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So knacken Einbrecher Fenster in wenigen Sekunden

Klein Gladebrügge So knacken Einbrecher Fenster in wenigen Sekunden

In Klein Gladebrügge demonstrierte die Polizei bei einer Einwohnerversammlung, wie leicht es Hausbesitzer den Gaunern oft machen, in ihre Immobilien einzusteigen.

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Polizist Jürgen Schlichting zeigt den Gästen der Infoveranstaltung, wie schnell sich ein gekipptes Fenster öffnen lässt.

Quelle: Fotos: Domann

Klein Gladebrügge. Elf Hauseinbrüche hat es in Klein Gladebrügge in den vergangenen drei Jahren gegeben. Erst ein paar Tage ist der Letzte her. Einige Male wurden in dem Dorf Fenster eingeschlagen. Verunsicherung breitet sich unter den Einwohnern aus, zumal auch in Nachbargemeinden vermehrt Einbrüche auftreten. Ein guter Grund nun eine Einwohnerversammlung zum Thema Einbruchsschutz stattfinden zu lassen, dachte sich die Gemeinde.

Bernd Kanert, Leiter des Sachgebietes Prävention bei der Polizeidirektion Segeberg, sein Kollege Jürgen Schlichting und Fenja Bartholl von der Tischlerei Bartholl informierten so am Donnerstagabend mehr als 30 Zuhörer. Kanert begann mit einigen Zahlen. 2014 fanden in Deutschland 152 000 (in Schleswig-Holstein 7500) Wohnungseinbruchsdiebstähle statt. Etwa alle drei Minuten also ein Einbruch. Die Aufklärungsquote liegt zwischen zehn und 15 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Taten gestiegen, gleichzeitig erhöhte sich aber auch die Anzahl der versuchten Einbrüche. Lag die 2005 bei noch 28,2 Prozent, stieg sie 2014 auf 40,4 Prozent der Einbruchsdelikte.

„Das liegt an besseren Sicherheitsvorkehrungen und dem aufmerksamen Verhalten der Bewohner“, sagte Kanert. Und das sei wichtig. So hätten seine Kollegen 2014 aufgrund von Hinweisen von Nachbarn 45 Täter überführen können, ein Jahr zuvor waren es um die fünf gewesen.

Auffällig sei der Anstieg der Straftaten von 2014 auf 2015 im Gebiet der Polizeidirektion Segeberg, vor allem in Kaltenkirchen und Rellingen. Kanert vermutete, dass das an der besonderen Task Force der Hamburger Polizei für Einbruchdiebstahl liege und die Einbrecher vermehrt in den Hamburger Speckgürtel auswichen.

„Ich will keine Angst verbreiten“, betonte Schlichting und ging auf die Täter ein. Das seien Gelegenheitstäter und gewerbsmäßige, die sich nicht lange vorbereiten würden. „Sie nutzen die günstige Gelegenheit, wollen schnell ins Objekt hinein, halten sich nur kurz auf und vermeiden einen Bewohnerkontakt.“ Als Einbruchswerkzeug genügt ein handelsüblicher Schraubendreher. Das demonstrierte Schlichting kurz. Noch beeindruckender war das Öffnen eines gekippten Fensters mit einem selbstgebastelten Werkzeug. Das gab Applaus und reichlich Fragen aus der Zuhörerschaft.

Fenja Bartholl demonstrierte die unterschiedlichen mechanischen Einbruchsicherungen und erklärte sie ausführlich. „Viele Fenster lassen sich nachrüsten, entweder durch Austausch des Beschlages oder mit Nachrüst-Beschlägen“, erzählte Bartholl. Zum Beispiel ein verstärkter Verschluss mit abschließbarem Fenstergriff oder mehrfacher Sicherung an mehreren Stellen des Fensters. „Natürlich muss das Fenster abgeschlossen sein und der Schlüssel abgezogen“, betonte Schlichting. Außerdem gibt es druckwurfhemmendes Glas und auch für die Wohnungstür bestehen verschiedene Sicherungsmöglichkeiten.

„Einen hundertprozentigen Schutz gibt es jedoch nicht“, betont Schlichting. Er verwies auf die Errichterliste, in der von der Polizei geprüfte Firmen aufgeführt sind, die Schutzvorrichtungen nachrüsten. „Die erste Beratung solle kostenlos sein. Bartholl ergänzte, dass es derzeit für den Einbruchsschutz Förderungen von der KfW-Bank gebe. Allerdings: Erst den Antrag stellen und auf die Genehmigung warten — dann nachrüsten.

Tipps gegen Einbrecher
Nicht nur Einbruchsschutz ist wichtig, auch das eigene Verhalten zählt:



Keine Einstiegshilfen wie lose Leitern oder Schubkarren im Garten herumliegen lassen.



Heckenhöhe überdenken.



Türen und Fenster abschließen; Rollläden erst nach Einbruch der Dunkelheit herablassen.



Bei Abwesenheit Licht anlassen und Klingel ausschalten.



Im Urlaub: Lampen am besten durch Zeitschaltuhren steuern lassen; den Briefkasten leeren lassen.


Auf Zeichen, sogenannte Gaunerzinken, achten (können auch farbige Körbe sein).



Verdächtige Fahrzeuge und Personen sofort der Polizei melden


Bei Kontakt mit einem Täter, nicht den Helden spielen, sondern Licht an und Lärm machen — der Großteil flüchtet dann.


Auch bauliche Veränderungen können das eigene Heim sicherer machen:



Fenster mit Nachrüstungsbeschlägen einbruchssicherer machen


Überfall- und Einbruchmeldeanlagen können in Kombination mit mechanischer Sicherheitstechnik zusätzlichen Einbruchsschutz bieten

Silvie Domann

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