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21:14 15.07.2017

Fünf Stelen mit einem Muster überzogen; Erhebungen, Furchen, die wie Moosgummi wirken. Wer direkt vor der Skulptur „Alte Welt – Neue Welt“ von Klaus Kammerichs am Ende der Backofenwiese steht, dem erschließt sich nicht das gesamte Kunstwerk. Die Stelen einzeln betrachtet, erinnern an Totempfähle oder amerikanische Wolkenkratzer. Erst wer in Richtung Großer Segeberger See läuft und einen Blick zurückwirft, erkennt, dass die fünf Betonstelen einen Indianerkopf bilden. „Es ist das Porträt von He Dog, dem Häuptling der Oglala-Lakota-Sioux“, sagt Helmut Schiffler.

Seit einem Jahr macht der Bad Bramstedter mit bei der Internetseite KUNST@SH, einer Art Skulpturenkataster. Er kümmert sich um den Kreis Segeberg und unterstützt damit den Initiator des Skulpturen-Online-Kataloges Jan Petersen. 120 Skulpturen sind bisher im Kreis erfasst.

Schiffler ist Banker gewesen. 2005 hat er mit seiner Frau Helga eine Galerie in Bad Soden am Taunus eröffnet. „Kunst und Kuchen“, denn schon damals hat ihn der Gedanke an Kunst für Jedermann umgetrieben. 100 Ausstellungen in zehn Jahren mit fünf bis 500 Besuchern pro Vernissage. Nicht nur namhafte Künstler stellten bei ihm aus, Schiffler initiierte ein Projekt mit historischen Künstlern aus Bad Soden ebenso wie Ausstellungen mit Hobbykünstlern. 2015 zog das Ehepaar mit seiner Galerie nach Bad Bramstedt. Auf einer Ausstellung im Kieler Kulturbunker traf Schiffler auf Jan Petersen und kam mit ihm ins Gespräch. „Ich war so begeistert, wollte etwas gemeinsam mit ihm machen. Da bot sich Kunst@SH an.“ Denn eine Qualität bringt der 1950 in Köln geborene Schiffler mit: Er hat Zeit.

Beim Recherchieren wird das Hauptproblem deutlich, wie findet man weitere Skulpturen? Er mailt Landräte, Bürgermeister, Archivare, Tourismusbüros und Kunstvereine an, sucht nach Werksverzeichnissen von Künstlern, lebende ruft er an. Ein weiteres Problem ist der öffentliche Zugang der Skulpturen und das rund um die Uhr. So scheiden Kirchen und Anlagen, die Eintritt verlangen, sowie einige „Kunst am Bau“-Werke aus. In Deutschland gilt die Panoramafreiheit, das heißt, dass urheberrechtlich geschützte Werke fotografiert werden dürfen, ohne die Erlaubnis des Urhebers einzuholen, wenn sie von öffentlichen Wegen fotografiert werden können. So scheiden Bildaufnahmen von Drohnen aus. Auch dürfen die Fotos nicht retuschiert werden.

Auf der Suche nach öffentlichen Kunstwerken in der Kreisstadt ist Schiffler auf den „Kaktus“ von Winnie Schaak aufmerksam geworden. „Der Kaktus stand vor der ehemaligen Evangelischen Akademie und ist jetzt weg, niemand weiß, wo er ist. Vielleicht steht er in einem Privatgarten.“ Dagegen sind die Stelen von Kammerich auf der Backofenwiese einfacher zu finden gewesen. „Ich bin der Vorweg-Fotograf, Petersen plant dann eine Reise durch Schleswig-Holstein.“

In dieser Größe ist diese Internet-Plattform einmalig für Deutschland. Sie gibt nicht nur Auskunft über Skulptur und deren Standort, sondern bietet auch Informationen zum Kunstwerk und zum Künstler.

Und so könnte man die Daten auch für Broschüren oder Bücher nutzen. Und warum die gesammelten Informationen nicht in einen Skulpturenpark fließen lassen und sogar ein Buch darüber machen? „Den Erlös würden wir in die Datenbank stecken, ein Wikipedianer wäre sehr hilfreich.“

Auch ein wenig zum Kunstverständnis wollen die beiden Herren mit ihrer Seite beitragen. „Kunst liegt im Auge des Betrachters. Für mich muss sie interessant sein, die Fantasie beflügeln und ein bisschen rätselhaft sein.“ So wie die Stelen von Kammerichs, den er nun kennengelernt und viel Interessantes über die Entstehung des Indianerkopfes erfahren hat.

Einen Einblick in Kunst@SH gibt es auch während der Segeberger Kulturtage, dann stellt Schiffler unter dem Motto „Luft nach oben“ in der Remise aus.

„Wikipedianer“ können sich an Helmut Schiffler wenden unter der Telefonnummer 041 92/8147903.

Silvie Domann

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