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Soko „Wohnung“ jagt jetzt Einbrecher

Bad Segeberg Soko „Wohnung“ jagt jetzt Einbrecher

Wenn von den 2016 im Kreis registrierten 779 Einbrüchen am Ende 727 straflos bleiben, dann stimmt etwas nicht. Mit der neu gegründeten, knapp 50 Köpfe starken Soko „Wohnung“ will die Polizeidirektion Bad Segeberg es den Einbrechern künftig schwerer machen.

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Der Wohnungseinbruch bleibt eine der größten Herausforderungen für die Segeberger Polizei. Wegen der Nähe zu Hamburg, der guten Verkehrsanbindung und dem relativen Reichtum der Region finden die Täter hier für sich gute Bedingungen.

Quelle: Fotos: Stein/dpa, Vogt (2), Kullack

Bad Segeberg. Denn gerade die Segeberger Polizei kämpft in Sachen Wohnungseinbrüche an vorderster Front. In ihrem Direktionsgebiet, den Kreisen Segeberg und Pinneberg mit ihrer Nähe zur Metropole Hamburg, gibt es so viele Einbrüche wie sonst nirgendwo im Land. Fast ein Viertel (23 Prozent) der 2016 landesweit gemeldeten 7711 Taten geschahen in den beiden Kreisen. Zwar hat die Landespolizei auch in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, und die Einbruchszahlen für 2017 sehen mit minus 30 Prozent bereits besser aus. „Doch selbst wenn dieser Rückgang bis zum Jahresende gehalten wird, sind die Zahlen noch immer viel zu hoch“, betont der Leiter der Segeberger Kriminalinspektion, Ingo Minnerop. Um den zumeist sehr gut organisierten Banden weiter zuzusetzen, hat die Polizei deshalb die Sonderkommission (Soko) „Wohnung“ gegründet. Von zentraler Stelle aus, dem Dienstgebäude des Reviers Pinneberg, koordiniert die Polizei seit dem 1. Oktober die Jagd auf die Einbrecher.

LN-Bild

/Pinneberg. Wenn von den 2016 im Kreis registrierten 779 Einbrüchen am Ende 727 straflos bleiben, dann stimmt etwas nicht. Mit der neu gegründeten, knapp 50 Köpfe starken Soko „Wohnung“ will die Polizeidirektion Bad Segeberg es den Einbrechern künftig schwerer machen.

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Da man es dabei seltener mit Einzeltätern, sondern meist mit sehr gut organisierten Banden, vielfach aus dem Ausland, zu tun habe, sei der Informationsaustausch bei ihrer Bekämpfung ein wesentlicher Faktor, erklärt Kriminalrätin Sarah Lampe, die die Leitung der Soko übernommen hat. „Aus diesem Grund gibt es jetzt täglich um neun Uhr eine Konferenz, damit jeder Kollege den gleichen Informationsstand besitzt.“ Anders als in der Vergangenheit zuweilen geschehen, könnten wichtige Erkenntnisse zum Beispiel über Tatorte, verdächtige Personen oder Fahrzeuge nicht mehr ohne Weiteres durchrutschen, sondern direkt an die verantwortlichen Stellen gesteuert werden. Da sich die Banden nicht an Landes- und Kreisgrenzen halten, finde zugleich ein enger Austausch mit den Direktionen in den – ebenfalls von Einbrechern gebeutelten – Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie Hamburg statt.

Die Soko stelle aber vor allem sicher, dass Einbruchsermittlungen gründlich und umfassend vorgenommen werden. „Sind einzelne Dienststellen damit personell oder zeitlich überfordert, können wir jederzeit Kollegen schicken, die diese Aufgabe dann übernehmen“, sagt Sarah Lampe. Insgesamt umfasse die Soko 25 Ermittler, 15 Zivilfahnder sowie mehrere Mitarbeiter der Spurensicherung. Neben der Zentrale in Pinneberg gebe es in eine kleine Soko-Dependance in Bad Segeberg mit zwei Beamten. Zum Gesamtkonzept sollen weiterhin auch Präventionsarbeit und – wie bereits in den vergangenen Jahren – die sogenannten Anhalte- und Sichtkontrollen des an- und abfließenden Verkehrs gehören.

Für die Polizei habe die Gründung der Soko „einen gewaltigen Kraftakt“ bedeutet, sagt Jan-Hendrik Lewering, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion. Zum einen mussten Kollegen aus dem ganzen Direktionsgebiet zusammengezogen, zum anderen die nötigen Büros in Pinneberg durch Ausquartierung von anderen Mitarbeitern freigeräumt werden. Zwar bestehe das Team ausschließlich aus hochmotivierten Beamten, die sich freiwillig gemeldet hätten. „Aber selbstverständlich fehlen die nun an anderer Stelle“, räumt Lewering ein. Es lasse sich daher nicht verhindern, dass in einigen Revieren künftig mehr Arbeit für die übrigen Kollegen anfalle.

Dass die PD Bad Segeberg dem Thema nun so einen Vorrang einräumt, hängt auch mit einer Gesetzesänderung zusammen: Seit dem 22. Juli wird der Einbruch in eine „dauerhaft genutzte Privatwohnung“ laut Paragraph 244 Strafgesetzbuch mit einem bis zu zehn Jahren Haft bestraft, womit der Gesetzgeber die häufig schweren psychologischen Folgen für die Opfer gewürdigt hat. Ein halbes Jahr wird die Soko zunächst arbeiten, dann werde Bilanz gezogen und über eine Verlängerung nachgedacht. Die Aufklärungsquote von jetzt 6,7 auf mehr als zehn Prozent zu erhöhen, wäre aber „ein toller Erfolg“, sagt Lewering.

Schlechte Quote

Im Kreis Segeberg liegen die Einbrüche in Wohnungen bereits seit zehn Jahren auf hohem Niveau. Die höchste Fallzahl wurde 2012 und 2015 mit jeweils 832 Taten erreicht, der niedrigste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich im Jahr 2007 mit 555 Taten. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen lag 2016 im Kreis Segeberg bei bescheidenen 6,7 Prozent. Landesweit wurde dagegen eine Quote von 11,2 Prozent erreicht. Im Bundesschnitt wurden sogar 16,9 Prozent aller Einbrüche aufgeklärt.

 Oliver Vogt

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