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Segeberg Sokrates‘ Themen in der Gegenwart
Lokales Segeberg Sokrates‘ Themen in der Gegenwart
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23:16 03.09.2013
Der Philosophiekursus von Monika Rinast von der Gemeinschaftsschule am Seminarweg. Quelle: Foto: Domann

Lebendiger Philosophieunterricht mit Lehrerin Monika Rinast an der frischen Luft: Wie Sokrates vor über 2300 Jahren sind Schüler der Klassen 10 b und c der Gemeinschaftsschule am Seminarweg auf den Markt gegangen und haben den Passanten Fragen gestellt. Die gleichen, die auch schon Sokrates beschäftigt hatten. Was ist Gerechtigkeit, Feigheit, Tapferkeit, was ist Schönheit? Und glauben sie an Gott? Jede Gruppe hatte sich eine Frage ausgesucht und zehn bis 13 Leute interviewt. Herausgekommen sind Antworten, die die Schüler zum Teil erstaunt haben. So hatten sie zwar nach Gerechtigkeit gefragt, doch schnell wurde mit Ungerechtigkeit geantwortet, sagte Tessa Ohnke. Gerechte Verteilung, gleiche Rechte, kein Unterschiede zwischen arm und reich, Frau und Mann, behindert und nichtbehindert waren die häufigsten Antworten.

„Wir hatten Schönheit. Ich hatte erwartet, dass viele sagen, dass sie von innen herkommt“, sagte Alessa Dolling. Oder dass man ein bestimmtes Bild einer Person vor Augen habe, sagte Melanie Kruse. Doch die älteren Befragten bezogen Schönheit auf die Natur: Sonnenaufgang oder Regenbogen. Fragten die Schülerinnen nach Make-up, antworteten viele, dass eine Frau ungeschminkt schön sei oder Frauen ein Make up nur zu bestimmten Anlässen tragen sollten. Nur ein Jugendlicher meinte „Immer rauf mit dem Zeug“.

Feigheit setzte ein Großteil der Befragten anfangs mit Angst gleich. „Es kam dann Zivilcourage und das Beispiel, wenn jemand zusammengeschlagen wird und man zusieht, aber nicht eingreift“, so Jennifer Stramm. Und bei Tapferkeit überwinde man die eigene Angst, greife im Falle der Prügelei ein und komme zu Hilfe, sagte Saskia Molzahn. Anderen Leute in Notlagen helfen, Leben retten, aber auch eigene Schicksalsschläge aushalten, bedeute Tapferkeit, sagte Henning Westphal. Auffallend fanden die 15- bis 17-jährigen Schüler, dass Krieg nicht erwähnt wurde. Das sei bei Sokrates anders gewesen, damals habe es als tapfer gegolten, auf dem Schlachtfeld zu sterben. Die veränderte Sichtweise liege vielleicht an der langen Friedenszeit und dass es nicht mehr feige sei, brenzligen Situation auszuweichen, überlegten die Schüler.

Die Ja- und Neinstimmen zur Frage Glaube an Gott hielten sich die Waage. „Ich fand verblüffend, dass die jungen Leute meinten, sie glaubten, weil es dazugehöre“, sagte Janny Lücker. Die Älteren glaubten, weil der Glaube ihnen Kraft gebe. Nur eine Naturwissenschaftlerin sagte, dass sie glaube, nie zu glauben, weil sie schon zu viel Schlimmes erlebt habe.

Eines steht fest, die Jugendlichen hatten Spaß, waren an der frischen Luft, haben Erfahrungen gesammelt: Was denken andere, wie kommt man mit ihnen ins Gespräch? „Wir haben gelernt, wie Sokrates gearbeitet hat, auch wenn die Antworten anders als damals ausgefallen sind“, sagte Tessa Ohnke. „Zumindest die Grundlagen, denn Sokrates habe mit ,ja, aber‘ weiter gefragt“, erklärte die Lehrerin. Das wird nun Thema der kommenden Stunde sein.

Silvie Domann

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