinge beherzige er jedoch dabei immer: „Ich rede mit den Leuten, wie ich denke, dass sie angesprochen werden sollten. Ich sehe nicht aus, als käme ich gerade vom Angeln, und Zuverlässigkeit ist sehr wichtig.“

So mancher dürfte dabei seinem ersten Eindruck eines leicht zerstreuten Professors auf den Leim gehen. „Ah, verstehe, so wie Colombo, wenn er zurückkommt und sagt: ,Ich habe da noch ne Frage’“.

Worlitz grinst spitzbübisch. Der vergleich mit der Fernseh-Kultfigur aus den 1970ern hinkt keinesfalls.

Nicht nur im Job, auch im Privaten kann man mit ihm rechnen. So hütet er seit Jahrzehnten den Nachlass von Helga Feddersen, der einstigen Hamburger Schauspielerin, Ulknudel und Blödelmusikantin. „Ich kann das doch nicht alles wegschmeißen.“ Außerdem mache es ihm Spaß, in Vorträgen die Erinnerung an sie ein bisschen wach zu halten. Einem syrischen Jungen hilft er regelmäßig bei den Hausaufgaben, und er gehört der Bad Segeberger Montagsrunde „Dialog Deutsch“ an. „Das ist mir jetzt peinlich, denn es ist nur ein ganz kleiner Beitrag. Ich will dem System eine Chance geben, weiter nichts.“

Außerdem sei beides ein guter Grund, lose mit der Karl-May-Stadt verbunden zu bleiben, betont der Mann, der neben alledem auch noch eine High- School-Vermittlungsagentur für Neuseeland mit einem seiner Söhne betreibt – der Witwer hat drei Kinder aus zwei Beziehungen.

Eine große Liebe hege er zu Windjammern. Kein Wunder also, dass es den gebürtigen Kieler zurück an die Küste zieht. Mittendrin, leben zwischen Fischkuttern, Fischbuden. In ein schwarzes Loch werde er nicht fallen, ist sich Jürgen Worlitz über den anvisierten Fast-Ruhestand an der Ostsee sicher. Man brauche einen Plan im Leben. „Ob er aufgeht, wird sich zeigen.“

Das Pseudowissen eines Journalisten pflegen, bereite ihm einfach zu viel Vergnügen. „Jetzt besuche ich meine Adeligen privat.“ Für das Fernsehen werde er gelegentlich etwas machen und eine Vortrags-Tour durch Seniorenresidenzen ist geplant. Natürlich zum Thema Adelshäuser. Um die Augen von Jürgen Worlitz bilden sich verräterisch Lachfältchen: „Die Klatschpresse nehme ich dabei natürlich auch ein bisschen auseinander.“

Heike Hiltrop

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