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„Showdown, wie es ihn noch nie gegeben hat“

Bad Segeberg „Showdown, wie es ihn noch nie gegeben hat“

Ute Thienel, Chefin der Karl-May-Spiele, spricht im LN-Interview über die abgelaufene Rekordsaison - und die Pläne für die Zukunft.

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Ute Thienel gewährt im LN-Interview Einblicke in die Karl-May-Spiele und spricht über die Zukunft.

Quelle: Oliver Vogt

Lübecker Nachrichten:  Saison beendet. Geht es jetzt in den Urlaub?
Ute Thienel: Noch nicht, jetzt wird noch abgebaut und abgerechnet, außerdem bin ich dabei, den Wirtschaftsplan aufzustellen. Es bleibt uns immer nur ganz kurze Zeit, um Investitionen und Instandhaltungen durchzuführen. Das bringe ich jetzt für die kommende Saison auf den Weg. Außerdem wird nun auch schon das künstlerische Leitungsteam für 2017 zusammengestellt. Aber in anderthalb Wochen, ja, dann gehe ich für zwei Wochen in den Urlaub.

LN: Abgesehen von der abgebrochenen Regen-Premiere schien es aus Sicht von außen eine recht problemlose Saison gewesen zu sein.
Thienel:  Im Team war eine unglaublich gute Stimmung, mit fröhlicher Leichtigkeit und absoluter Professionalität. Das Wetter hat es uns ein bisschen schwer gemacht – aber häufig war es dann doch nicht so schlecht wie angesagt. In eine Situation wie zur Premiere sind wir nicht mehr gekommen, insofern ist es eigentlich ganz gut durchgelaufen, ja.

LN: Und sogar mit einem neuen Besucherrekord. Woran lag’s?
Thienel:  Das ist sicher eine Mixtur aus vielen Dingen. In erster Linie bestimmt die Form der Inszenierung, die wir hier gefunden haben. Die gute Mischung aus spannenden Szenen, romantischen Momenten, Pferden, Adler, Feuerzauber, Mystik, dann mal wieder ein sehr nachdenklicher Monolog und eine gehörige Portion Humor – und das so geschrieben, das wir alle Altersgruppen ansprechen. Das ist sicher ein ganz wichtiges Moment.

LN: Und das neue Buchungssystem?
Thienel: Das hatte gewiss auch seinen Einfluss. Denn es ist ein ganz deutlicher Trend zum Vorverkauf zu erkennen. Unsere Gäste planen heute sehr genau, wann sie kommen und wo sie sitzen wollen. Das Wetter spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Zuschauer wissen, dass es mal ungemütlicher sein kann – und stellen sich darauf ein. 70 Prozent der Tickets werden inzwischen online verkauft, 20 Prozent über Telefon und nur noch zehn Prozent an Tagesgäste. Der spontane Gast, der sagt, jetzt ist das Wetter schön, jetzt gehe ich zu Karl May, der ist seltener geworden, deutlich seltener.

LN:  Liegen Sie denn auch bei den Eintrittspreisen noch richtig?
Thienel: Die Preisgestaltung gehört natürlich auch zum Erfolg eines Unternehmens. In erster Linie muss das Produkt gut sein, aber der Vertriebsweg und der Preis auch. Man kann bei uns für 50 Euro als vierköpfige Familie eine zweieinhalbstündige Show angucken – und das, glaube ich, findet man eher selten.

LN: Werden die Ticketpreise denn in Zukunft stabil bleiben?
Thienel:   In den vergangenen Jahren haben wir mal um 50 Cent oder einen Euro pro Ticket erhöht – und das kann auch in den kommenden Jahren so sein. Die Produktionskosten steigen, die Personalkosten steigen, das Publikum erwartet mehr bei Stunts und Effekten, das alles wird also teurer. Im Moment liegen wir für die teuerste Karte bei 27,50 Euro – und das sucht wirklich seinesgleichen. Aber bei einem Theater, das 7500 Menschen fasst, hat man auch die Möglichkeit, eine Veranstaltung, die 4,5 Millionen Euro kostet, traghaft zu machen. Wir sind ja in der guten Position, dass wir Gewinne erzielen und nicht um Zuschüsse bitten müssen und deshalb nicht dauernd in Frage gestellt werden. Wir verkaufen ein Produkt, das Spaß macht – und verdienen gleichzeitig Geld damit. Damit können wir investieren, instandhalten und auch neue Dinge bringen. Das ist eine klasse Sache.

LN: Kritisch könnte man anmerken, dass die Karl-May-Spiele nur eine Variation des immer Gleichen sind. Gibt es nicht mal den Wunsch, etwas Überraschendes, nicht Dagewesenes zu machen?
Thienel:  Also ich finde durchaus, dass wir überraschen. In jedem Jahr schon mit der Besetzung, mit dem Bühnenbild, in den Effekten, in den Stunts. Da sind wir immer dran an den Neuerungen, schauen uns auch andere Shows an. An den Schrauben, an denen wir drehen können, drehen wir auch. Aber es gibt auch Dinge, die einfach sein müssen. Wenn Winnetou bei seinem ersten Auftritt nicht zur Winnetou-Melodie durchs Publikum reitet, würden wir enttäuschen, das erwartet man einfach. Gleiches gilt für den Adler, der über das Publikum fliegt. Für viele Besucher ist das einfach Kult.

LN: Und mal ein anderes, noch nicht so oft aufgeführtes Stück?
Thienel: Natürlich bewegen wir uns in den Bahnen von einem guten Dutzend Karl-May-Abenteuern, die immer wieder gespielt werden. Ein Orientstück von Karl-May ist ja früher schon versucht worden. Aber ohne Winnetou und andere Zutaten funktioniert das einfach nicht, da sind wir tatsächlich ziemlich mainstream. Das ist aber, was der Gast erwartet. Und er vertraut uns auch, dass bestimmte Eckpunkte einfach da sind.

LN:  Der Erfolg gibt Ihnen ja Recht. Peilen Sie denn jetzt die 400000-Besucher-Marke an? Und wäre das bei 72 Vorstellungen pro Saison überhaupt möglich?
Thienel: Ja, das ginge. In der abgelaufenen Saison sind rund 188 000 Plätze frei geblieben, da ist also noch Luft. Aber das ist nicht das Hauptaugenmerk. Natürlich wollen wir jedes Jahr ein gutes Stück abliefern und freuen uns über hohe Besucherzahlen. Und wenn Rekorde dabei sind, ist es wirklich überwältigend. Wir befinden uns aber jetzt schon im oberen Bereich. Aber ob 400 000 Gäste wirklich möglich sind, weiß ich nicht.

LN:  Dieter Schönfeld hat sich bereits gegen eine Ausweitung der Spielzeit ausgesprochen. Sind Sie derselben Meinung?
Thienel:   Das sehe ich ebenso. Wir befinden uns in einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zu den Kalkberg-Anwohnern und haben in der Vergangenheit ein großes Vertrauen aufgebaut. Und dieses Vertrauen sollte man nicht aufs Spiel setzen. Und da wir – wie erwähnt – noch genügend freie Plätze haben, komme ich auch nicht auf die Idee, über eine Spielzeitverlängerung nachzudenken.

LN:  Mit den Kalkberg-Anwohnern gibt es angesichts der hohen Besucherzahlen keine Konflikte?
Thienel:  Nein. Wir treffen uns während der Saison mit allen Anwohnern und dann noch vor und nach der Saison mit der Interessengemeinschaft der Kalkberganlieger; da gibt es einen sehr guten Draht. Wenn irgendetwas nicht stimmt, können sie direkt zu uns kommen, und wir schreiten dann sofort ein.

LN: Also alles im grünen Bereich? In der Zukunft auf dem erreichten Niveau weitermachen, ohne große Experimente?
Thienel: Also wir experimentieren schon. Zum Beispiel im nächsten Jahr bei Old Surehand werden wir einen ganz neuen Showdown haben, wie es ihn noch nie hier in Bad Segeberg gegeben hat. Und dafür wird auch ein sehr augenfälliger Neubau nötig sein. Es wäre aber meines Erachtens nicht richtig, etwas, das so erfolgreich ist und so gut bei den Gästen ankommt – und immer noch weitere anzieht, fast 20 000 in diesem Jahr –, durch allzu große Experimente zu gefährden.

LN:  Können Sie schon Konkreteres zu Old Surehand 2017 sagen?
Thienel: Dass Jan Sosniok wieder den Winnetou spielt, aber das wissen Sie schon. Ansonsten fangen wir jetzt erst an. Wir müssen schauen, welche Rollen es gibt – und welche davon sich für eine Stargast-Besetzung eignen. Die Titelrolle gehört mit Sicherheit dazu. Aber wie die Konstellation am Ende aussehen wird, hängt jetzt noch von vielen Verhandlungen ab.

LN: Macht Ihnen der Ruf der Spiele die Suche nach Darstellern inzwischen leichter?
Thienel: Dadurch, dass in den vergangenen Jahren doch eine ganze Menge bekannte Schauspieler mitgemacht haben, ist unser Ruf auch unter den Darstellern und bei den Agenturen inzwischen ziemlich gut. Das öffnet auch Türen. Zudem ist es sicher auch nicht der schlechteste Punkt im Lebenslauf, mal bei den Karl-May-Spielen mitgemacht zu haben. Zum Beispiel hat Heino Ferch auf die Frage eines Journalisten, ob er nicht mal Lust habe, in Bad Segeberg mitzuspielen, mit „sag niemals nie“ geantwortet. Er habe schon von vielen Kollegen gehört, wie schön das ist. Zweifellos anstrengend – aber als Schauspieler bekommt man vom Publikum direkt auch eine Zuneigung, wie es sie beim Fernsehen nicht so gibt. Ich habe jedenfalls noch keinen erlebt, dem es am Ende nicht gefallen hat – selbst in verregneten Jahren.

LN: Heino Ferch also der nächste Old Surehand? Der wurde ja immer mal wieder mal gehandelt.
Thienel: Das wurde er. Wie viele andere Schauspieler auch, die jahrelang im Gespräch sind. Wir sind unser eigenes Casting-Büro und haben unsere dicken Ordner, wo all diejenigen drin sind, mit denen wir gerne mal zusammenarbeiten möchten. Bei manchen fragen wir auch immer wieder nach – und irgendwann klappt es dann. Vielleicht auch bei Heino Ferch – aber nicht im nächsten Jahr.

LN: Gibt es einen Darsteller – männlich wie weiblich –, den Sie persönlich gern mal am Kalkberg erleben möchten?
Thienel: Gibt es bestimmt, aber ich werde keinen Namen nennen. Wenn das in der Zeitung steht, torpediere ich mir meinen Erfolg, ihn auch zu bekommen. Außerdem genieße ich das auch viel zu sehr, damit zu überraschen.

LN:  Was war jetzt eigentlich mit Erol Sander?
Thienel: Erol Sander war sechs Jahre bei uns ein wirklich toller Winnetou, er hat hier eine große Fangemeinde gehabt und großartige Arbeit geleistet – aber irgendwann trennen sich mal die Wege. Das ist beim Theater eigentlich ziemlich normal. Er hat die Spiele weit nach vorne gebracht. Aber ich bleibe dabei, dass ich generell zu Vertragsinhalten nichts sagen werde.

Interview: Oliver Vogt

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