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Sie helfen psychisch kranken Menschen

Bad Segeberg Sie helfen psychisch kranken Menschen

Ehrenamtliche sind Ansprechpartner in der Psychosozialen Beschwerdestelle des Kreises Segeberg – Beratung ist unabhängig.

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Sie gehören der Psychosozialen Beschwerdestelle im Kreis Segeberg an: v.l. Karin Heitmann, Heide Tromnau, Jutta Rohlmann, Ulrich Jordan, Sabine Petersen, Uwe Wolthoff und Gero Schmidtke.

Quelle: Domann

Bad Segeberg. Psychisch zu erkranken, ist für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung. Doch wenn noch Schwierigkeiten mit Kliniken, Praxen, Einrichtungen der psychiatrischen Betreuung, Versorgung und Pflege oder der gesetzlichen Betreuung auftreten, dann ist Hilfe von außen gefragt. Dann werden ehrenamtliche Mitglieder unabhängiger Beschwerdestellen tätig.

„Ein Beinbruch erzeugt Mitgefühl, bei einer Depression heißt es: ,Reiß dich zusammen!’“ Gero Schmidtke, Segeberger Werkstätten

Seit zwölf Jahren gibt es die Psychosoziale Beschwerdestelle im Kreis Segeberg. „Wir sind von der Kreisverwaltung beauftragt, arbeiten aber unabhängig“, erklärt Ulrich Jordan, Sprecher der Beschwerdestelle. „Und was hier besprochen wird, das bleibt auch hier.“

Bundesweit gibt es Beschwerdestellen für psychisch erkrankte Menschen, allen gemein sei die trialogische Besetzung aus Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen und Fachleuten wie Ärzte und Richter, sagt Jordan. So könne sich der Patient einen „Wunsch-Ansprechpartner“ aussuchen.

So unterschiedlich die Menschen, so verschieden die Beschwerden. Zum Beispiel hatte sich ein Paar in einer Einrichtung kennengelernt, schildert Jordan. Sie wollten ein gemeinsames Zimmer bewohnen, was die Einrichtungsleitung verweigerte. „Ein Gespräch mit allen Beteiligten und uns hat zu einer gemeinsamen Wohnform geführt. Beide Seiten haben ihre Beweggründe geäußert“, so Jordan. In einem anderen Fall habe sich ein Patient in stationärer Behandlung über die verabreichten Medikamente beschwert. Ein Besuch bei den Ärzten habe dann zu einem Medikamentenwechsel mit weniger Nebenwirkungen geführt, erzählt Sabine Petersen, Mitarbeiterin der Ambulanten und Teilstationären Psychiatrischen Versorgung (ATP) im Kreis. Einer weiteren Beschwerde lagen unterschiedliche Ansichten über die Fürsorge einer Mutter zugrunde. Die alte Dame habe offenbar zu viel Einfluss auf den Sohn in einer Einrichtung genommen. Ein runder Tisch habe dann bei ihr zu der Erkenntnis geführt, dass die Interessen des Sohnes im Vordergrund zu stehen hätten.

Im Durchschnitt bearbeiten die zehn unabhängigen Beschwerdestellen im Land Schleswig-Holstein jeweils um die zehn Beschwerden. „Manchmal scheint ein Telefongespräch auszureichen. Wir suchen aber jeden Beschwerdeführer auf“, so Jordan. Häufig kämen die Betroffenen direkt auf die Beschwerdestelle zu, manchmal seien es die gesetzlichen Betreuer, die auf Misstände aufmerksam machten. „Doch die können auch der Grund der Beschwerde sein“, sagt Jordan.

Der Vorgang an sich sei nichts Aufregendes oder Unnatürliches, eine Beschwerde bedeute nicht, dass dort alles im Argen liege. „Häufig sind Fauxpas, Missverständnisse, Benachteiligungen der Grund einer Beschwerde, keine krassen Menschenrechtsverletzungen“, betont Jordan. Meist reichten klärende Worte und eine Entschuldigung aus. „Wir sind keine Kampftruppe, sondern Vermittler.“ Eine Beschwerde müsse immer aus verschiedenen Blickwinkel gesehen werden. „Diese Sichtweisen wollen wir zusammenbringen, dabei hilft es, sich in die Schuhe des anderen zu stellen“, sagt Uwe Wolthoff, Sozialarbeiter beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises. Auffallend sei, dass ein Großteil der Beschwerden mit einer Zeitverzögerung an die Gruppe herangetragen werde. Patienten seien durch Diagnose und Therapie so traumatisiert, dass sie sich zunächst keine Gedanken um Beschwerden machten. „Ihnen fehlt die Kraft, um sich zeitnah damit zu beschäftigen“, sagt Gero Schmidtke, Mitarbeiter in den Segeberger Werkstätten. Und: „Manchmal ist es sehr schlimm, wie in Einrichtungen mit den Menschen umgegangen wird, die Erfahrungen und Erinnerungen tragen sie ein Leben lang mit sich herum“, ergänzt Jutta Rohlmann, die psychiatrieerfahren ist. Sie weiß, wovon sie spricht, sie hat einen 30-jährigen Leidensweg hinter sich.

Eine weitere Aufgabe der Ehrenamtlichen sei es, psychische Erkrankungen „salonfähig“ zu machen. „Die Akzeptanz ist nicht gerade hoch“, sagt die engagierte Bürgerin Heide Tromnau. Ein Beinbruch erzeuge Mitgefühl, bei einer Depression heiße es, „Reiß dich zusammen!“, so Schmidtke. Und noch eine weitere Sache wollen die Mitglieder der Beschwerdestelle erreichen: ein Pendant im Kreis Stormarn.

Denn das sei der einzige Kreis im Land, der immer noch keine Beschwerdestelle habe. „Betroffene kommen zu uns, wir helfen gern. Aber eine Anlaufstelle im eigenen Kreis wäre notwendig“, betont Jordan.

Kontakt und weitere Infos zur Psychosozialen Beschwerdestelle des Kreises bei Ulrich Jordan unter Telefon 04551/99 9633 oder mail@u-jordan.de

Silvie Domann

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