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Segeberg Serientäter gesteht 14 Überfälle
Lokales Segeberg Serientäter gesteht 14 Überfälle
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21:20 30.05.2016

Fast vier Wochen hielt der Horrortrip eines spielsüchtigen Tankstellenräubers an: Bei 14 Raubüberfällen in Norderstedt, Ahrensburg, Nahe, Hamburg, Lübeck, Dortmund, Stuttgart und Nürnberg erbeutete der stets mit einem Messer bewaffnete Serientäter mit der Sonnenbrille im November 2015 insgesamt mehr als 10000 Euro. Das Geld verspielte er anschließend im Casino. Seit gestern sitzt der „Kapuzenmann“ als Angeklagter vor dem Kieler Landgericht.

Das böse Erwachen für den 28-Jährigen, der im Auto eines Freundes von Hotel zu Hotel und von Spielhalle zu Spielhalle reiste, folgte kurz nach seinem letzten Tankstellenraub am 28. November vergangenen Jahres am „Alten Kirchenweg“ in Norderstedt. Bei einer Großfahndung stellte ihn die Polizei auf der Autobahn 7 in Richtung Hamburg. Seit er in der Hansestadt vor laufender Überwachungskamera mit dem Fahrzeug einen Tankbetrug beging, kannten die Ermittler nämlich sein Kennzeichen und veröffentlichten daraufhin Fahndungsfotos von ihm.

Nach seiner Festnahme durch die Polizeibeamten legte der im Kreis Segeberg aufgewachsene Mann sofort ein umfassendes Geständnis ab. Dies wollen seine Verteidiger gestern zum Prozessauftakt nun strafmildernd in die Waagschale werfen. Für eingeschränkte Steuerungsfähigkeit unter Drogen wird es nach vorläufiger Einschätzung einer Gerichtsmedizinerin allerdings nicht reichen. Obwohl der Angeklagte beteuert, vor jedem Überfall eine „Nase Kokain“ gezogen zu haben, um sich Mut zu machen.

Strafverschärfend dürfte sich auswirken, dass die martialischen Auftritte des großen, kräftigen Täters gleich zwei Leichtverletzte forderten: Am 10. November verletzte sich ein Mitarbeiter der Norderstedter Tankstelle an der Tangstedter Landstraße am Daumen, als er sich auf ein Gerangel mit dem Täter einließ. „Du bekommst gar nichts!“, hatte später eine beherzte Kassiererin in Stuttgart dem Maskierten zugerufen, ihn weggeschoben und in die acht Zentimeter lange Klinge seines Klappmessers gegriffen.

Der Angeklagte trainierte vor der Raubserie regelmäßig im Fitness-Center, verdiente als Kellner 2000 Euro netto im Monat. Und obwohl er eine feste Freundin hatte, lebte er aber immer noch zum Nulltarif im „Hotel Mama“. So konnte er tatsächlich jeden Monat sein ganzes Einkommen verschleudern. Als sich die Frau von ihm abwandte, lieh er sich ein Auto, packte die Koffer und riss aus.

Die nun folgende Raubserie durch halb Deutschland, die ihm wohl eine langjährige Haftstrafe einbringen wird, erlebte der Angeklagte nach eigener Darstellung als Trip durch einen dunklen Tunnel. Warum er sich „spontan“ zu den zahlreichen Taten hinreißen ließ, konnte er gestern nicht erklären. Dies könnte in Haft eine Therapie klären. Bisher hatte der Angeklagte alle drängenden Ratschläge von Mutter und Freundin, sich professionelle Hilfe zu suchen, in den Wind geschlagen: „Ich hab’ gedacht, dass ich das selber hinkriege.“

Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage vor dem Kieler Landgericht angesetzt. Weiter geht es am 6. Juni.

Thomas Geyer

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