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Segeberg Sexuelle Übergriffe: „Weil es Fremde waren, ist es Thema“
Lokales Segeberg Sexuelle Übergriffe: „Weil es Fremde waren, ist es Thema“
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21:21 26.01.2016

Seit den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in einigen Großstädten stehen Straftaten von Flüchtlingen im Fokus. Da bringt die Polizeidirektion Segeberg auch eine Mitteilung zu einem Fahrraddiebstahl raus — der Täter: ein Asylbewerber. Neuester Fall: Ein Afghane, der im Bad Segeberger Hallenbad eine Elfjährige an den Po fasste (die LN berichteten). Im Internet werden Berichte dazu wüst kommentiert und Bestrafungen aus dem Mittelalter verlangt. Seit Silvester schon fordern Politiker zudem eine Verschärfung des Strafrechts. Es wird auch Zeit, finden Stephanie Böttcher und Barbara Eibelshäuser von der Bad Segeberger Frauenberatungsstelle „Frauenzimmer“. Der Grund für die Empörung sei bedauernswerter Weise aber die Herkunft der vermeintlichen Täter.

„Sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum hat es schon immer gegeben“, so Böttcher. Es habe nur niemanden interessiert. Der nun diskutierte Gesetzentwurf zur Reform des Sexualstrafrechts war eigentlich schon in der Schublade verschwunden. Die deutsche Justiz tue sich schwer, sexuelle Übergriffe zu ahnden. Das Fassen an den bekleideten Po sei derzeit lediglich eine Beleidigung. „In der Regel enden diese Taten straffrei.“ Daran werde auch der diskutierte Gesetzentwurf wohl nichts ändern, so die Frauenberaterinnen, die die Reformbemühungen zwar begrüßen, aber irritiert sind über die Beweggründe. „Weil die Täter Fremde waren, kann man plötzlich darüber reden“, so Böttcher. Es herrsche eine diffuse Angst, die Nachfrage nach Selbstbehauptungskursen steige, die Fälle von sexualisierter Gewalt im Kreis dagegen nicht. Das bestätigt auch Polizeisprecher Nico Möller. Die Zahlen belegen kein erhöhtes Aufkommen sexueller Straftaten. Es gebe aber eine erhöhte Wahrnehmung für das Thema. „Seit Silvester ist alles anders.“ Und Möller räumt ein: Wäre der Grapscher im Schwimmbad ein deutscher Jugendlicher gewesen, hätte es dazu wahrscheinlich keine Presseinformation gegeben.

nam

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