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Segeberg Spaß daran, Lösungswege zu finden
Lokales Segeberg Spaß daran, Lösungswege zu finden
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22:44 06.05.2018
Verwaltungschef Matthias Bonse (CDU) tritt als einziger Bürgermeisterkandidat zur Wahl an. Sie findet am 6. Mai statt, einen Tag nach seinem 57. Geburtstag.
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Wahlstedt

Herr Bonse, was hat sie vor fast sechs Jahren dazu bewogen zu kandidieren?

Am 6. Mai, am Tag der Kommunalwahlen, stellt sich auch Wahlstedts Bürgermeister Matthias Bonse (CDU) für seine zweite Amtszeit zur Wahl. Er hat keinen Gegenkandidaten. Im Gespräch mit den LN blickt Bonse positiv auf die vergangenen sechs Jahre zurück, seine Ziele für die Stadt sind weitere Arbeitsplätze und mehr Einwohner.

Matthias Bonse: Schon ein Jahr vorher kam aus der CDU die Frage: „Mensch, willst du nicht unser Kandidat werden?" Damals hatte ich mich schon schwer getan, weil ich einen guten Job in der Elektrobranche hatte. Hurra schreien konnte ich spontan nicht, aber uninteressant war das Thema für mich auch nicht.

Was hat die Aufgabe für sie interessant gemacht?

Die Vielfältigkeit. Bürgermeister ist kein Nine-to-five-Job, kein Lehr-Beruf. Der genaue Zeitpunkt, als ich gesagt habe: „Ja, ich kann es mir vorstellen“, war nach einem ausgiebigen Sommerurlaub 2011 mit der Familie, in dem wir intensiv darüber gesprochen haben. Die muss mitziehen, das ist ganz wichtig. Ich muss nach fast sechs Jahren sagen, dass es die richtige Entscheidung war. 2006 hatte man mich schon einmal gefragt, aber damals hatte ich mir das aus der familiären Situation heraus nicht vorstellen können.

Am Tag Ihres Wahlsiegs konnte man beobachten, dass Ihre Mutter sehr stolz war. Ist sie später gelegentlich vorbeigekommen und hat gesagt, Matthias, das kannst du so nicht machen?

Den Bürgermeister legt man ja zu Hause nicht ab, auch im Freundeskreis nicht, da spricht man auch über Politik. Sicherlich gab es einige Punkte, ein Beispiel fällt mir aber gerade nicht ein.

Ich glaube doch

Bonse lacht laut und schweigt dann

Sie sagen, außer der Abwicklung der Mittelzentrumsholding und der Beendigung der Kooperation mit dem Schulstandort Fahrenkrug habe es keine großen Knackpunkte in ihrer Amtszeit gegeben. Das klingt nach immer geradeaus ohne Auf und Ab?

Ich habe keine Delle gefunden. Wir haben eine große, parteiübergreifende Einstellung, dass man sich für Wahlstedt einsetzten will. Man wird durch das Amt ein öffentlicher Mensch, muss sich in gewissen Bereichen ein dickeres Fell zulegen, das schon. Sicher gibt es mal Reibungspunkte, aber dicke Probleme gab es nicht.

Worauf ist Ihr Fokus in der Zukunft gerichtet?

Arbeitsplätze schaffen und die Erhöhung der Einwohnerzahlen, das sind die Kernziele. Wir leben von den Steuereinnahmen, das sind schwerpunktmäßig Gewerbesteuer- und Grundsteuer sowie die Schlüsselzuweisungen. Wir sind ja eine kleine Stadt – oder ein großes Dorf. Das ist wie in der Landwirtschaft: Bevor geerntet werden kann, muss die Saat ausgebracht werden. Da sind wir gerade dabei, siehe Marktplatz und Baugebiete. Und in der Digitalisierung haben wir starke Partner gefunden, sodass uns das kein Geld kostet.

Haben sie mit dem Widerstand gegen das geplante Industriegebiet gerechnet?

Dass die Bürger sich interessieren, finde ich gut. Dass das so professionell gemacht wird, hätte ich nicht erwartet. Ich denke, dass alles, was dort vorgebracht wird, auch ernst genommen wird. Aber es gibt niemanden, der rauchende Schornsteine 50 Meter von Wohnbebauung aufstellen will. Man muss vorher einfach die Rahmenbedingungen festlegen.

Sie vermitteln den Eindruck, dass Sie nichts auf die Palme bringt.

Zu schauen, wo Lösungswege sind, daran habe ich mehr Spaß, als mit hochrotem Kopf durch die Gegend zu laufen. Ignoranz und Lügen, das geht gar nicht, aber das Leben ist viel zu kurz, um sich extrem aufzuregen.

Sie wurden von der CDU wieder als Kandidat vorgeschlagen. Hätten sie sich selbst eingebracht und vielleicht auch lieber einen Gegenkandidaten?

Ja, ich hätte mich selbst vorgeschlagen. Über die Situation, einziger Kandidat zu sein, bin ich nicht unglücklich. Sie zeigt, dass die Leute zufrieden mit meiner Arbeit sind. Reine Formsache wird die Wahl trotzdem nicht. Man muss zwar 50,1 Prozent der Ja-Stimmen haben, aber es ist schon ein Zeichen, ob man mit mit diesem Ergebnis oder mit 70 oder 75 Prozent gewählt wird. Mein Ziel ist es, gewählt zu werden. Mit einer festen Legitimation.

Gesetzt den Fall, die CDU wird bei der Kommunalwahl nicht stärkste Kraft in der Stadtvertretung. Wird es dennoch die von ihnen immer wieder beschriebene gute Zusammenarbeit geben?

Das glaube ich schon. Die Kandidaten, die antreten, sind alles Leute, mit denen ich mir das durchaus zutraue. Wir haben ganz wenige Bereiche gehabt, in denen es Kampfabstimmungen gab. Wir sind ein Team. Und nur gemeinsam kann man etwas bewegen. Gemeinsam kann man sich aber auch megamäßig blockieren.

Schauen wir mal in die Glaskugel: Wie wird sich Wahlstedt 2024 entwickelt haben?

Man sieht auf den tollen Marktplatz, das gastronomische Angebot ist erweitert. Wir werden definitiv ein gut ausgelastetes Hotel und über 10 000 Einwohner haben. Das Kleine Theater ist saniert und fit für die Zukunft. Wir haben nicht nur das Fahrradnetz gut ausgebaut, sondern auch das Angebot für den autonom fahrenden Bus. Und im Rathaus haben wir den Weg in die Digitalisierung geschafft.

Würden Sie Ihren Hut aus heutiger Perspektive in sechs Jahren noch einmal in den Ring werfen?

Klar, das kann ich mir aus heutiger Sicht vorstellen. Mit 63 ist man ja noch nicht alt. Meine Frau wird wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – oder auch nicht.

Interview: Heike Hiltrop

Der „Wahlstedter Jung’“

Matthias-Christian Bonse ist der vollständige Name des Verwaltungschefs, von dem viele in der Stadt sagen, er ist einer von uns, ein „Wahlstedter Jung’“. Er ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Sternzeichen: Stier. Geboren ist er in Lübeck. Als Vierjähriger kam er mit der Familie nach Wahlstedt. Seine Ausbildung absolvierte er beim Finanzamt. Später holte Matthias Bonse die Fachhochschulreife nach, studierte Betriebswirtschaftslehre. Vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister vor knapp sechs Jahren arbeitete er 20 Jahre lang im Vertrieb eines großen Konzerns, Schwerpunkt Informationselektronik. hil

LN

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