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Segeberg So berichteten die LN am 17. Dezember 1967
Lokales Segeberg So berichteten die LN am 17. Dezember 1967
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11:46 17.12.2017

 Inzwischen steht fest, daß es sich bei dem männlichen Begleiter der „Lady“ um den 39jährigen Taxifahrer Gustav W. aus Hamburg-Eidelstedt handelt. Von der „Bank-Lady“ war vorläufig nur ihr Vorname „Gisela“ zu erfahren. (...)

Gestern sind die bei dem bewaffneten Raubüberfall verletzten Angestellten der Segeberger Kreissparkasse von Vertretern des Geldinstituts im Krankenhaus besucht worden. Während Jörg Kalkreuter und Gisela Tödt nach ambulanter Behandlung am Freitagabend entlassen werden konnten, befinden sich Ursula Kruse und Dieter Kienke noch im Krankenhaus. Ursula Kruse hatte bei der Verfolgung der Räuber einen Schuß in den Rücken erhalten. Dieter Kienke liegt mit einem Beinschuß im Krankenbett. Beide befinden sich auf dem Wege der Besserung.

So spielte sich dieser hoffentlich letzte Bankraub in Bad Segeberg ab: Gegen 18.10 Uhr betraten die beiden Bankräuber die Schalterhalle der Segeberger Kreissparkasse vermutlich durch den Hintereingang, der auf den Hof führt. Einer der Kassierer beobachtete, daß sich die Täter unschlüssig waren, welche der vier geöffneten Kassen sie jetzt „besuchen“ sollten. Schließlich gingen der Mann und die Frau zu je einer Kasse und forderten die Herausgabe des Geldes. Die Kassierer Lothar Baller und Uwe Knafla versuchten, durch langsames Geldausgeben den Überfall zu verzögern. Sie wurden aber von den Bankräubern zur Eile angetrieben. Auch an der Kasse von Wilhelm Hogrefe erschienen die Bankräuber dann. (...)

Als der Mann die Banknoten an sich nehmen wollte, stieß der 54jährige Kassierer dem Bankräuber gegen die Brust und wollte ihm das Geld wieder entreißen. Diesen Angriff wehrte der Bankräuber mit seiner Maschinenpistole ab. Kassierer Hogrefe bewies trotz der Waffe, die auf seinen Körper gerichtet war, Mut und schrie „Alarm! Überfall!“. Daraufhin wurde von drei verschiedenen Stellen Alarm ausgelöst. Das Räuberpaar flüchtete, nachdem alles Geld verpackt war, durch den Hintereingang. Drei Kassen waren um insgesamt 95 000 Mark beraubt worden. (...)

Während etwa 25 Kunden mit erhobenen Händen in dem Schalterraum standen, nahmen die vier jungen Sparkassenangestellten die Verfolgung auf. (...) Nach einem Warnschuß in die Luft, den der Mann angeblich abgefeuert haben will, gaben die Sparkassenangestellten die Verfolgung jedoch nicht auf. Die nächsten Schüsse waren dann gezielt. Die vier Angestellten brachen auf dem Hof zusammen. (...)

Bei der Verfolgungsjagd stellten die Polizisten das Fahrzeug dann bei Wittenborn. Der Bankräuber am Steuer versuchte zu wenden, um zu seinem eigenen Fahrzeug in der Theodor-Storm-Straße zu kommen. Die Polizisten blockierten den Weg und zerrten die Bankräuber aus dem Fahrzeug. Auf dem Beifahrersitz lag die Maschinenpistole. (...)

Als die beiden Bankräuber nun erkannten, daß mit dem Überfall auf die Kreissparkasse ihre Serie von Raubüberfällen ein Ende hatte, wollten sie „auspacken“. Gustav W. bat die Beamten, die „Lady“ Gisela noch einmal sehen zu dürfen. Dann wollte er ein umfassendes Geständnis ablegen. Bei einer Tasse Kaffee – auch hier entsprach die Polizei dem Wunsch der Räuber – konnten sich die beiden wohl vorläufig zum letzten Male sehen. Dann „packte“ Gustav W. aus. Er gab zu, daß er und seine Komplizin auch für die beiden Raubüberfälle auf die Segeberger Volksbank am 10. Februar und am 1. Dezember verantwortlich waren. Weiter gestanden die beiden Bankräuber aus Hamburg noch etwa 20 weitere Überfälle auf Geldinstitute in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen.

Der Fall der „Banklady“

Gisela Werler (†2003) verübte zusammen mit ihrem Komplizen und späteren Ehemann Hermann Wittorff (†2009) zwischen 1965 und 1967 insgesamt 19 Banküberfälle. Obwohl in den 60er Jahren in der Bundesrepublik fast kein Tag ohne Bankraub verging, elektrisierte der Fall der „Banklady“ das Land. Niemals zuvor hatte eine Frau Bankraube verübt. Weil sie später vor Gericht versicherte, „aus Liebe“ zu Hermann Wittorff gehandelt zu haben, wurden sie zu nur neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, Wittorff zu dreizehneinhalb Jahren.

jb/HW

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