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Segeberg Segebergs Schützenbrüder im Fokus
Lokales Segeberg Segebergs Schützenbrüder im Fokus
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13:41 08.11.2018
Dieter Abel von der Schützengilde erklärt die Sicherheitsvorkehrungen am Schießstand mit dem Kugelfang. Quelle: GLOMBIK
Bad Segeberg

Große Unruhe bei der Segeberger Stadtvogelschützengilde, die in zwei Jahren stolze 425 Jahre alt wird: Was über Jahrhunderte ehernes Gesetz war, gerät scheinbar ins Wanken. Will die Stadt das Schießen auf dem Schießstand und vor allem das Kleinkaliber-Zielen auf den hölzernen Vogel einschränken?

Die Gerüchteküche brodelt. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld – er ist selber Schützenbruder – weist das auf Nachfrage zurück. „Gegen die Gilde kann nicht entschieden werden.“ Zwar gebe es den Wunsch von Grundeigentümern, im Umfeld der Gilde an Bauwillige zu verkaufen, aber diese habe für ihre Anlage „eine unbefristete Baugenehmigung und damit eine gute Rechtsposition“.

Es werde jetzt erst einmal das Gespräch mit der Schützengilde gesucht.

Gilde will sich nicht verdrängen lassen

Niemand könne sie verdrängen. Auch wenn „ein tolles Angebot vorliegen würde“, kann sich Schönfeld nicht vorstellen, dass die Gilde ins Gewerbegebiet ziehen würde. „Das wäre auch nicht gut.“ Neu im Fokus der Stadtvertreter, die darüber in nichtöffentlicher Sitzung der Stadtvertretung berieten, ist jetzt das Schießen auf den Vogel.

In der Freiluftveranstaltung im Frühsommer, bei der alljährlich im fröhlichen Rahmen der Schützenkönig ausgeschossen wird, wird neuerdings eine Gefahr gesehen. Ein neues Wohngebiet nahe am Schützengelände könnte durch eine verirrte Bleikugel, die den hölzernen Vogel verfehlt, in höchste Gefahr geraten, so die Befürchtungen. Zumal die Geschosse offenbar über zwei Kilometer weit fliegen können.

Ist das Schießen für Anlieger zu gefährlich?

Schönfeld wollte dazu nichts sagen, er verwies auf baldige Gespräche mit dem Vorstand der Schützengilde. Ist das Schießen auf den Vogel für unbeteiligte Anlieger gefährlich? Ein klares Nein von Dieter Abel, dem Ersten Ältermann der Gilde.

Vor Ort zeigt er den LN, wie es funktioniert: Der hölzerne Vogel mit dem stahlverstärkten Kugelfang, einem großen Kasten, wird an einem Stahlmast hochgezogen. Das Gewehr wird am Schießstand fest mit etwas Spiel eingespannt. Abel: „Es gibt keine Möglichkeit, neben den Kugelfang zu schießen.“

Die Konstruktion werde regelmäßig von Sachverständigen einer Prüfung unterzogen. Bis zu 3500 Schuss werden pro Vogelschießen von den Schützenbrüdern unter strenger Aufsicht abgegeben. Niemand könne einfach am Kugelfang vorbeiballern und andere gefährden.

Auch der Schießstand für den regelmäßigen Schießsport sei absolut sicher, betont Abel. Hier sorgen allerdings die Geräusch-Emissionen aus der 100 Meter langen Anlage für eine Beschränkung möglicher Baugebiete.

Schallschutzgutachten erstellt

Eine Gutachterin prüfte die Lärmauswirkungen penibel. Abel: „Wir mussten bei verschiedenen Windverhältnissen jeweils an die 100 Schuss abgeben, damit eine korrekte Messung von ihr erfolgen konnte.“

Über Ergebnisse des Schallschutzgutachtens sei ihm aber noch nichts bekannt. Neue Wohnbebauung müsse ohnehin größeren Abstand zum Schießstand einhalten. Denkbar ist es, den 100 Meter langen Schießstand einzuhausen, um die Geräuschentwicklung zu minimieren – so ein Vorschlag, um mehr Wohnbebauung dichter bei den Schützenbrüdern zuzulassen.

Das sei in seiner früheren Bürgermeister-Wirkungsstätte, in Gettorf, „ein großer Erfolg“ gewesen, erzählte Schönfeld den LN. Da er sich nicht vorstellen könne, dass die Gilde selber die Einhausung des Schießstandes finanzieren würde, müsste das sicher derjenige tun, der einen Vorteil davon habe. Er sei sich sicher, dass hier das „verträgliche Nebeneinander von Gilde und Wohnbebauung“ gelinge.

Tatsächlich ist die Gilde eine Macht: So hat die UNESCO das deutsche Schützenwesen in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen.

Wolfgang Glombik

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