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Segeberg „Sie müssen sich outen, Herr Wachholtz“
Lokales Segeberg „Sie müssen sich outen, Herr Wachholtz“
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20:52 31.10.2013
Die frühere Lettow-Vorbeck-Kaserne, heute Levo-Park, ist eine große Hoffnung für die weitere Entwicklung der Stadt Bad Segeberg. Doch Investor Ulf Wachholtz und die Stadt können sich nicht auf die Inhalte und den Spielraum für Einzelhandels-Vorhaben im B-Plan einigen. Quelle: Glombik

Wie geht es weiter mit dem Lettow-Vorbeck-Viertel GmbH & Co., kurz „Levopark“? Das war Mittwoch Abend ein heißdiskutiertes Thema im Bauausschuss mit Investor Ulf Wachholtz. Der will gerne vorankommen und wünscht für das über 30 Hektar große Gelände einen Bebauungsplan, der ihm gestalterischen Spielraum lässt, zum Beispiel mit zwei großen Sondergebieten. Aber die Politiker sitzen hier am längeren Hebel, sie befürchten, dass Wachholtz vor den Toren der Stadt ein großes Fachmarktzentrum bauen will, das der Innenstadt die Luft wirtschaftlich abschnürt. Der schon lange angeschobene Bebauungsplan liegt auf Eis. Mehrere Gutachten — die sich widersprechen — wurden in Auftrag gegeben .

Stadt und Investor konnten sich nicht auf Inhalte einigen, hatten eine monatelange, noch immer anhaltende Denkpause vereinbart. Zwar hat Ulf Wachholtz mit Sondergenehmigungen auf dem ehemaligen Kasernengelände mittlerweile 50 Firmen angesiedelt, vor allem Kleinstbetriebe von Existenzgründern, doch er will mehr. „Ich habe von den 25 000 zur Verfügung stehenden Quadratmetern trotz aller Mühen nicht einmal 1000 Quadratmeter vermietet.“ Hinzu komme, dass er fast 45 000 Euro für Gutachten ausgegeben habe. Es gehe da um „Haselmaus, Fledermaus, Immissionen, Umweltschutz und alles mögliche.“Trotzdem scheitere er an der „Planwirtschaft“, einer nicht mehr zeitgemäßen Bauleitplanung. Es könne nicht sein, dass ein politisches Gremium quasi „aus dem Gefühl heraus“, vorschreibe, wie groß die Verkaufsflächen sein müssten. Bauamtschefin Antje Langethal redete Klartext: „Sie müssen jetzt konkret werden, Sie müsse sich outen, Herr Wachholtz, sonst fehlt jede Basis, über die man diskutieren kann.“

Bad Segeberg sei eine Stadt, die wachsen wolle, sie tue gut daran, Arbeitsplätze und Standorte zu fördern, so Wachholtz. Er schlage den Politikern jetzt vor, im Konsens eine Untersuchung der Sortimente zu starten, die für Bad Segeberg noch verträglich seien oder hier gänzlich fehlten, sagte er gegenüber den LN. Spontan fiel ihm ein großer Zubehöranbieter für Motorräder ein. Die Stadt solle mit der Bauleitplanung den Rahmen vorgeben, damit kein Wildwuchs entstehe, dürfe ihn aber nicht völlig einschränken. Der vor zehn Jahren für die Stadt erstellte „Masterplan“ für das Kasernengelände sei doch längst überholt.

SPD- Stadtvertreter Joachim Wilken-Kebeck: „Sagen Sie doch endlich, was Sie konkret bauen möchten“. Er bemängelte, dass Wachholtz dem ansiedlungswilligen Landmaschinenhandel Meifort für einen Umzug auf das Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne einen Korb gegeben hatte. Das wies Wachholtz zurück, es sei alles im Einvernehmen passiert. Der Levo-Park sei nicht das „Überlaufbecken der Stadt“, wenn es sonst an Gewerbeflächen kneife. „Ich kann hier nichts ohne B-Plan entwickeln“, kritisierte er. Es fehle ein Rahmen, damit sich Firmen ansiedeln könnten und nicht ein Plan, in dem gleich „alle Schranken heruntergehen“. Er wolle doch nicht, „die Innenstadt schädigen oder angreifen“, beteuerte er gegenüber den Politikern. Im Gegenteil: Wenn 1000 Arbeitsplätze entstünden, müsse auch die Infrastruktur stimmen. Es würden sich doch keine größeren Firmen ansiedeln, „wenn die Mitarbeiter erst ins Auto steigen müssen, um sich in der Innenstadt ein Brötchen zu holen“.

Wird Promenade Segebergs Elbphilharmonie?
Nach aufregenden Debatten in der vergangenen Stadtvertretersitzung über die unerwartete Kostensteigerung beim Bau der neuen Bad Segeberger Seepromenade (wir berichteten) fügten sich vorgestern die Bauausschussmitglieder und empfahlen bei nur einer Enthaltung die Annahme der neuen Kosten und plädierten so für den Weiterbau der Seepromenade.
Wie berichtet, hatten einige Ausschreibungen des für Bad Segeberger Verhältnisse ehrgeizigen Bauvorhabens zu wesentlich teureren Bauleistungen geführt: Insgesamt verteuert sich das Zwei-Millionen-Vorhaben so um 222 000 Euro. Die Hälfte der Steigerungen will das Land tragen. Aber bald nach der empörten Debatte hatten die Kommunalpolitiker schon erklärt, dass sie es nicht zulassen würden, dass dort eine Bauruine entstehe.
Landschaftsarchitekt Andreas Werning erklärte in der Sitzung den Politikern, wie es zu der Erhöhung der Bausumme kommen konnte. Für den Bauabschnitt Uferkante und die Stegkonstruktionen mit Stahl- und Holzbau seien von ihm Kostenberechnungen aufgestellt worden mit Erfahrungswerten aus anderen Bauvorhaben. „Doch es gab wesentlich höhere Kosten.“ Gründe dafür seien der große Aufwand, den die Firmen zum Bau der relativ kleinen Steg-Konstruktionen benötigten. Es gebe eine Diskrepanz zwischen Baustelleneinrichtung und Vorhaben. Da würden also für kleine Stege große Bagger benötigt.
Auf die Frage von Politikern, ob man denn nun sicher sein könne, dass es bei dem vereinbarten Kostenrahmen bleiben werde, zuckte Werning mit den Schultern. Eine gewisse Unsicherheit bleibe immer:
„Die Elbphilharmonie lässt grüßen.“ Bauausschussvorsitzender Heino Pfeiffer: „Da machen Sie uns ja richtig Hoffnung.“ wgl

Wolfgang Glombik

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