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Segeberg Sexualstraftat von 1992 erst jetzt vor Gericht
Lokales Segeberg Sexualstraftat von 1992 erst jetzt vor Gericht
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20:12 09.11.2017
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Norderstedt

Dabei hatte Carsten F. (alle Namen geändert) mit seiner Vergangenheit eigentlich schon abgeschlossen. Mitte der Neunziger bis zur Mitte der 2000er Jahre kam der heute 48-Jährige immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, betrank sich, pöbelte, beleidigte, schlug zu, stahl, fuhr ohne Führerschein. Das Strafregister des Maschinenschlossers, das der Vorsitzende Richter Matthias Lohmann gestern während der Verhandlung gegen F. zu verlesen hatte, war durchaus umfangreich. Jedenfalls bis zur letzten Eintragung 2007. „Damals habe ich mal nachgedacht und entschieden, dass es so mit mir nicht weitergehen kann“, bekannte der Hüne mit dem kahlrasierten Schädel und den Tätowierungen an Hals und Nacken gestern vor Gericht. Mit dem Alkohol „ist es zwar noch immer manchmal schwierig“, sagte er.

Ansonsten aber lebt er solide zusammen mit seiner Verlobten und dem Stiefsohn, ist seit fast zwei Jahrzehnten beim selben Unternehmen beschäftigt, liest viel, interessiert sich für Politik und ist leidenschaftlicher HSV-Fan. Jetzt plant er seine Hochzeit, vielleicht noch ein eigenes Kind.

Das Problem mit der Vergangenheit ist allerdings, dass sie sich nicht darum schert, ob jemand mit ihr abgeschlossen hat. Deswegen sitzt Carsten F. jetzt erneut vor Gericht. „Der Angeklagte wird beschuldigt, Ende 1992 oder Anfang 1993 die damals 15 Jahre alte Corinna R. in dessen Wohnung zum außerehelichen Beischlaf genötigt zu haben“, zitiert der Staatsanwalt aus der Anklage. (Gemeint ist eine Vergewaltigung. In der zur Anwendung kommenden Fassung von 1987 erkannte das Strafgesetzbuch die Vergewaltigung in der Ehe noch nicht als Tatbestand an. Sie wurde erst 1997 strafbar.) Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, soll Corinna R., die Bekannte eines Freundes von F., damals von zu Hause ausgerissen und aus der Not heraus in der Wohnung von Carsten F. untergekommen sein.

Voll bekleidet habe sie auf der Couch des damals 22-Jährigen übernachten wollen. Mitten in der Nacht soll F. dann plötzlich neben ihr gestanden, die Jugendliche gepackt, ihr die Kleider vom Leib gerissen und sie trotz heftiger Gegenwehr vergewaltigt haben. Als es der 15-Jährigen gelungen war, sich loszureißen und ins Treppenhaus zu fliehen, habe F. sie zurück in seine Wohnung gezerrt.

Zur Sache selbst wollte sich Carsten F. gestern nicht äußern, gab über seinen Verteidiger lediglich eine kurze, schriftliche Erklärung ab: „Ich bestreite den Tatvorwurf und mache im Übrigen von meinem Schweigerecht Gebrauch.“

Was die heute 40 Jahre alte Corinna R. anschließend ausgesagt hat, blieb der Öffentlichkeit zunächst verborgen. Da sie zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergewaltigung minderjährig gewesen ist, wurde die Öffentlichkeit gemäß geltender Rechtslage während ihrer Aussage ausgeschlossen.

Eine der wesentlichen Fragen in diesem Prozess ist aber nicht nur, ob Carsten F. getan hat, was ihm vorgeworfen wird, sondern warum der Fall erst jetzt vor Gericht kommt. Wie die LN erfuhren, soll Corinna R. zwar schon damals gemeinsam mit ihren Eltern Anzeige gegen F. erstattet haben. Rätselhaft aber ist, was aus dem Verfahren wurde und warum es nie zu einem Prozess kam. Trotz intensiver Suche konnten weder Gericht noch Staatsanwaltschaft alte Unterlagen zu diesem Fall finden. Dass der Fall im Jahr 2017 wieder die Justiz beschäftigt, soll nach LN-Informationen aber damit zusammenhängen, dass Corinna R. ihren mutmaßlichen Peiniger 2013 durch Zufall wiedergesehen hat und daraufhin (erneut?) Anzeige erstattete.

Und auch wenn die angeklagte Tat 25 Jahre zurückliegt, verjährt ist sie nicht. Bei Sexualstraftaten dauert die Verjährungfrist bis zu 20 Jahre. Die Uhr beginnt zudem erst mit Vollendung des 18.

Lebensjahrs des Opfers zu ticken, in besonders schweren Fällen sogar erst ab dem 21. Lebensjahr.

Der Prozess vor dem Norderstedter Schöffengericht wird am 24. November fortgesetzt. Im Falle einer Verurteilung droht F. eine Haftstrafe von nicht unter einem Jahr.

Von Oliver Vogt

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