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Sie kämpft gegen steile Treppen und komplizierte Sprache

Bad Segeberg Sie kämpft gegen steile Treppen und komplizierte Sprache

Der Kreistag hat Jutta Altenhöner zur ehrenamtlichen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen ernannt.

Bad Segeberg. Energisch war sie schon immer, nerven kann sie auch. Sie ist der Typ Frau, der erst einmal testen lässt, ob die neue blitzsaubere Rollstuhlfahrer-Rampe nicht nur schön aussieht, sondern auch für Rollifahrer benutzbar ist. Jutta Altenhöner, bis 2012 über 22 Jahre SPD-Abgeordnete im Segeberger Kreistag, ist die neue Behindertenbeauftragte des Kreises.

 

LN-Bild

Die neue Behindertenbeauftragte Jutta Altenhöner will nicht nur das Landratshaus etwas behindertenfreundlicher gestalten. Bei Segebergs Landrat Jan Peter Schröder rennt sie da offene Türen ein.

Quelle: Glombik

Sie wird sich auf ihre Art stark machen für das Thema Inklusion. Bei einer Pressekonferenz bekam Landrat Jan Peter Schröder schon einen kleinen Vorgeschmack. Sie ließ sich nicht bremsen, redete immer dazwischen. „Das wird ein weiter Weg in die Inklusion“, stellte Altenhöner klar. Aber statt zu meckern, war sie erst einmal voll des Lobes über die schon angepackten Maßnahmen in der Kreisverwaltung.

Inzwischen seien im Kreishaus zum Beispiel Fahrstuhl und sich selbst öffnende Türen am Haupteingang eine Selbstverständlichkeit geworden. Der Umgang mit Menschen, die ein Handicap haben, gewinne immer mehr an Normalität. „Fantastisch“ sei zum Beispiel, wie liebevoll ihr Büro (Zimmer 353 im Haus A der Kreisverwaltung) eingerichtet worden sei. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, bekannte sie.

Ihr „Lieblingsprojekt“ sei es jetzt, das Landratshaus behindertenfreundlich zu machen. Das werde nie komplett gelingen: Was macht die Rollstuhlfahrerin, wenn sie mit dem Landrat sprechen möchte? Geht nicht, es sei denn der freundliche Herr Schröder kommt heraus. Aber anklingeln kann eine Behinderte ihn auch nicht, weil erst vier Stufen zu erklimmen sind und erst ganz oben die Haustür-Schelle zu drücken ist. Und sollte dieses einem mäßig Gehbehinderten gelingen, wartet die nächste Hürde bis zur Landrats-Audienz. Denn wenn der Tür-Summer am Landratshaus ertönt, muss man sich mit aller Kraft gegen die schwere Tür der Altvorderen werfen, um regelrecht hineinzufallen in die denkmalgeschützte Machtzentrale des Kreises. An dieser Barriere dürfte auch so mancher Nichtbehinderte gescheitert sein.

Immerhin: Jetzt soll eine Hebebühne auf der Rückseite des Landratshauses gebaut werden, damit Rollstullfahrer von dort Zugang bekommen. Auch soll an einer Stele vor dem Haus der Klingelknopf befestigt werden – für alle erreichbar.

Doch Altenhöner geht es auch um Barrieren im Kopf. „Es ist wirklich wichtig, dass wir jetzt starten mit einfacher, allgemein verständlicher Sprache“, fordert Jutta Altenhöner. Menschen mit Leseschwächen haben bei Vorlagen für Gremien oder Formularen kein Chance diese zu verstehen. Ihre Forderung, auch juristisch schwierige Sachverhalte in einfache Sprache umzusetzen, sei schwierig, so Schröder. Eigentlich müsste jeder Brief, jedes Schriftstück aus der Verwaltung entsprechend umgeschrieben werden. „Ein langer Weg“, bekannte der Landrat. „Wir Verwaltis haben die komplizierte Sprache in uns drin. Fangen wir erst mit einem Flyer an.“ – Alles klar: Das mit der Sprache wird ein ungleich größerer Kraftakt, als die schwere Tür zum Landrat zu öffnen. . .

Die Interessensvertreterin

Jutta Altenhöner ist als Behindertenbeauftragte jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr in der Kreisverwaltung zu sprechen. Sie ist dort auch unter Telefon 04 55 1/951321 im Zimmer 353 im Haus A zu erreichen. Sie vertritt unter anderem die Interessen der Menschen mit Behinderungen zum Beispiel beim Wohnungsbau oder bei öffentlichen Verkehrseinrichtungen.

Wolfgang Glombik

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