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So lange wie möglich im eigenen Umfeld

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Neue Wohnformen, Ideen für das Altwerden auf dem Land – Letzter Teil der LN-Serie: Im Kreis ist viel in Bewegung.

Bad Segeberg Spätestens mit 50 Jahren sollte sich jeder darüber Gedanken machen, wie er im Alter leben will. Das sagt Anke Pawlik, die Vorsitzende des Segeberger Kreissenioren-Beirats im LN-Gespräch, mit dem unsere Serie „Wohnen 60plus“ endet.

 

LN-Bild

Anke Pawlik (73) aus Groß Kummerfeld engagiert sich seit Jahren im Seniorenbeirat ihrer Gemeinde und des Kreises sowie auch auf Landesebene. Sie hat einen Sohn und zwei Enkelkinder.

Quelle: Heike Hiltrop

LN-Serie

Wohnen

60plus

Wie ist die derzeitige Wohnsituation älterer Menschen, und ist der Kreis Segeberg gut aufgestellt?

Anke Pawlik: Da muss man zwischen Land und Stadt differenzieren. Im Hamburger Speckgürtel, also beispielsweise Norderstedt, ist der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Senioren sehr groß. Die Situation dort ist schwierig. Weiter in den Kreis hinein ist das nicht so tragisch. Gut aufgestellt kann man zwar nicht sagen, aber es wird aktiv in den Kommunen versucht, Lösungen zu finden.

Speziell im ländlichen Bereich gibt es da Nachholbedarf.

Wie wollen ältere Menschen im Kreis leben, welche Tendenzen gibt es, und unterscheiden sich die Wünsche hier von denen etwa in anderen Regionen Schleswig-Holsteins?

Pawlik: Zunächst zu Letzterem: Ich glaube nicht, dass sich die Wünsche unterscheiden. Man will so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben, im eigenen Haus, im bekannten Umfeld. Viele ältere Menschen verdrängen, dass sich ihre Lebenssituation und damit auch oft ihre Wohnsituation verändern kann. Viel zu wenige machen sich Gedanken zu ihrer sich durch das Alter verändernden Situation. Eine Befragung hat ergeben, dass das Modell „Wohnen mit Service“ vorrangig genannt wird. Vieles fällt darunter, und da sind wir dann wieder bei der Finanzierbarkeit.

Gibt es Ideen, beispielsweise die Infrastruktur auf dem Land in den Dörfern zu verbessern: Stichwort Hilfe zur Selbsthilfe, und welche Ideen sind das?

Pawlik: Das ist sehr schwierig. Selbst Gemeinden gleicher Größe sind sehr unterschiedlich. Darum muss es auch sehr unterschiedliche Lösungen geben. Ein Beispiel: Groß Kummerfeld hat keine Bahnanbindung und keine Geschäfte, ähnliche Kommunen sehr wohl. Wohnen auf dem Land ist sowieso ein großes Problem, etwa wenn man nicht mehr mobil ist. Hier ist der Kreis gerade dabei, ein Mitnahmesystem ähnlich der Mitfahrzentrale als Mobilitätsangebot für den ländlichen Raum aufzubauen. Für mein Dorf beschäftigt sich der Seniorenbeirat mit der Idee der Mitfahrerbank für Senioren.

Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten müssen erreichbar sein. Ein anderes Problem ist es, Investoren für Wohnprojekte auf dem Land zu gewinnen. Sie haben kaum oder nur wenig Interesse an kleinen Wohneinheiten. Und im Bereich der Seniorenheime, die sich oft weitab vom Zentrum in abgelegenen Ortschaften finden, muss es dringend ein Umdenken geben: Auch wenn man Pflege braucht, will man nicht in der Pampa leben. Ein schönes Gebäude hinzustellen, reicht einfach nicht aus.

Wie kann der Kreisseniorenbeirat Vorhaben unterstützen, wo ist er aktiv?

Pawlik: Aktiv sind wir, indem wir uns in die Planungen des Kreises mit Vorschlägen einbringen, etwa in das Leitprojekt Segeberg 2030, in Arbeitsgruppen wie „Planen und Wohnen“ oder den Öffentlichen Nahverkehr. In der Broschüre, die gerade vom Kreis erstellt wird, steckt viel Gehirnschmalz vom Kreisseniorenbeirat drin.

Sollte das Land Richtlinien für alternative Wohnformen entwickeln, etwa wie im sozialen Wohnungsbau?

Pawlik: Das ist am Werden, auch wenn nicht klar abgegrenzt wird. Zum Beispiel in Baubestimmungen, wo es um Barrierefreiheit geht oder die Förderung, etwa der Nachrüstung von Altbauten mit Fahrstühlen, die sehr wichtig sind. Auf dem Gebiet verändert sich laufend etwas.

Ergibt es dann nicht Sinn, vom seniorengerechten Wohnen wegzurücken und generell die Standards anders festzulegen – breite Türen, Fahrstühle, etc.?

Pawlik: Das wäre die optimale Lösung. Denn es betrifft nicht nur alte Menschen, sondern auch Familien mit Kindern und Menschen mit Alltagseinschränkung. Damit würde man sich auch spätere, teure Umbauten sparen. Wenn man das alles auf einen Level bringt, können auch die Kosten kein großes Problem mehr sein. Flexibler Wohnraum ist generationsübergreifend.

Mehr gelebte Nachbarschaft, das engmaschige Netzwerk, auf das Wert gelegt wird, wie früher ein Hauswart, der einen Blick auf alles hatte. Manchmal klingt das wie die Rolle rückwärts.

Pawlik: Ja, stimmt. Nur dass das heute teuer verkauft wird, etwa als Concierge in Seniorenresidenzen.

Es gibt viele schöne Projekte, doch wie sieht es mit Blick auf die sich abzeichnende Altersarmut mit der Finanzierung aus?

Pawlik: Wenn ich dafür eine Lösung hätte, würde ich in Berlin sitzen. Der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum ist wie gesagt sehr groß. Ältere sollten nicht an den Stadtrand gedrängt werden. Etwa die verwitwete Frau aus Norderstedt, die sich die große Wohnung nicht mehr leisten kann und eine kleinere sucht, die dann aber genau so viel kosten soll. Und dann ihren Ort verlassen muss – so etwas ist menschenunwürdig.

Wann ist aus ihrer Sicht der beste Zeitpunkt, sich Gedanken zum eigenen Leben im Alter zu machen?

Pawlik: Spätestens mit 50 sollte man anfangen. Ich weiß, die meisten machen das nicht, aber es wäre der richtige Zeitpunkt.

Sie sind jetzt 73 Jahre alt, wie wollen sie selbst einmal leben?

Pawlik (lacht): Ich gebe Ihnen die Antwort, die Sie von über 90 Prozent der Leute in meinem Alter bekommen: so lange wie möglich in meinem eigenen Zuhause. Es ist ebenerdig, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte sind nur vier Kilometer entfernt, das ginge auch mit einem Taxi, wenn ich selber nicht mehr Auto fahren würde. Außerdem versuchen wir seit zwei Jahren, noch ganz vage ein Wohnprojekt zu realisieren.

Interview: Heike Hiltrop

Infos

Beratung vom Pflegestützpunkt ist kostenfrei. Die Zentren gibt es in Bad Segeberg, Bornhöved, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Norderstedt.

Öffnungszeiten Infos im Internet unter www.pflegestuetzpunkt-se.de

Die Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte im Alter bietet neutrale Beratung zur Förderung besonderer Wohn-Pflegeformen. Mehr im Netz unter www.kiwa-sh.de

Ideen für Wohnformen finden sich auch im Internet, etwa das „Bielefelder Modell“, das sich abgewandelt im städtischen Raum eignet.

LN

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